Frist abgelaufen: Jetzt Flüsse konsequent schützen

Naturschutzorganisationen fordern von der Regierung der Föderation von Bosnien und Herzegowina ein Moratorium für den Bau von Kleinwasserkraftwerken. Deren Bau gefährdet ökologisch bedeutsame Flüsse sowie seltene und endemische Tiere.

<p>Noch fließt sie frei: die Neretvica, eine der Flussperlen in Bosnien-Herzegowina.</p>

© Amel Emric

<p>Protest der „mutigen Frauen von Kruščica“. Sie erhielten für ihren tapferen und unermüdlichen Einsatz für ihren Fluss den <a href="t3://page?uid=2363">EuroNatur-Preis 2019</a>.</p>

© Jakub Hrab

Naturschutzorganisationen auf der ganzen Welt fordern die Föderation von Bosnien und Herzegowina dringend auf, die Resolution zum Verbot neuer Kleinwasserkraftwerke in der Teilrepublik in Kraft zu setzen. Die Resolution, die bislang noch keine Rechtskraft besitzt, wurde ursprünglich am 23. Juni verabschiedet. Die Frist zur Umsetzung der Resolution und somit zum dauerhaften Verbot neuer Kleinwasserkraftwerke endet am 23. September. Wenn die Regierung die Resolution nicht bald in ein Gesetz umwandelt, wird sie erneut Tausende von intakten Flusskilometern der Gefahr durch Wasserkraftwerke aussetzen.

„Dies ist die Gelegenheit für Bosnien und Herzegowina, mit gutem Beispiel voranzugehen und Europas Vorreiter beim Schutz einiger der artenreichsten Flüsse des Kontinents zu werden", sagte Barney Long, Senior Director of Species Conservation bei Global Wildlife Conservation. Die Flüsse zwischen Slowenien und Griechenland, einschließlich der Flüsse in Bosnien-Herzegowina, gelten als der wichtigste Hotspot für die bedrohte Süßwasser-Biodiversität in Europa. 69 Fischarten in diesen Flüssen leben nirgendwo sonst auf der Welt.

„Jedes Mal, wenn ich die Flüsse des Balkans besuche, bin ich von ihrer Schönheit überwältigt", sagt Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch und einer der Koordinatoren der gemeinsam von EuroNatur und Riverwatch koordinierten Kampagne "Rettet das Blaue Herz Europas". „Was mich zusätzlich beeindruckt, ist wie sehr sich die Menschen für den Erhalt ihrer Flüsse einsetzen.“ Annette Spangenberg, Projektkoordinatorin bei EuroNatur ergänzt: „Die Balkanflüsse sind ein europäischer Schatz, den wir nicht verlieren dürfen. Wir unterstützen die lokalen Gemeinschaften in ihrem Kampf um ihre Flüsse und werden dafür sorgen, dass ihre Stimmen in ganz Europa gehört werden".

Das Blaue Herz Europas sieht sich einem Staudamm-Tsunami ausgesetzt, der auch vor Schutzgebieten keinen Halt macht. Die Wasserkraftprojekte werden von lokalen und ausländischen Investoren vorangetrieben und größtenteils staatlich subventioniert. Einige Investoren nutzen das Argument, dass die Wasserkraft Bosnien-Herzegowina dabei helfen könne, sein Ziel von 40 Prozent erneuerbarer Energie (eines der höchsten Ziele in Europa) zu erreichen, um dem Beitritt zur Europäischen Union einen Schritt näher zu kommen.

Kleinwasserkraftwerke zerstören die Flüsse und die umliegende Landschaft, sie leiten Wasser ab und verschmutzen es. Sauberes Trinkwasser ist für viele lokale Gemeinden plötzlich nicht mehr vorhanden, beziehungsweise sehr teuer. Im ganzen Land haben sich lokale Gemeinschaften, etwa bei den Flüssen Neretvica und Kruščica, erhoben und Proteste organisiert.

