Erneuter Sieg für die „tapferen Frauen von Kruščica“

++ Frauen blockieren seit über einem Jahr eine Brücke in Bosnien-Herzegowina, um ihren Fluss zu schützen ++ Erneuter Versuch des Investors, die Brücke zu räumen, wurde erfolgreich abgewehrt ++ Dokumentarfilm über den Widerstand gegen Staudämme auf dem Balkan ab sofort auf iTunes erhältlich

In Begleitung der Polizei und mit schweren Baumaschinen rückte der Investor der geplanten Wasserkraftwerke am vergangenen Freitag in der Ortschaft an.

© Abaz Dželilović

Schnell waren die Dorfbewohner alarmiert und blockierten den Zugang zum Fluss.

© Abaz Dželilović

Die „tapferen Frauen von Kruščica“ blockieren seit über einem Jahr eine Brücke über den Fluss Kruščica, um ein Wasserkraftprojekt zu verhindern. Die beiden geplanten Anlagen würden den Wildfluss und die Trinkwasserversorgung der Gemeinde gefährden.

© Andrew Burr

Kruščica, Wien, Radolfzell. Die Bewohner von Kruščica haben am vergangenen Freitag, 17. August, den Investor der geplanten Wasserkraftwerke Kruščica 1 und Kruščica 2 erneut daran gehindert, mit dem Bau zu beginnen. Rund 200 Dorfbewohner und ihre Nachbarn aus der Umgebung haben den Durchgang zur Brücke für die Maschinen blockiert und die Bauarbeiter zum Rückzug gezwungen.

Eine ähnliche Situation gab es bereits vor einem Jahr. Am 24. August 2017 versuchten Einheiten der bosnischen Sonderpolizei, die Auffahrt zur Brücke mit Gewalt zu räumen; zahlreiche friedlich demonstrierende Frauen wurden bei der Aktion verletzt. Auch letzte Woche war die Situation angespannt, es kam aber zu keiner Gewalt.

Dass der Investor einen erneuten Versuch unternommen hat, die Bauarbeiten an den Kraftwerken aufzunehmen, zeigt, wie wichtig die Präsenz der Flussschützerinnen nach wie vor ist. Im Juni annullierte das zuständige Kantonsgericht zwar die Baugenehmigung, doch bei einer entsprechenden Überarbeitung des Antrags könnte der Investor gegebenenfalls wieder die Lizenz zum Weiterbau erhalten. Offensichtlich plant er dies bereits ohne einen erneuten Gerichtsentscheid.

Eine der Frauen aus Kruščica, Maida Bilal, sagt: „Trotz aller Belastungen, denen wir täglich ausgesetzt sind, geben wir nicht auf. Wir stehen Schulter an Schulter, um unseren Fluss zu schützen und seine Schönheit gegen die Baumaschinen zu verteidigen.“

Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch, sagt: „Die ganze Farce um Kruščica könnte durch einen Baustopp für die beiden Kraftwerke beendet werden. Wir fordern den zuständigen Minister Salkan Merdžanic auf, die Konzessionen für Kruščica 1 und Kruščica 2 endgültig aufzuheben; ansonsten droht die Situation zu eskalieren.“

Die „tapferen Frauen von Kruščica“ nehmen auch eine prominente Rolle im Dokumentarfilm „Blue Heart“ ein. Der im Auftrag des Outdoor-Bekleidungsherstellers Patagonia produzierte Film wird am 24. August 2018, anlässlich des Jahrestages der gewaltsamen Polizeiaktion, in Kruščica gezeigt. Ab sofort ist „Blue Heart“ für 4,99 Euro auf iTunes erhältlich.

 

Hintergrundinformationen:
• Mehr Informationen zum Film "Blue Heart", der bereits in zahlreichen Ländern auf mehreren Kontinenten gezeigt wurde, finden Sie auf der Website „The dam truth“. Dort können Sie auch eine Petition zum Schutz der Balkanflüsse unterzeichnen.
• Der Film unterstützt die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“. Etwa 2.800 neue Staudämme sind derzeit zwischen Slowenien und Albanien in Planung. Um dieser Welle der Zerstörung entgegenzutreten, haben EuroNatur und Riverwatch zusammen mit lokalen Partnern in den jeweiligen Balkanländern die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ ins Leben gerufen. In Bosnien-Herzegowina ist das Center for Environment lokaler Projektpartner.

