Storchendorf-Auszeichnung mit Langzeitwirkung

In Cigoc findet sich kaum ein Dach ohne Storchennest.

© Kerstin Sauer

Cigoc in Kroatien feiert 15 Jahre „Europäische Storchendörfer“

 

Presseinformation vom 17. Juni 2009


Radolfzell.   „Aus einem verlassenen Dorf ohne Perspektiven für die Menschen wurde ein international anerkanntes ‚Europäisches Storchendorf’. Heute sind die Menschen in Cigoc stolz darauf, das einzigartige Natur- und Kulturerbe der Region zu erhalten. Genau so muss erfolgreiche Naturschutzarbeit laufen“, sagt Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby von der Naturschutzstiftung EuroNatur. Das im Naturpark Lonjsko Polje gelegene Cigoc war der erste Ort, den EuroNatur im Jahr 1994 im Rahmen der Initiative „Europäische Storchendörfer“ ausgezeichnet hat. Vom 18. bis 21. Juni 2009 trifft sich das Netzwerk aus europaweit mittlerweile zehn Storchendörfern in dem kleinen Ort südlich von Zagreb zum 15-jährigen Jubiläum der Initiative. Darunter auch Jürgen Herper, der Bürgermeister von Rühstädt im Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe-Brandenburg“, das seit 1996 „Europäisches Storchendorf“ ist. Zum Netzwerk gehören außerdem Gemeinden in Polen, Spanien, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Österreich, der Schweiz, Rumänien und Bulgarien.

Die Ausweisung von Cigoc zeigt bis heute Wirkung: Seit 1998 gibt es eine funktionierende Naturparkverwaltung. Der Naturtourismus bietet der Region heute ganz neue Perspektiven. So haben sich die Übernachtungszahlen im Naturpark Lonjsko Polje im Jahr 2008 um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Alle alten Holzhäuser im Storchendorf sind erhalten geblieben und einige davon wurden als touristische Unterkünfte restauriert. Außerdem gibt es zwei Gasthäuser und ein Informationszentrum.

„Die Ausweisung von Cigoc zum Europäischen Storchendorf war die Initialzündung für den erfolgreichen Schutz der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft in den kroatischen Save-Auen“, so Schneider-Jacoby. Als Cigoc vor 15 Jahren ausgezeichnet wurde, waren Teile Kroatiens als Folge des Jugoslawien-Krieges noch besetzt. Damals verlief die Demarkationslinie mitten durch den geplanten Naturpark Lonjsko Polje. Entsprechend schlecht waren die Bedingungen für die Naturschutzarbeit. „Wir wollten dafür sorgen, dass das im Jahr 1990, kurz vor dem Beginn des Jugoslawien-Krieges verabschiedete Naturparkgesetz durch die Kriegswirren nicht in Vergessenheit gerät.“ Die großflächigen Hutweiden mit ihren perfekt an die Landschaft angepassten Nutztierrassen (z.B. Posavina-Pferd, Turopolje-Schwein, slawonisches Graurind „Podolac“) konnten bis heute erhalten werden. Diese traditionelle Bewirtschaftungsform gibt es heute in ganz Europa nur noch in den Save-Auen. Auf den zeitweise überschwemmten Hutweiden finden Weißstörche, Schwarzstörche, Seeadler, Löffler und eine breite Palette anderer Arten reichlich Nahrung. Heute leben in Cigoc über 30 Storchenpaare und zahlreiche Jungstörche.

Hintergrundinformationen:

  • Mehr zu den Europäischen Storchendörfern
  • Mehr über das Schutzprojekt in den kroatischen Save-Auen und den Naturpark Lonjsko Polje
  • Link zum Naturpark Lonjsko Polje

Für weitere Informationen, Fotomaterial und Interviews steht Ihnen Vogelexperte und EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby gerne zur Verfügung.

EuroNatur
Konstanzer Straße 22
78315 Radolfzell
Tel.: 07732 - 92 72 10
Fax: 07732 - 92 72 22
E-Mail: info@euronatur.org
Internet: www.euronatur.org
Ansprechpartner: Dr. Martin Schneider-Jacoby
Pressekontakt: Katharina Grund

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…