Umweltschützer warnen: Essgewohnheiten der Deutschen bedrohen Gesundheit und Artenvielfalt in der Landschaft

EuroNatur-Buchreport "Futter fürs Volk" fordert neues Ernährungsbewusstsein

© Peter Rüther

 

Presseinformation vom 09. Juni 2006

 

München/Stuttgart. Die Deutschen essen immer schlechter. Lebensmittel werden mehr und mehr zum Futter fürs Volk, beklagt die internationale Umweltstiftung EuroNatur. Weil die Deutschen immer mehr Fertignahrung verspeisen und fast nichts mehr über Landwirtschaft und Landschaft wissen, werden Bauern immer mehr zur Massenproduktion gezwungen, was wiederum die Lebensräume vieler Tiere und Pflanzen gefährdet. Darauf haben jetzt Claus-Peter Hutter und Lutz Ribbe von der Umweltstiftung EuroNatur gemeinsam mit Volker Angres – hauptberuflicher Leiter der ZDF-Umweltredaktion – mit dem Buchreport "Futter fürs Volk" hingewiesen. Zunehmende Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen, Aggressivität und Gewaltbereitschaft auf der einen Seite sowie die Abnahme landwirtschaftlicher Familienbetriebe und der bedrohliche Schwund früher weit verbreiteter Tier- und Pflanzenarten andererseits seien zwei Seiten derselben Medaille, so EuroNatur-Präsident C.-P. Hutter. Die drei Autoren plädieren mit dem Buch für bewussteren Einkauf, die Auswahl regionaler Produkte und die Vermittlung von Kochfertigkeiten an die junge Generation als Basis für mehr Umwelt- und Lebensqualität.

Zur massiven Fehlernährung komme es, weil das Wissen über die Zusammenhänge und Hintergründe einer natürlichen Ernährung mehr und mehr verloren geht. Nicht nur in Amerika, auch in Deutschland findet in den Schulen immer weniger Kochunterricht statt. Im Zuge der allgemeinen Sparmaßnahmen hätten die Schulpolitiker bedenkenlos die Hauswirtschaft aus dem Stundenplan gestrichen. Die Folgen seien so gravierend, dass immer mehr neue Analphabeten auf diese Weise heranwachsen. Es seien zwar alles Menschen, die lesen, schreiben und rechnen können, aber es sind Analphabeten in Sachen Ernährung. "Sie wissen nicht, wo Vitamin A oder B drinsteckt, haben keine Ahnung von Ballaststoffen und wozu Folsäure gut ist", betont Volker Angres. Konsequenterweise setze sich das Analphabetentum bei der Handhabung von Pfannen und Töpfen fort: "Kochen? Nein danke!" sei entgegen der Beliebtheit von Kochsendungen im Fernsehen leider der wahre Trend.

Schon jetzt hätte man es mit einer nicht kochenden Generation zu tun; dies lasse für die Zukunft nicht gerade Besserung erwarten, unterstreicht man bei der Umweltstiftung. Nicht umsonst beklage die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, dass auf diese Weise das Wissen um grundlegende Zusammenhänge zwischen Kulturlandschaften und Landwirtschaft und dem eigenständigen Zubereiten gesunder Nahrung immer mehr verloren gehe. Viele Kinder sind zum Beispiel der Meinung, dass Orangen in England wachsen, Kühe lila sind und Fische als Stäbchen im Meer umherschwimmen, unterstreichen die Autoren.

Wer etwas nicht kennt, vermisse es auch nicht. "Wir wollen deshalb in erster Linie informieren und sensibilisieren", so EuroNatur-Präsident C.-P. Hutter, der darauf hinweist, dass die meisten Lebensmittelskandale und industrielle Massenware auch das Spiegelbild des Verbraucherverhaltens seien. "Wenn wir unbeirrt essen, was auf den Tisch kommt und immer mehr zu Fertigwaren greifen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn der Druck auf die Bauern immer stärker wird und noch mehr Tier- und Pflanzenarten aus der Landschaft verschwinden." Wer nach dem Motto Hauptsache billig und Hauptsache essbar lebe – so Hutter und seine Autorenkollegen Angres und Ribbe – zahle letztlich mit einem hohen Preis: Nämlich mit der eigenen Gesundheit.

Da sich der Buchreport als Handbuch für alle diejenigen versteht, welche wissen wollen, wie es auch anders geht, haben die Autoren das Thema Küche und Kochen analysiert, sind dem Thema Convenience-Produkte ebenso wie Functional Food nachgegangen, haben unter dem Kapitel Gift und Galle die industrialisierte Eierproduktion ebenso hinterfragt wie die Hähnchenmästerei. Das Thema Gentechnik spielt ebenso eine Rolle in "Futter fürs Volk" wie die heutige Form der Milchproduktion und der Käseherstellung, die mögliche Zunahme von Krankheiten und die weitere Umweltzerstörung durch die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln. Weitere Themen sind die Erhaltung vom Aussterben bedrohter alter Haustierrassen und die Grundlagen gesunder Ernährung.

