Grenzübergreifender Naturschutz statt Stacheldraht

Die drei Bürgermeister der Gemeinden (v.l.n.r.) Pustec (Albanien), Resen (Mazedonien) und Prespes (Griechenland) kamen anlässlich des ersten Green Belt Day 2016 zusammen, um gemeinsam ein Signal für den grenzübergreifenden Schutz des Grünen Bandes Balkan zu setzen.

© Fejmi Daut

Naturschützer auf dem Balkan setzen Gegenpol zu Abschottungspolitik und Nationalismus +++ Erster internationaler „Tag des Grünen Bandes Europa“  am 24.09.2016

 

Presseinformation vom 26. September 2016

 

Radolfzell. Am vergangenen Samstag haben Naturschützer, Bürger und lokale Entscheidungsträger aus neun Ländern Südosteuropas ein Zeichen für eine grenzübergreifende Zusammenarbeit zum Schutz des europäischen Naturerbes gesetzt. An mehreren Orten entlang des einstigen Eisernen Vorhangs zwischen den ehemaligen Ostblockstaaten und Jugoslawien sowie Albanien feierten sie über Grenzen hinweg den ersten Internationalen „Tag des Grünen Bandes Europa“ (Green Belt Day) mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. “In vielen Ländern Südosteuropas werden derzeit wieder die Grenzen hochgezogen und nationalistische Tendenzen nehmen zu. Die grenzüberschreitenden Projekte zum Schutz des Grünen Bandes Europa zeigen, dass es auch anders geht: mit Kooperation und gemeinsamen Visionen statt Abschottung und nationalen Egoismen“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der europaweit tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur.

Die größte Veranstaltung fand im mazedonischen Oteshevo am Großen Prespa-See im Dreiländereck Albanien, Mazedonien und Griechenland statt. Während des Kalten Krieges war die Region nur schwer zugänglich, heute zählt sie zu den ökologisch wertvollsten Abschnitten des Grünen Bandes Europa auf dem Balkan. Dort kamen am Samstag auch die drei Bürgermeister der Gemeinden Resen (Mazedonien), Pustec (Albanien) und Prespes (Griechenland) zusammen, um gemeinsam ein starkes Signal für die grenzübergreifende Zusammenarbeit zum Schutz der einzigartigen Seenlandschaft zu setzen. „Das Verhältnis zwischen Mazedonien und Griechenland ist seit Jahren stark belastet. Dass wir es geschafft haben, Entscheidungsträger dieser beiden Länder für eine Zusammenarbeit zum Schutz der Region ins Boot zu holen, ist ein großer Erfolg“, betont Gabriel Schwaderer.

Gemeinsam mit ihren Partnern setzt sich EuroNatur seit über zehn Jahren entlang des Grünen Bandes Balkan dafür ein, grenzüberschreitende Schutzgebiete vorzubereiten, zu etablieren und diese miteinander zu vernetzen. In den länderübergreifenden Schutzprojekten bringt die Stiftung Naturschützer und andere Interessengruppen aus ehemals verfeindeten Staaten zusammen, um gemeinsam Maßnahmen für den Schutz der Natur zu entwickeln und umzusetzen. Doch der aktuell immer weiter voranschreitende Bau von Grenzzäunen am Grünen Band Balkan droht die bislang erzielten Erfolge zunichte zu machen. „Dort, wo früher der Eiserne Vorhang verlief, wird gerade eine neue Barriere gebaut, die Mensch und Natur trennt“, sagt Gabriel Schwaderer. 

 

Hintergrundinformationen:

  • Das „Grüne Band Europa“: Über 12.500 Kilometer erstreckt sich das „Grüne Band Europa“ als Korridor von Lebensräumen mit außergewöhnlicher Artenvielfalt entlang der ehemaligen Grenze zwischen Ost und West von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer. Die derzeit ambitionierteste Naturschutzinitiative Europas hat sich vorgenommen, den früheren Eisernen Vorhang in eine Linie des Lebens zu verwandeln und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Grünen Infrastruktur unseres Kontinents. Am Grünen Band reihen sich urige Wälder und Sümpfe, artenreiche Kulturlandschaften sowie wilde Gebirgs- und Flusslandschaften aneinander, wie sie in Europa sonst kaum noch zu finden sind. Es verbindet acht biogeographische Regionen und 24 Staaten miteinander und erstreckt sich in vier Abschnitten über den Kontinent. Das „Grüne Band Balkan“ ist der südlichste Abschnitt.
  •  „Tag des Grünen Bandes Europa“ (Green Belt Day):  Mit dem erstmals am 24.09.2016 veranstalteten Green Belt Day feierte die Initiative das zweijährige Bestehen des Vereins „European Green Belt Association“. Dieser wurde im September 2014 von 23 Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen aus 14 Ländern gegründet. Erstmals gibt es seither eine offizielle Organisationsform, welche die Initiative Grünes Band Europa repräsentiert. Mit dem BUND als Stellvertreter hat EuroNatur den Vereinssitz übernommen. In diesem Jahr legt der Green Belt Day den Fokus auf das Grüne Band Balkan. In den kommenden Jahren sollen die Aktivitäten auf das gesamte Grüne Band Europa ausgeweitet werden.




Rückfragen: EuroNatur, Konstanzer Str. 22, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 - 92 72 10, Fax: 07732 - 92 72 22, E-Mail: info@euronatur.org, Ansprechpartner: Gabriel Schwaderer, Pressekontakt: Katharina Grund

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…