„Europäisches Storchendorf“ 2016 ausgewiesen

Auszeichnung und Übergabe der Urkunde (rechts im Bild: EuroNatur-Projektleiter Stefan Ferger)

© E.D.M.B / E.Pistola

Griechisches Dorf ist Mitglied des internationalen Netzwerks

 

Presseinformation vom 13. Juni 2016


Radolfzell. Das Netzwerk der „Europäischen Storchendörfer“ ist seit Samstag um ein Dorf reicher. Am 11. Juni  zeichnete die Naturschutzstiftung EuroNatur das griechische Dorf Poros als „Europäisches Storchendorf“ 2016 aus. „Poros engagiert sich seit vielen Jahren für die Weißstörche und will in den kommenden Jahren ein umfangreiches Programm durchführen, um die eleganten Vögel noch besser zu schützen und ihren Lebensraum aufzuwerten. Dabei wollen wir sie unterstützen“, sagt EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer.

Poros liegt in der Gemeinde Feres am Rand des Evros-Deltas an der griechisch-türkischen Grenze. Die Feuchtwiesen, Lagunen und Reisfelder in den Überschwemmungsbereichen des Evros bieten den Weißstörchen einen reich gedeckten Tisch. Nicht umsonst gehört die Region zu den wichtigsten Brutgebieten des Weißstorches in Griechenland. Rund 200 Quadratkilometer des Deltas sind als Nationalpark geschützt. Gemeinsam arbeiten die Nationalparkverwaltung, die neu gegründete lokale Storchenschutzinitiative Ciconia, die Gemeinde Feres, die Bürger und die Verwaltung von Poros daran, den Störchen auch in Zukunft optimale Lebensbedingungen zu bieten.

Um die Populationsentwicklung der schwarz-weißen Segler im Blick zu behalten, führt die Nationalparkverwaltung seit 2004 eine systematische Zählung der Störche durch. Bislang brüten die Störche ausschließlich auf Strommasten. In den kommenden Jahren will die Gemeinde mit Unterstützung des regionalen Elektrizitätsunternehmens HEDNO künstliche Nistplattformen als Alternative zu diesen Nestern installieren. In einem ersten Schritt hat HEDNO bereits alle Stromleitungen im Dorf technisch entschärft und so das Stromtod-Risiko für die Vögel deutlich minimiert. Auch die Nahrungsgründe der Störche sollen verbessert werden. Zahlreiche Feuchtwiesen am Rand des Deltas sind in den vergangenen Jahren durch die Aufgabe der extensiven Nutzung zunehmend verbuscht. Die Nationalparkverwaltung plant, diese Flächen nach und nach durch gezielte Beweidungsprojekte wieder zu öffnen. Einen großen Fokus legen die Dorfverwaltung von Poros und ihre Partner auch auf die Bewusstseinsbildung der Lokalbevölkerung. Um bereits die Kinder für den Schutz der Störche und ihrer Lebensräume zu sensibilisieren, wurde in drei Grundschulen der Gemeinde ein Umweltbildungsprojekt zu den Weißstörchen durchgeführt. Dieses soll in den kommenden Jahren ausgeweitet werden. Zudem werden die Bewohner von Poros künftig jedes Jahr Ende Mai „ihre Störche“ mit einem großen Festival feiern. Mit einem abwechslungsreichen kulturellen Programm will die Gemeinde zahlreiche Besucher nach Poros locken und die Menschen auch über die Region hinaus für den Schutz der Störche und ihrer Lebensräume begeistern.


Hintergrundinformationen:
Die Initiative „Europäische Storchendörfer“: Seit 1994 zeichnet EuroNatur Dörfer und Gemeinden als „Europäisches Storchendorf“ aus, in denen viele Störche leben und die sich besonders für den Storchenschutz einsetzen. Damit schafft EuroNatur eine wachsende Allianz für den Schutz der Großvögel und setzt einen Gegenpol zum steigenden Lebensraumverlust für Weißstörche in Europa. Poros ist Storchendorf Nummer 15. In Deutschland ist das im Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe Brandenburg“ gelegene Dorf  Rühstädt seit 1996 Teil des Netzwerks. Mehr zur Initiative und den bislang ausgewiesenen Dörfern

Rückfragen: EuroNatur, Konstanzer Str. 22, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 - 92 72 24, Fax: 07732 - 92 72 22, E-Mail: info(at)euronatur.org, Ansprechpartner: Gabriel Schwaderer, Pressekontakt: Angie Rother

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…