Neben der Aufforderung an die Regierung der Föderation von Bosnien und Herzegowina, den Bau von Kleinwasserkraftwerken formell zu verbieten, fordert die internationale Gruppe der Naturschutzorganisationen auch die Regierung der Teilrepublik Srpska auf, ein Moratorium zum Bau von Wasserkraftwerken zu verabschieden. Hier wurde Anfang des Jahres eine ähnliche Resolution vorgeschlagen; die Nationalversammlung stimmte aber trotz Protesten der örtlichen Gemeinden dagegen.


Hintergrundinformationen:

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Flamingos oder Flugzeuge: Proteste gegen Flughafen in Albanien

++ Weltfeuchtgebietstag lenkt Aufmerksamkeit auf globale Zerstörung von Flüssen, Seen, Mooren und Küsten ++ Große Protestaktion in Albanien gegen…

Schwaderer in Steinmeiers Delegation

Große Ehre für Gabriel Schwaderer: Der EuroNatur-Geschäftsführer war bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Staatsbesuch in Albanien und…

Vjosa-Wildfluss-Nationalpark: Expertenteam legt Machbarkeitsstudie vor

Die Vjosa, einer der letzten großen Wildflüsse Europas, ist ihrer Unterschutzstellung heute einen großen Schritt nähergekommen. Das Projektteam aus…

Rechtliche Schritte gegen den Vlora-Flughafen in Albanien

Neue Entwicklungen zum geplanten Flughafenbau in der Narta-Lagune: Die von unseren Partnern eingereichte Klage gegen das Projekt wurde in erster…

Düstere Aussichten für Svydovets

Im ukrainischen Bergmassiv Svydovets soll ein gigantisches Skiresort entstehen. Gegen diese Pläne hat die Umweltbewegung Free Svydovets geklagt. Nun…

Jahresrückblick 2022

Ukraine-Krieg und Energiekrise, Vogelgrippe und Fischsterben, dazu noch immer die Corona-Pandemie und ihre Folgen. 2022 war ein kompliziertes Jahr,…

Vielfalt der Natur im Fokus

++ Internationaler EuroNatur-Fotowettbewerb 2023 startet ++ Runder Geburtstag für die „Naturschätze Europas“ ++

Weiterer Widerstand gegen albanischen Flughafenbau

Europäische Regierungen fordern die albanische Regierung auf, den Bau des Flughafens in der Narta-Lagune auszusetzen. Das Hauptargument: die…

Forderung nach Beschleunigung des Solarausbaus

Führende Umwelt-, Klima- und Naturverbände fordern gemeinsam mit der Solarbranche eine nachhaltige Beschleunigung der Solarenergie.

Berner Konvention fordert Bosnien-Herzegowina auf, alle Staudammprojekte am Fluss Neretva zu stoppen

Am 2. Dezember beschloss der Ständige Ausschuss der Berner Konvention (Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und…

Illegaler Flughafenbau: Umweltgruppen verklagen die albanischen Behörden

++ Klage gegen Bau des internationalen Flughafens Vlora wegen Unregelmäßigkeiten und Gesetzesverstößen ++ Flughafen stellt eine massive Bedrohung für…

Polnische Ausbaupläne könnten der Oder den Rest geben

++ Regierung in Warschau plant Ausbau des deutsch-polnischen Grenzflusses ++ Naturschutzorganisationen reichen Beschwerde bei EU ein ++…

Projekt BESTbelt bietet neue Möglichkeiten am Grünen Band Europa

Vor 33 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen und es begann eine neue Zeitrechnung. Nicht nur für die deutsche Wiedervereinigung, sondern auch für die…

"Destruktiv, undemokratisch und wahrscheinlich illegal"

Kritik an durchgesickerten EU-Maßnahmen für erneuerbare Energien: Die EU-Pläne für eine Dringlichkeitsmaßnahme, um die Entwicklung erneuerbarer…