Wasserkraftwerk an Europas letztem Wildfluss?

Es sind Sargnägel mit Köpfen, welche die albanische Regierung derzeit an der Vjosa macht. Noch ist die wilde Schöne der letzte lebendige Wildfluss unseres Kontinents. Doch das könnte sich bald ändern. Am Dienstag wurde die Konzession für den Bau des Wasserkraftwerks „Pocemi“ ausgeschrieben – eine von insgesamt mehr als 30 Anlagen, die an der Vjosa und ihren Zuflüssen geplant sind.

Die Vjosa ist der letzte Wildfluss Europas. Der Bau eines Wasserkraftwerks hätte katastrophale Auswirkungen auf das sensible Ökosystem.

© Goran Safarek

Damit ignoriert die albanische Regierung klar die Forderungen des EU-Parlaments. Dieses hatte die albanische Regierung im vergangenen Mai explizit dazu aufgefordert, die geplanten Wasserkraftprojekte an der Vjosa und ihren Zuflüssen zu überdenken, "...da diese Projekte eines der letzten großen, intakten und nahezu ursprünglichen Flussökosysteme in Europa schädigen würden“.  Denn schon ein einziger Staudamm reicht aus, um das sensible Ökosystem der Vjosa vollkommen aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Noch im März 2015 hatte sich der albanische Premierminister Edi Rama gegenüber dem Vorschlag aufgeschlossen gezeigt, die Vjosa als ersten Wildfluss-Nationalpark Europas auszuweisen. EuroNatur und ihre Partnerorganisation Riverwatch folgten Ramas Aufforderung, ein entsprechendes Schutzgebietskonzept auszuarbeiten. Eine offizielle Rückmeldung darauf steht bis heute aus.

Stattdessen äußerte sich Edi Rama in einer Pressekonferenz ein paar Monate nach dem Treffen mit EuroNatur und Riverwatch, dass nur ein Teil der Vjosa für einen Nationalpark in Frage komme. So dürften unterhalb des bereits seit Jahren in Bau befindlichen Kalivac-Staudamms weitere Kraftwerke entstehen und auch Kalivac dürfte fertig gestellt werden. Mit „Pocemi“ drohen nun erste Fakten geschaffen zu werden.  

Unterstützen Sie die Kampagne „Rettet das Blaue Herz“ Europas zur Rettung der Balkanflüsse!

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…