Angres, Ribbe und Hutter belassen es nicht beim Aufzeigen von Missständen, sondern nennen auch eine Vielzahl von positiven Beispielen für gesündere Ernährung und eine Agrarwende und machen damit deutlich, dass es auch anders geht.

Futter fürs Volk – Was die Lebensmittelindustrie uns auftischt

Knaur Verlag München

ISBN 3-426-77858-0

8,95 €

 

Bei Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Geschäftsstelle Ludwigsburg

Bahnhofstr. 35; 71638 Ludwigsburg

Tel.: 07141-920321

Fax:  07141-901183

Email: ludwigsburg(at)euronatur.org

Internet: www.euronatur.org

 

Hinweis für die Redaktionen:

Besprechungsexemplare können direkt beim

Droemer Knaur Verlag, München angefordert werden:

Tel.: 089-9271-143

E-Mail: astrid.drebes(at)droemer-knaur.de

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Enttäuschende Kompromisse nach Abstimmung im EU-Parlament

Nach der Abstimmung in Straßburg über die Erneuerbare-Energie-Richtlinie (RED) überwiegt die Enttäuschung. Die Abgeordneten haben es versäumt,…

Letzte Geier in Bulgarien ausgewildert

++ Zwei weibliche Mönchsgeier im bulgarischen Balkangebirge ausgewildert ++ Erfolgreiches Projekt ist nach sieben Jahren ausgelaufen ++ Am 3.…

Umweltverbände legen Kernforderungen für ein Aktionsprogramm Oder vor

Oder-Katastrophe als Chance für eine ökologische Revitalisierung nutzen.

Oder-Katastrophe: Ursachen lückenlos aufklären und Sanierung der Oder sicherstellen

Das Fischsterben in der Oder ist menschengemacht, so viel steht fest. Entschiedene Schritte sind jetzt gefragt.

Dürre in der Saline Ulcinj

Trockenheit und unzureichendes Wassermanagement haben die Saline Ulcinj in Montenegro nahezu austrocknen lassen. Dennoch können Naturschützer der…

Vorläufiger Bericht der Neretva-Wissenschaftswoche

Die ersten Ergebnisse der Wissenschaftswoche an der Neretva liegen vor und wurden in einem Bericht zusammengefasst. Er liefert erste Eindrücke,…

Storchendorftreffen im serbischen Taraš

Endlich wieder persönlich zusammenkommen: Nach zwei Jahren Covid-Zwangspause haben sich Vertreter aus sieben Europäischen Storchendörfern in Taraš…

Hohes Risiko bei Investionen in Wasserkraft auf dem Balkan

Große Wasserkraft-Neubauprojekte in Südosteuropa (1) sind mit massiven Investitionsrisiken behaftet und haben niedrige Realisierungsraten. Das zeigt…

Auszeichnung für Waldschützer und Waldschützerinnen aus Deutschland und der Ukraine

++ EuroNatur-Preis 2022 geht an Antje Grothus, Fedir Hamor und die Organisation Free Svydovets ++ Europas letzte Urwälder stehen unter enormen Druck…

Einzigartige Flusslandschaft am Südrand Mitteleuropas

Mit dem neuen EuroNatur-WWF-Reiseführer „Mur, Drau und Donau – Leben durch Flussdynamik“ lernen Natururlauber den Südosten Mitteleuropas von seiner…

Saline Ulcinj als Staatseigentum eingetragen

Der Salzgarten im Süden Montenegros ist als Staatsland ins Kataster der Stadt Ulcinj eingetragen worden. Damit ist die Eigentumsfrage, um die es…

Die Erforschung der Unbekannten: Wissenschaftswoche am Oberlauf der Neretva

Rund 50 internationale Wissenschaftlerinnen und Flussschützer haben eine Woche lang die obere Neretva untersucht. Die Daten sollen dabei helfen,…

Aufmerksamkeit für RED4Nature-Kampagne

Mit gleich zwei öffentlichkeitswirksamen Aktionen haben Künstlerinnen und EuroNatur-Mitarbeiterinnen am 22. und 23. Juni in Brüssel für Aufmerksamkeit…

Albanische Regierung unterzeichnet Erklärung zur Errichtung eines Vjosa-Wildflussnationalparks

++ Albanien markiert wichtigen Schritt für den Schutz der Vjosa ++ Regierung signiert Absichtserklärung für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark ++

EU-Wiederaufbauplan – eine Gefahr für die Natur

++ Die 672 Milliarden Euro schwere Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) wird zwar von der EU-Kommission als Hauptwerkzeug des „grünen Wiederaufbaus“…