Rückfragen:
<link ueber-euronatur ueber-uns wer-wir-sind christian-stielow-presse-und-oeffentlichkeitsarbeit internal link in current>Christian Stielow, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, EuroNatur
christian.stielow(at)euronatur.org, +49 7732 927215

Jelena Ivanić – lokale Kampagnenkoordinatorin in Bosnien-Herzegowina, Center for Environment jelena.ivanic@czzs.org, +387/65779467

Cornelia Wieser, Kampagnenkoordinatorin, Riverwatch
cornelia.wieser@riverwatch.eu, +43 650 4544784


Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Neues Braunbärenprojekt gestartet

Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Dinariden-Pindos-Bärenpopulation: In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf dem Balkan und der…

Putins Angriffskrieg und die europäische Energiekrise

Russland ist in die Ukraine einmarschiert. Unsere Blog-Autorin Bruna Campos ist unverändert schockiert über das, was dort passiert. Krieg ist…

Vogelschützer streiten für sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Jedes Jahr werden Tausende Zugvögel auf dem Balkan illegal getötet ++ 4. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in…

Weltwassertag 2022: Grundwasser: „die Leber“ unserer Flüsse

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „das Unsichtbare sichtbar machen“ und legt besonderes Augenmerk auf die Bedeutung des…

Wasserkraft als Klimaretter? Ein längst überholter Mythos

Flusstäler sind fruchtbare Lebensräume für Mensch und Tier. Ihre Zerstörung – um vermeintlich klimafreundliche Wasserkraftenergie zu erzeugen – hat…

Vier Mönchsgeier in Bulgarien vergiftet

Tragödie für den Naturschutz in Bulgarien: Mehrere ausgewilderte Mönchsgeier wurden in der Nähe des Dorfes Ticha vergiftet. Ein herber Rückschlag für…

Vogelgrippe am griechischen Prespa-See

Die Vogelgrippe H5N1 grassiert in diesem Winter besonders stark. Überregionale Aufmerksamkeit erregte das tausendfache Sterben der Kraniche im…

Wälder – Eierlegende Wollmilchsäue?

Die Erwartungen an das, was Wälder leisten sollen, sind hoch. Sie sollen vielfältige Lebensräume bieten, wild-romantische Sehnsüchte erfüllen,…

Illegaler Holzeinschlag in Rumäniens Naturwäldern nimmt trotz Gerichtsdrohung zu

Neue Daten belegen, dass die Zerstörung der letzten großen verbliebenen Ur- und Naturwälder der EU in Rumänien unvermindert anhält.

BESTbelt – Mehr Energie für das Grüne Band Europa

++ Start zur Einreichung von Projektvorschlägen für EU-gefördertes Projekt "BESTbelt" ++ Initiative soll lokalen Naturschutzorganisationen den Zugang…

Letztes Webinar zu Weißstörchen

Die vierteilige Webinarreihe zum Thema „Menschliche Einflüsse auf die Ökologie der Weißstörche“ nähert sich ihrem Ende. Am Samstag, 19. Februar von…

EuroNatur startet Meinungsbeiträge zur Energiewende

Sind Atomkraft und Erdgas nachhaltige Energiequellen? Was die EU-Kommission am Silvesterabend verkündet hat, tritt nun in Kraft: Atom und Gas werden…

Flughafenbau in Albanien droht bedeutendes Feuchtgebiet zu zerstören

++ Albanische Regierung plant Flughafenbau in der Narta-Lagune ++ Mögliche Korrektur der Schutzgebietsgrenze Vjosa-Narta ++ Am 2. Februar ist…

Deutsche KfW-Bank zieht sich aus Staudammprojekt in Bosnien-Herzegowina zurück

Die deutsche Entwicklungsbank KfW hat heute bestätigt, dass sie ihre Pläne zur Finanzierung des umstrittenen Janjići-Wasserkraftwerks am Fluss Bosna…

Gestiegene Fledermauszahlen im Winterquartier

Fledermausfreunde und -schützerinnen haben die kalte Jahreszeit genutzt, um die Winterbestände von Großem Mausohr und Co. zu erfassen. Es war die…