Zum Tag des Tropenwaldes am 14. September: Immer mehr Wälder werden fürs Kochen verbraucht

Ein Pflanzenölkocher soll für Mensch und Natur Hilfe bringen

 

Presseinformation vom 12. September 2006

 

Ludwigsburg. Nicht nur Brandrodung für Landwirtschaft und die Gewinnung von Bau-, Möbel- und Furnierholz gefährden in hohem Maße die Tropenwälder, sondern auch die Gewinnung von Brennholz vernichtet die grünen Lungen der Erde. Darauf hat jetzt die internationale Umweltstiftung EuroNatur anlässlich des Tages der Tropenwälder (14. Sept.) hingewiesen. Rund 2.5 Milliarden Menschen auf der Erde kochen täglich an offenen Feuerstellen und verbrennen dabei Holz oder Holzkohle mit verheerenden Folgen für Mensch, Natur und Klima, so EuroNatur-Präsident Claus-Peter Hutter. Hauptleidtragende sind Frauen und Kinder, welche beim Kochen am offenen Feuer die Rauchgase in den Hütten einatmen und später unter anderem an Atemwegs- und Augenerkrankungen leiden. Frauen, welche schon aus hygienischen Gründen dreimal täglich warme Mahlzeiten zubereiten müssen und an offenen Feuerstellen kochen, atmen dabei pro Tag so viele Schadstoffe ein, wie wenn sie 250 filterlose Zigaretten geraucht hätten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Todesfälle infolge der Abgase an offenen Feuerstellen auf jährlich 1,6 Millionen. Alleine in Indonesien sterben 30% der ein- bis vierjährigen Kinder durch die Emissionen an den offenen Kochstellen.

Nach Schätzungen von Prof. Werner Mühlbauer, früher Leiter des Instituts für Agrartechnik in den Tropen und Subtropen der Universität Hohenheim und jetzt ehrenamtlicher Berater bei der internationalen Umweltstiftung EuroNatur, beträgt alleine der Brennholzbedarf auf den 7.107 Inseln zählenden Philippinen jährlich über 6 Millionen Tonnen. Durch den immensen Brennholzbedarf wird nicht nur der Baumbestand drastisch reduziert, gehen nicht nur Wälder verloren, sondern es werden Steppen zu Wüsten und der Artenschwund nimmt dramatische Ausmaße an, beklagt C.-P. Hutter. So drohe vieler­orts die Absenkung des Wasserspiegels und die weitere Degradierung der Böden. Es sei ein Teufels­kreis, in welchem die einzelnen Betroffenen ausweglos gefangen scheinen und der gleichzeitig die Störung des Globalen Klimasystems verschärfe. Im Schulterschluss von Wissenschaft und Wirtschaft, Entwicklungsarbeit und Biodiversitätsschutz, Armutsbekämpfung und Umweltbildung habe deshalb eine Ökoallianz, bestehend aus der BSH Bosch Siemens Hausgeräte GmbH, der Universität Hohenheim bei Stuttgart, der philippinischen Leyte State University, der Umweltstiftung EuroNatur sowie der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) der Waldzerstörung mit einem neuartigen Produkt den Kampf angesagt.

Nach Mitteilung von Claus-Peter Hutter, Präsident der Umweltstiftung EuroNatur, packt die Initiative nach dem Motto "Reagieren statt Lamentieren" die Probleme an den Wurzeln – nämlich bei den Kochgewohnheiten in vielen Entwicklungsländern – an. Ein neuartiger mit Pflanzenöl betriebener Kocher, der High-Tech mit den Erfordernissen in den Gebieten der Tropen verbindet, soll helfen, den immensen Brennholzbedarf einzudämmen, Gesundheitsgefahren vorzubeugen und so Mensch und Natur gleichermaßen zu schützen. Der Kocher verknüpft nach Mitteilung von EuroNatur soziale, ökologische und ökonomische Aspekte und dient dem Biodiversitätsschutz und der Armutsbekämpfung ebenso wie dem Klimaschutz. Viele scheinbare Alternativen – etwa Parabolspiegelkocher – seien in der Vergangenheit gescheitert, weil sie die Alltagsanforderungen in den Tropen letztlich nicht erfüllen könnten. Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen suchten deshalb seit langem nach Alternativen. Eine Möglichkeit sei etwa der Einsatz von Pflanzenölen als Brennstoff. Während nämlich viele Entwicklungsländer teures Mineralöl importieren müssen, stehen Kokosöl, Palmöl, Jatrophaöl, Rizinusöl und andere Pflanzen-Öle meist günstiger zur Verfügung und können vielerorts lokal und regional auf relativ einfache Weise hergestellt werden.

