Tatort Adria: Zugvögel im Visier

Den Löfflern bietet die östliche Adria Rastplätze von globaler Bedeutung.

© Davorka Kitonic

EuroNatur: Internationale Konferenz zum Zugvogelschutz an der östlichen Adriaküste erarbeitet Lösungsansätze
 
Presseinformation vom 20. April 2009

 
Radolfzell/Ulcinj.  „Lebensraumzerstörung und Vogeljagd verwandeln die Balkanhalbinsel in einen Gefahrenparcours für Zugvögel. Mit der internationalen Konferenz zum Zugvogelschutz sind wir unserem Ziel, die dramatisch schlechte Situation auf dem Balkan zu verbessern, einen entscheidenden Schritt näher gekommen“, zieht EuroNatur-Präsident Prof. Dr. Hartmut Vogtmann eine positive Bilanz der ersten Adriatic-Flyway-Konferenz, die EuroNatur gemeinsam mit Partnern vom 14. - 17. April 2009 im montenegrinischen Ulcinj veranstaltet hat. Mehr als 100 Experten aus 15 europäischen Ländern kamen zusammen und erarbeiteten konkrete Lösungsvorschläge für den Schutz der Zugvögel in Südosteuropa.

„Bis vor wenigen Jahren war der Balkan noch ein weißer Fleck auf der Landkarte des Vogelzugs. Im Rahmen der Konferenz haben Experten die Existenz und Bedeutung des Adriatic Flyway eindeutig bestätigt“, sagt EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby. So stellen die Feuchtgebiete an der östlichen Adria-Küste für über 20 Vogelarten wie Lachmöwe, Uferschnepfe und Löffler Rastplätze von globaler Bedeutung dar. Neben zahlreichen anderen Arten überqueren jährlich mehr als 15.000 Kraniche und 10.000 Wespenbussarde die Adria. Die Experten betonten deshalb die dringende Notwendigkeit, für sichere Rastplätze entlang dieser Zugroute zu sorgen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz haben die Teilnehmer in der „Ulcinj-Erklärung“ zusammengefasst. Diese wurde neben EuroNatur von den Vertretern der für den Zugvogelschutz in Europa bedeutenden Institutionen verabschiedet: darunter African-Eurasian Waterbird Agreement (AEWA), BirdLife International, Europarat, Ramsar Konvention und Wetlands International. Die Erklärung enthält klare Forderungen an die verantwortlichen Politiker in der Region. Dazu gehören an erster Stelle die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz der Zugvögel und ihrer Lebensräume in den Ländern entlang der Adria-Zugroute. Die Ulcinj-Erklärung fordert die Anpassung der Jagd- und Naturschutzgesetze an EU-Standards ebenso wie die Überwachung dieser Vorschriften. Die Vogelschutz-Experten betonen die Dringlichkeit des verstärkten Schutzes von Feucht- und Rastgebieten auf dem Balkan durch die Ausweisung von Jagdbanngebieten, eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Zugvogelschutz und die gezielte Ausbildung von Vogel- und Naturschutzexperten in den Ländern des Adriatic Flyway.

Ein Kernthema der Konferenz war das große, aber bisher weitgehend ungenutzte Potential der Balkanregion für den Naturtourismus. „Das Bojana-Buna-Delta ist eine Perle entlang des Grünen Bandes Europa. Man muss sie nur richtig polieren“, sagte EuroNatur-Präsident Prof. Dr. Hartmut Vogtmann bei der Auftaktveranstaltung zur Konferenz im Bojana-Buna-Delta, an der rund 250 Besucher teilnahmen. Eine besondere Chance für Menschen und Natur bietet dabei der Vogelbeobachtungs-Tourismus. In Ländern wie den USA bringe dieser heute bereits zwanzig Mal mehr Gewinn als die Vogeljagd, betonen die Experten in der Ulcinj-Erklärung.


Hintergrundinformation:

  • Die Ulcinj-Erklärung hier als pdf-Datei herunterladen (240 kb, englisch)
  • Mehr über die Adria-Zugroute (Adriatic Flyway)
  • Mehr über die EuroNatur-Kampagne „Tatort Adria-Vogeljagd auf dem Balkan“

Für weitere Informationen, Fotomaterial und Interviews steht Ihnen Vogelexperte und EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby gerne zur Verfügung.

EuroNatur
Konstanzer Straße 22
78315 Radolfzell
Tel.: 07732 - 92 72 10
Fax: 07732 - 92 72 22
E-Mail: info@euronatur.org
www.euronatur.org
Ansprechpartner: Dr. Martin Schneider-Jacoby
Pressekontakt: Katharina Grund



Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…