Naturschützer fordern politische Unterstützung aus der EU für Vjosa-Nationalpark in Albanien

++ Der neue Slogan „Vjosa National Park Now“ ist ein Appell, Europas letzten großen Wildfluss zu schützen ++

Aktion zum Schutz der Vjosa vor der Universität in Tirana

<p class="mediaitemsubs">Aktion vor der Universität in Tirana</p>

© Adrian Guri
Aktion zum Schutz der Vjosa vor dem Eiffelturm

<p>Aktion vor dem Eiffelturm</p>

© Sébastien Champeaux

Paris, Brüssel, Berlin, Tirana. Am heutigen UN-Weltwassertag bringen mehrere Naturschutzorganisationen eine Bilderserie heraus, auf denen die Forderung „Vjosa National Park Now“ in großen Lettern vor weltbekannten Denkmälern und Gebäuden in Paris, Berlin, Brüssel und Tirana gezeigt wird. Die Naturschützerinnen und Naturschützer zielen damit auf die Aufmerksamkeit der Politiker in der EU und in Albanien und fordern sie auf, an der albanischen Vjosa den ersten Wildfluss-Nationalpark Europas einzurichten. Diese historische Schutzgebietsausweisung hätte internationale Bedeutung, denn sie würde 300 Flusskilometer bewahren, die der Lebensraum von mehr als 1.100 Arten sind, viele davon gefährdet.

Im September 2020 verkündete Albaniens Premierminister Edi Rama seine Absicht, einen Vjosa-Nationalpark einzurichten. Allerdings folgten darauf keine konkreten Schritte der Regierung. Die Pläne der albanischen Schutzgebietsbehörde sehen nur minimalen Schutz für die Vjosa vor. Damit würden Wasserkraftwerke nicht ausgeschlossen und die Schutzstandards eines Nationalparks weit verfehlt.

„Wir haben für unsere Aktion ganz bewusst diese besonderen Orte ausgewählt, um zu zeigen, welchen Wert die Vjosa für uns in Albanien hat“, erklärt Olsi Nika, Geschäftsführer von EcoAlbania. „Es ist unvorstellbar, diese Bauwerke in Europas Hauptstädten zu zerstören – warum sollten wir eine andere Einstellung gegenüber unserem unberührten Fluss haben, der seit tausenden Jahren Teil unserer Geschichte ist? Jetzt vor den Wahlen in Albanien fordern wir, dass unsere Regierung die Vjosa unter Schutz stellt und dass die führenden EU-Politiker diese Initiative unterstützen.“

Auch eine kürzlich durchgeführte Meinungsumfrage zeigt, dass 94 Prozent der albanischen Bevölkerung einen Nationalpark begrüßen. Die Kampagne "Vjosa National Park Now" hat auch internationale Unterstützung von Preisträgern des Right Livelihood Award erhalten, die kürzlich einen offenen Brief zum Schutz der Vjosa an albanische und EU Politiker geschrieben haben, sowie von Prominenten wie Leonardo DiCaprio.

Am 4. März beschloss der Außenausschuss des EU-Parlaments, die Vjosa in den Fortschrittsbericht für Albanien aufzunehmen. Im Bericht drängt der Ausschuss die albanische Regierung, die Staudammpläne entlang der Vjosa aufzugeben und „so rasch wie möglich einen Vjosa-Nationalpark zu errichten, der die gesamte Länge des Flusses umfasst“.

„Es gibt drei Hauptgründe für einen Vjosa-Nationalpark“, erklärt Riverwatch-Geschäftsführer Ulrich Eichelmann. „Erstens bietet die Ausweisung als Nationalpark den bestmöglichen Schutz des Flusses und seiner Biodiversität. Jeder schwächere Schutz würde die Vjosa verwundbar gegenüber künftigen Erschließungsplänen machen. Zweitens würde ein Nationalpark der lokalen Bevölkerung eine beträchtliche Einkommensquelle durch Ökotourismus bieten. Schließlich würde ein Nationalpark internationale Gelder für die Planung und den Betrieb des Schutzgebiets anziehen. Keine andere Schutzkategorie vereint diese Vorteile.“

In ganz Europa gehen Süßwasserlebensräume schneller verloren als jeder andere Lebensraumtyp. Weltweit gehören sie zu den gefährdetsten Ökosystemen. In Europa gibt es einen durchschnittlichen Rückgang von 93 Prozent bei wandernden Süßwasserfischen. Lebensraumzerstörung ist einer der Gründe dafür. Wir dürfen die einmalige Chance nicht versäumen, dem großen Wert dieses Hotspots der Biodiversität gerecht zu werden und diesen intakten Fluss zum Wohle von Mensch und Planet zu bewahren.

„Hier bietet sich eine einzigartige Gelegenheit, ein Zeichen vor Europa und der Welt zu setzen. Diesen Fluss in seiner Gesamtheit zu bewahren, setzt einen neuen Maßstab für das, was im Naturschutz möglich ist“, sagt Annette Spangenberg, Leiterin Naturschutz bei EuroNatur.


