Bauprojekte im Nationalpark

Der Nationalpark Skutari-See in Montenegro gehört zu den wertvollsten Schätzen des europäischen Naturerbes und muss dringend geschützt werden.

© Borut Stumberger

Bedeutender Zugvogelrastplatz am Skutari-See in Montenegro kommt unter die Räder ++ größter See der Balkanhalbinsel massiv unter Druck ++ EuroNatur fordert sofortigen Stopp des Projekts „Porto Skadar Lake“

Presseinformation vom 13. Oktober 2016

Radolfzell.    Anlässlich der am 16. Oktober bevorstehenden Parlamentswahlen in Montenegro fordert die Naturschutzstiftung EuroNatur die künftige Regierung dringend auf, keine Eingriffe im Nationalpark Skutari-See, einem der wertvollsten Schätze des europäischen Naturerbes, zuzulassen. Es liegen Pläne für umfangreiche Bauprojekte im Nationalpark vor. „Der Skutari-See ist insbesondere für den Schutz der Zugvögel von internationaler Bedeutung. Wir fordern die verantwortlichen Entscheidungsträger auf, das Projekt ‚Porto Skadar Lake‘ sofort zu stoppen. Das Etikett ‚Nationalpark‘ wird derzeit missbraucht, um einen Luxus-Tourismus anzukurbeln. In einem Nationalpark muss der Schutz der Natur im Mittelpunkt stehen“, sagt EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer.
 
Im Rahmen des Projekts „Porto Skadar Lake“ will der französische Geschäftsmann Lionel Sonigo auf der sechs Hektar großen Halbinsel Biški Rep ein großes Luxushotel mit Panorama-Restaurant, Privatvillen und einem Jachthafen bauen. Auf der Webseite des Bauprojekts preist der Investor die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Standorts an. „Mit unberührter Natur zu werben und diese gleichzeitig in einem Nationalpark mit Gebäuden zupflastern zu wollen, ist mehr als zynisch. Die einmalige Seenlandschaft verkommt zur Kulisse für vergnügungshungrige Superreiche“, kritisiert Gabriel Schwaderer.

Ungemach droht auch durch den Raum- und Entwicklungsplan für den Nationalpark Skutari-See, den das montenegrinische Bau- und Planungsunternehmen CAU im Auftrag der Regierung derzeit erarbeitet. Dieser sieht unter anderem vor, den Bau von Hotels, Häfen, Straßen und einer Autobahn bis zum Jahr 2025 voranzutreiben. Damit große Boote und Schiffe direkt von der Adria zu den geplanten Feriendomizilen am Seeufer gelangen können, sollen in dem durch Flachwasserzonen geprägten See und der naturnahen Bojana, die den See in die Adria entwässert, breite und tiefe Schiffsrouten ausgebaggert werden. „Dass CAU daran interessiert ist, den Tourismus-Sektor auszubauen, verwundert nicht: Das Unternehmen wurde von Investor Sonigo damit beauftragt, das Projekt ‚Porto Skadar Lake‘ umzusetzen“, sagt Gabriel Schwaderer.

Mit seiner üppigen Vegetation und seinen ausgedehnten Überschwemmungs- und Flachwasserbereichen ist der fischreiche Skutari-See ein wichtiges Überwinterungs- und Rastgebiet für Hunderttausende von Zugvögeln auf der Adria-Zugroute. In den schwimmenden Landschaften aus Torf und Röhricht im Norden des Sees brütet eine der letzten Kolonien des Krauskopfpelikans in Europa. Doch dort, wo die seltenen Vögel auf Fischfang gehen, könnten bald Rennboote und Jachten das flache Wasser durchpflügen.

Hintergrundinformationen:

  • Petition der Bürgerinitiative Save Skadar Lake gegen das Bauvorhaben
  • Mehr über das EuroNatur-Projektgebiet Skutari-See



Rückfragen: EuroNatur, Konstanzer Str. 22, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 - 92 72 10, Fax: 07732 - 92 72 22, E-Mail: info@euronatur.org, Internet: www.euronatur.org, Ansprechpartner: Gabriel Schwaderer, Pressekontakt: Katharina Grund
 

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