Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist Weltfeuchtgebietstag ++

Feuchtgebiet aus der Vogelperspektive

Die Narta-Lagune aus der Vogelperspektive: Mit ihren vielfältigen Landschaftsformen auf kleinem Raum und dem nährstoffreichen Brackwasser ist das Feuchtgebiet an Albaniens Küste ein Hot-Spot für Europas Zugvögel.

© Xhemal Xherri/PPNEA
Ein Trupp von Krauskopfpelikanen auf dem Wasser

In der Narta-Lagune finden die seltenen Krauskopfpelikane noch ausreichend Nahrung.

© Taulant Bino
Vögel in der Narta-Lagune

Unter anderem für Flamingos und Raubseeschwalben ist das Feuchtgebiet ein bedeutendes Rastgebiet auf dem kräftezehrenden Zugweg.

© Zydjon Vorpsi/PPNEA

Radolfzell, Vlora. Anlässlich des Weltfeuchtgebietstages macht die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur auf die geplante Zerstörung eines bedeutenden Zugvogelgebiets an der Adria aufmerksam. Nahe der albanischen Küstenstadt Vlora soll ein internationaler Flughafen entstehen – mitten im Vogelparadies der Narta-Lagune, wo der Wildfluss Vjosa in die Adria mündet.

Zivilgesellschaftliche Organisationen sowie albanische Umweltexperten kritisieren die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Bauprojekt scharf. Sie sei tendenziös und sei absichtlich zugunsten des Baus des Flughafens innerhalb der geschützten Landschaft Vjosa-Narta erstellt worden, so die Wissenschaftler. „Damit ignoriert die albanische Regierung ganz bewusst auf internationaler Ebene geltende Vorgaben, denn die Narta-Lagune steht sowohl national als auch international unter Schutz“, sagt EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer.

Am 28. November hat Albaniens Premierminister Edi Rama – symbolträchtig am albanischen Nationalfeiertag – die Baustelle des Megaprojekts eröffnet. Zwar geht es dort aktuell ruhig zu, doch es ist zu vermuten, dass die Bauarbeiten ab März Fahrt aufnehmen. Zudem erwarten viele Beobachter, dass die albanische Regierung eine Korrektur der Grenzen des Vjosa-Narta-Schutzgebiets, das auch nach den Grundsätzen der Berner Konvention geschützt ist, beschließen wird. Denn in einem Schutzgebiet darf nach nationalem Recht kein Flughafen gebaut werden.

Der Narta-Lagune droht das gleiche Schicksal wie etlichen anderen Feuchtgebieten überall auf der Welt. Die Zerstörung von Seen und Flüssen, von Mooren und Sümpfen, Lagunen und Küsten ist nicht nur verheerend für die Artenvielfalt auf unserem Planeten, sondern auch für das Klima. Der Weltfeuchtgebietstag macht auf die Schutzwürdigkeit dieses Lebensraums aufmerksam.


Hintergrundinformationen:

  • Weltfeuchtgebietstag 2022: Der World Wetlands Day wird jedes Jahr am 2. Februar gefeiert. In diesem Jahr steht er unter dem Aufruf „Value – Manage – Restore – Love Wetlands“: https://www.worldwetlandsday.org
  • Narta-Lagune: Die Narta-Lagune ist der zweitwichtigste Lebensraum für Wasservögel in Albanien. Das 42 km² große Feuchtgebiet spielt eine zentrale Rolle für den Vogelzug entlang der Adriaküste und ist ein bedeutender Nahrungsplatz für die bedrohten Krauskopfpelikane. Die Vjosa, einer der letzten großen, unverbauten Wildflüsse Europas mündet hier an einem weitestgehend unberührten Küstenstreifen in die Adria. Mehr zu unseren Flussprojekten: https://www.euronatur.org/unsere-themen/flussschutz-in-europa

Rückfragen: Christian Stielow, E-Mail: christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732 - 92 72 15

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