Massentourismus bedroht Zugvögel

Nicht nur Kranichen bietet die östliche Adria überlebensnotwendige Rastplätze.

© Bruno Dittrich

EuroNatur kritisiert Bauprojekte an der östlichen Adria

Weltzugvogeltag “Freier Flug für Zugvögel”, 9.-10. Mai 2009
 
Presseinformation vom 7. Mai 2009

 
Radolfzell.  Der sichere Flug der Zugvögel ist eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Arten- und Naturschutz in Deutschland. Die EuroNatur Stiftung unterstützt deshalb den Weltzugvogeltag am 9. und 10. Mai mit dem Motto „Freier Flug für Zugvögel“. Die Vielfalt der Vogelwelt in Deutschland und Mitteleuropa hängt sehr stark davon ab, wie sicher die langen Zugwege für die zahlreichen Zugvogelarten sind. „Besonders an der östlichen Adria ist die Lage kritisch“, warnt EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer. Die montenegrinische Regierung hat einen der größten Naturstrände am Mittelmeer, die Velika Plaza, als Baugebiet für riesige Tourismusanlagen ausgeschrieben. Werden diese Pläne realisiert, wird ein Zugvogelrastplatz von globaler Bedeutung zerstört“, sagt Schwaderer. Das Vorhaben der montenegrinischen Regierung verstößt sogar gegen geltendes Recht. Denn schließlich ist die Hälfte des knapp zehn Quadratkilometer großen Naturparadieses bereits als Naturdenkmal ausgewiesen und die gesamte Fläche zukünftiges Natura 2000 Gebiet.

Windkraftanlagen, die schon entlang der östlichen Adriaküste bestehen und in noch viel größerem Maße geplant sind, stellen ebenfalls eine große Gefahr für ziehende Vögel dar, wenn sie nicht nach naturschutzfachlichen Kriterien geplant und gebaut worden sind. So soll auf der albanischen Halbinsel Karaburuni mit 500 Megawatt Leistung der größte Windpark Europas auf dem Festland entstehen, und zwar mitten in einem Naturschutzgebiet! Was als grüner Strom und ökologisches Aushängeschild verkauft werden soll, bedroht einen der wichtigsten Rastplätze für Zugvögel an der östlichen Adriaküste.

Sehr viel größere Chancen für eine regionale Entwicklung, die der Bevölkerung einen wirtschaftlichen Erfolg bringt, sehen die Experten bei dieser Konferenz im Naturtourismus. "Dieser bietet den Ländern an der östlichen Adria wie Albanien, Montenegro und Kroatien große Chancen", stellte der holländische Experte Joost Brouwer fest. Gerade der Vogelbeobachtungstourismus ist eine vielversprechende Einkommensquelle. „Großprojekte wie sie an der Velika Plaza und auf der Halbinsel Karaburuni geplant sind, können nicht nur die Zukunft zahlreicher Vogelarten und wertvoller Naturgebiete gefährden, sondern auch den Menschen in der Region wertvolle Zukunftsperspektiven verbauen. Der ländlichen Bevölkerung kommen diese Vorhaben kaum zugute. Vielmehr sitzen die eigentlichen Profiteure in den meisten Fällen ganz woanders“, sagt EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby. Gemeinsam mit den wichtigsten Vertretern für Zugvogelschutz in Europa hat EuroNatur sich deshalb im Rahmen der ersten Adriatic Flyway-Konferenz im April 2009 in der „Ulcinj-Erklärung“ mit klaren Forderungen an die verantwortlichen Politiker gewandt. So gelte es erst einmal erhebliche Wissenslücken über den Vogelzug entlang der östlichen Adria zu schließen, ehe hier mit dem Bau von Windkraftanlagen begonnen werden könne. Denn so lange die Zugrouten nicht sicher sind, bleiben auch in Deutschland aufwändige Schutzmaßnahmen für Zugvögel ohne Erfolg.

Hintergrundinformationen:

  • Der Weltzugvogeltag wurde erstmalig 2006 als Aufklärungskampagne von UNEP/AEWA und UNEP/CMS ins Leben gerufen. Weitere Informationen finden Sie hier.
  • Mehr über die Adriatic-Flyway-Konferenz
  • Mehr zum Tourismusgroßprojekt Velika Plaza. Ausschreibung der montenegrinischen Regierung (pdf 346 kb)
  • Mehr zur geplanten Windkraftanlage in Albanien

 

Rückfragen:
EuroNatur
Konstanzer Straße 22
78315 Radolfzell
Tel.: 07732 - 92 72 10
Fax: 07732 - 92 72 22
E-Mail: info@euronatur.org
www.euronatur.org
Ansprechpartner: Dr. Martin Schneider-Jacoby
Pressekontakt: Katharina Grund




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