Doch der Einsatz von Pflanzenölen als Energiequelle zum Kochen scheiterte lange Zeit an den technischen Erfordernissen, denn die Flammpunkte liegen bei Pflanzenölen mit 180 – 260°C wesentlich höher, als bei Petroleum mit 84°C. Auch muss das Öl zur Verdampfung in einem Verdampfer auf wenigstens 550 – 600°C erhitzt werden. Außerdem entstehen bei der Verbrennung von Pflanzenölen Temperaturen von über 1.300°C, wodurch sehr hohe Anforderungen an das verwendete Material des Kochers gestellt werden. Seit 1997 beschäftigte man sich am Institut für Agrartechnik in den Tropen und Subtropen der Universität Hohenheim im Rahmen eines zunächst von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten und von der Umweltstiftung EuroNatur begleiteten Projekts zur Entwicklung eines leistungsfähigen Pflanzenölkochers. Nach ersten positiven Versuchs­ergebnissen übernahm die BSH Bosch Siemens Hausgeräte GmbH 2003 das Patent und brachte im Rahmen eines von der Deutschen Entwicklungsgesell­schaft (DEG) geförderten Projekts den Pflanzenöl­kocher mit der Markenbezeichnung "Protos" zur Serienreife. Welche technologischen, öko-soziologischen und organisatorischen Herausforderungen das ehrgeizige Projekt mit sich brachte, zeigt schon die Palette der Beteiligten. Partner waren neben der Universität Hohenheim die Leyte State University auf der Philippineninsel Leyte, die interna­tionale Umweltstiftung EuroNatur sowie das Institut für Technische Thermodynamik der Universität Karlsruhe, das Institut für Thermodynamik der Bundeswehr-Universität München, das Institut für Thermodynamik und Wärmetechnik sowie das Institut für Verfahrenstechnik der Universität Stuttgart und letztlich sechs Abteilungen von BSH Bosch Siemens Hausgeräte GmbH (BSH).

Die Experten für Kochgeräte, des weltweit 34.000 Mitarbeiter zählenden Unternehmens (je zu 50% im Eigentum der Firmen Bosch und Siemens), waren vor immense Herausforderungen gestellt. So soll der, an der Universität Hohenheim vorentwickelte Pflanzen­ölkocher mit vielen unterschiedlichen Pflanzenölen wie Kokosöl, Palmöl, Jatrophaöl, Rizinusöl u.a. funktionieren. Dann kommt es darauf an, dass er einfach zu bedienen ist. Ein weiteres Ziel: Das auf den Namen "Protos" getaufte Gerät soll zum großen Teil vor Ort produziert werden können, um lokale Arbeitsplätze zu schaffen und um preiswert angeboten werden zu können.

 

Informationen:

BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH

Frau Eva Delabre

Pressesprecherin

Carl-Wery-Straße 34

81739 München

Tel. 089 – 4590-2231

Fax 089 – 4590-2128

mailto: eva.delabre(at)bshg.com

Internet: www.bsh-group.com

 

Stiftung Europäisches Naturerbe

(EuronNtur)

Herrn Claus-Peter Hutter

Präsident

Bahnhofstraße 35

71638 Ludwigsburg

mailto: claus-peter.hutter(at)euronatur.org

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