Hintergrundinformationen:

  • Die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ dient dem Schutz von Flüssen mit besonders hohem Naturwert auf der Balkan-Halbinsel, die von mehr als 3.400 Wasserkraft-Projekten bedroht werden. Die Kampagne wird von den internationalen Naturschutzorganisationen RiverWatch und EuroNatur koordiniert und gemeinsam mit Partnerorganisationen in den Balkanländern umgesetzt. Der lokale Partner in Albanien ist EcoAlbania. Weitere Informationen unter https://balkanrivers.net/de.
  • Nehmen Sie an der Online-Pressekonferenz zum Weltwassertag teil, die am Montag, 22. März von 9:30-11:00 MEZ (Link live zu dieser Zeit) im Brüsseler Presseclub stattfindet, und stellen Sie Fragen zur visuellen Aktion.
  • Der sechsminütige Film Vjosa Forever wurde am 3. März von Patagonia veröffentlicht und lädt die Menschen auf der ganzen Welt ein, ihre Unterstützung für einen Vjosa-Wildflussnationalpark zu bekunden.
  • Die Kampagne wird unter anderem unterstützt von: Manfred-Hermsen-Stiftung.


Kontakt:
Christian Stielow, EuroNatur | christian.stielow(at)euronatur.org | +49 7732 927215
Cornelia Wieser, Riverwatch | cornelia.wieser(at)riverwatch.eu | +43 650 4544784
Besjana Guri, EcoAlbania | b.guri(at)ecoalbania.org  +355 69 2954214

 

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Schwaderer in Steinmeiers Delegation

Große Ehre für Gabriel Schwaderer: Der EuroNatur-Geschäftsführer war bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Staatsbesuch in Albanien und…

Vjosa-Wildfluss-Nationalpark: Expertenteam legt Machbarkeitsstudie vor

Die Vjosa, einer der letzten großen Wildflüsse Europas, ist ihrer Unterschutzstellung heute einen großen Schritt nähergekommen. Das Projektteam aus…

Rechtliche Schritte gegen den Vlora-Flughafen in Albanien

Neue Entwicklungen zum geplanten Flughafenbau in der Narta-Lagune: Die von unseren Partnern eingereichte Klage gegen das Projekt wurde in erster…

Düstere Aussichten für Svydovets

Im ukrainischen Bergmassiv Svydovets soll ein gigantisches Skiresort entstehen. Gegen diese Pläne hat die Umweltbewegung Free Svydovets geklagt. Nun…

Jahresrückblick 2022

Ukraine-Krieg und Energiekrise, Vogelgrippe und Fischsterben, dazu noch immer die Corona-Pandemie und ihre Folgen. 2022 war ein kompliziertes Jahr,…

Vielfalt der Natur im Fokus

++ Internationaler EuroNatur-Fotowettbewerb 2023 startet ++ Runder Geburtstag für die „Naturschätze Europas“ ++

Weiterer Widerstand gegen albanischen Flughafenbau

Europäische Regierungen fordern die albanische Regierung auf, den Bau des Flughafens in der Narta-Lagune auszusetzen. Das Hauptargument: die…

Forderung nach Beschleunigung des Solarausbaus

Führende Umwelt-, Klima- und Naturverbände fordern gemeinsam mit der Solarbranche eine nachhaltige Beschleunigung der Solarenergie.

Berner Konvention fordert Bosnien-Herzegowina auf, alle Staudammprojekte am Fluss Neretva zu stoppen

Am 2. Dezember beschloss der Ständige Ausschuss der Berner Konvention (Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und…

Illegaler Flughafenbau: Umweltgruppen verklagen die albanischen Behörden

++ Klage gegen Bau des internationalen Flughafens Vlora wegen Unregelmäßigkeiten und Gesetzesverstößen ++ Flughafen stellt eine massive Bedrohung für…

Polnische Ausbaupläne könnten der Oder den Rest geben

++ Regierung in Warschau plant Ausbau des deutsch-polnischen Grenzflusses ++ Naturschutzorganisationen reichen Beschwerde bei EU ein ++…

Projekt BESTbelt bietet neue Möglichkeiten am Grünen Band Europa

Vor 33 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen und es begann eine neue Zeitrechnung. Nicht nur für die deutsche Wiedervereinigung, sondern auch für die…

"Destruktiv, undemokratisch und wahrscheinlich illegal"

Kritik an durchgesickerten EU-Maßnahmen für erneuerbare Energien: Die EU-Pläne für eine Dringlichkeitsmaßnahme, um die Entwicklung erneuerbarer…

EuroNatur-Preis 2022: Zeichen für den Urwaldschutz und Solidarität mit der Ukraine

++ Waldschützerinnen und Waldschützer haben den EuroNatur-Preis 2022 erhalten ++ Europas letzte Urwälder stehen massiv unter Druck ++ Krieg gegen die…