Einmalige Flusslandschaft an der Save in Kroatien gefährdet

Eines der letzten natürlichen Flusssysteme Mitteleuropas: die Save.

© Kerstin Sauer

Save-Konferenz von EuroNatur bringt Interessenvertreter zusammen 

  

Presseinformation vom 19. April 2011 


Radolfzell. Naturschützer und Schifffahrtsvertreter an einem Tisch: Auf der von EuroNatur veranstalteten Fachkonferenz „Die Zukunft der Save als Schifffahrtsstraße und Natura 2000 Gebiet“ vom 13. bis 14. April im Goethe-Institut in Zagreb suchten Vertreter unterschiedlicher Interessensgruppen gemeinsam nach Lösungen, die Schifffahrt auf der Save naturverträglich zu gestalten. „Das Schicksal der Save und ihrer einmaligen Flusslandschaft ist weiterhin unsicher. Mit der Konferenz ist es uns jedoch gelungen, eine Plattform für eine breite öffentliche Debatte zu schaffen. Erfreulich ist die offizielle Bestätigung der Save-Kommission, auf die ursprünglich geplanten Durchstiche von 18 Mäandern zu verzichten“, fasst Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung EuroNatur, die Ergebnisse der Fachtagung zusammen.

Auf der Konferenz plädierte der Sekretär der Internationalen Save-Kommission dafür, den Flusslauf der Save nicht zu verändern. Nach den derzeitigen Planungen des kroatischen Schifffahrtsamts soll die Fahrrinne durch Buhnen und Uferbefestigungen fixiert werden. Erfahrungsberichte von anderen Flüssen wie etwa der Donau zeigen aber klar, wie negativ sich derartige Eingriffe auf den Grundwasserhaushalt und die Lebensräume vieler Pflanzen- und Tierarten auswirken können.

EuroNatur betont, dass es auch gemeinsame Interessen von Schifffahrt und Naturschutz an der Save gibt. Denn Schifffahrt und Natur leiden unter extremem Niedrigwasser und sinkenden Pegelständen im Sommer. „Der Fluss muss dringend vor weiterer Kiesentnahme geschützt werden. Zudem sollte die Optimierung des Wasserhaushalts im Einzugsgebiet eine der Schwerpunktaufgaben der Save-Kommission sein“, fordert EuroNatur-Projektleiter Martin Schneider-Jacoby. Insbesondere in Trockenzeiten können Schiffe die Save aufgrund des Niedrigwassers nicht mehr befahren.


Voraussetzung für alle weiteren Eingriffe an der Save ist nach Auffassung von EuroNatur eine umfassende Untersuchung zur Ökologie des Flusses und eine genaue Folgenabschätzung jeder geplanten Maßnahme. Doch genau daran hapert es bei den Plänen für den Ausbau der Save. Immer noch sind viele Fachfragen ungeklärt und die Umweltverträglichkeitsprüfung stützt sich auf eine unzureichende Datengrundlage.

Die Save-Auen sind das größte Auengebiet Europas. Über tausendfünfhundert Quadratkilometer Auenlandschaft schützen Zagreb, Belgrad und viele andere Städte vor Hochwasser. Schätzungen zufolge beträgt der volkswirtschaftliche Wert der Auwälder zum Beispiel für den Klima- und Hochwasserschutz mehr als 4,5 Milliarden Euro. „Jeder Eingriff in ein Flusssystem muss den ökonomischen und ökologischen Wert der Auwälder berücksichtigen“, betont EuroNatur-Projektleiter Martin Schneider-Jacoby.

Aufgrund ihres großen Artenreichtums hat das kroatische Naturschutzamt die Save und ihre Auen für die Aufnahme in das europäische Schutzsystem „Natura 2000“ nominiert. Schon jetzt gilt das Verschlechterungsverbot der EU-Richtlinie: Technische Eingriffe, die das Flusssystem negativ beeinträchtigen, sind damit untersagt oder müssen durch Schutzmaßnahmen ausgeglichen werden.

EuroNatur wird sich auch künftig in den Diskussionsprozess über die Zukunft der Save einbringen und wird einen Beitrag zur Erarbeitung von naturverträglichen Lösungen leisten. Im Vordergrund steht dabei der Schutz der über Jahrhunderte gewachsenen Natur- und Kulturlandschaft an der Save. Eingriffe in den überwiegend natürlichen Flusslauf der Save zur Ausweitung der Schifffahrt dürfen nach Auffassung von EuroNatur nur erfolgen, wenn es keine besseren Alternativen wie etwa die Eisenbahn gibt.



Für Rückfragen und Interviewpartner wenden Sie sich bitte an:
EuroNatur
Konstanzer Straße 22
78315 Radolfzell
Tel.: 07732 - 92 72 24
Fax: 07732 - 92 72 22
E-Mail: info@euronatur.org
www.euronatur.org
Pressekontakt: Angie Rother
Ansprechpartner: Dr. Martin Schneider-Jacoby

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