Über 120.000 Stimmen gegen Wasserkraft

++ Petition gegen die Finanzierung von Staudammprojekten auf dem Balkan von mehr als 120.000 Menschen unterschrieben ++ Gestern erfolgte Übergabe der Petition an die EBWE in London von Vertretern der Blue Heart-Kampagne und des Outdoor-Unternehmens Patagonia ++

Das Blue Heart-Team (v.l. Fidanka Bacheva-McGrath, Bankwatch; Theresa Schiller, EuroNatur; Ulrich Eichelmann, RiverWatch; Ryan Gellert, General Manager, Patagonia; Mihela Hladin Wolfe, Director of Environmental Initiatives, Patagonia) vor der Zentrale der Londoner EBWE-Bank. Mit dabei: Die Unterschriften der Petition.

© Jason Alden/Patagonia

Übergabe der Unterschriften an Pierre Heilbronn, Vizepräsident der EBWE. Auf den Kartons: Das Foto der „Screaming Lady“, Symbolbild der Widerstandsbewegung gegen die Wasserkraft auf dem Balkan.

© Jason Alden/Patagonia

Die "Screaming Lady" von Luka Tomac in der bosnischen Neretva, einer der unverbauten Flussperlen auf dem Balkan.

© Andrew Burr

London, Prag, Radolfzell, Wien. Vertreter der Kampagne "Save the Blue Heart of Europe" zur Rettung der letzten verbliebenen Wildflüsse Europas haben gestern, am 20. Juni, gemeinsam eine Petition an hochrangige Mitarbeiter der Londoner Zentrale der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) übergeben. Diese wurde bisher weltweit von über 120.000 Menschen unterschrieben. In der Petition, die im April 2018 als Teil einer breit angelegten globalen Kampagne gestartet wurde, werden die internationalen Entwicklungsbanken aufgefordert, sich aus der finanziellen Unterstützung für Wasserkraftprojekte auf dem Balkan zurückzuziehen – bevor die letzten Wildflüsse Europas unwiederbringlich zerstört sind.

Die Petition zielt auf die Geldgeschäfte der EBWE, der Weltbank und der Europäischen Investitionsbank ab, die zusammen mindestens 82 Wasserkraftwerke auf dem Balkan - davon 37 in Schutzgebieten - mit Gesamtinvestitionen von 727 Millionen EUR finanziert haben. Diese sogenannten Entwicklungsbanken fungieren als Vorreiter für wirtschaftliche Aktivitäten in der Region; kommerzielle Kreditgeber folgen ihnen bei Investitionen in Wasserkraftwerke. Darunter sind zum Beispiel die österreichische Erste Bank und die italienische Unicredit, die mindestens 158 Wasserkraftwerke finanziert haben.

Mit der Petition fordern die Projektpartner die Banken unter anderem auf, die Finanzierung von Projekten, die sich in Schutzgebieten und an anderen wertvollen Flussabschnitten befinden, unverzüglich einzustellen. Es müssen zukünftig strengere Auflagen für Kreditvergaben in ökologisch wertvollen Bereichen gelten. Gleichzeitig sollen die Banken ihre Mittel für Energieeffizienz und andere erneuerbare Energiequellen, deren Potenzial auf dem Balkan noch weitgehend ungenutzt ist, deutlich erhöhen.

Fidanka McGrath, EBWE-Politikbeauftragte bei der Nichtregierungsorganisation Bankwatch, sagt: „Die EBWE schreibt sich auf die Fahnen, den Trends des Marktes zu folgen. Daher hoffen wir, dass sich die Bank das Anliegen eines großen Teils der Öffentlichkeit zu Herzen nimmt und Investitionen in einen vielfältigen Mix aus erneuerbaren Energien vorantreibt und gleichzeitig strenge Auflagen für den Umweltschutz anwendet, sowie den Willen der betroffenen Anwohner respektiert.“

„Internationale Banken wie die EBWE müssen sich ihrer Verantwortung in Zeiten des Klimawandels und der Übernutzung natürlicher Ressourcen stellen“, sagt Theresa Schiller, Projektleiterin der Blue Heart Kampagne bei EuroNatur. „Wir fordern die EBWE auf, sich aus der Finanzierung der Wasserkraft auf dem Balkan zurückzuziehen, um dieses einzigartige europäische Naturerbe zu erhalten“, so Schiller weiter.

Yvon Chouinard, der Gründer von Patagonia, sagt: „Es ist eine Verschwendung von Geld und eine moralische Heuchelei, dass einige der größten Finanzinstitute der Welt in diese veraltete und ausbeuterische Technologie investieren und Staudämme an einigen der letzten wilden Orte in Europa finanzieren.“

Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch bezeichnet es als eine Schande, dass die EBWE und andere Finanzinstitutionen die Zerstörung der wertvollsten Flüsse in Europa vorantreiben. „Dies führt nicht nur zur Vernichtung wertvoller Schutzgebiete und zum Verlust der biologischen Vielfalt, sondern auch zu sozialen Missständen. Die Banken müssen aufhören, in den Staudamm-Tsunami zu investieren; vielmehr sollten sie als Vorbild für andere Investoren dienen, indem sie andere erneuerbare Energien - wie z.B. die Solarenergie - anstelle von Wasserkraft finanzieren.“

Hintergrundinformationen:
Kampagne zur Rettung der Balkanflüsse: Ungefähr 3.000 neue Wasserkraftwerke sind derzeit zwischen Slowenien und Albanien in Planung oder im Bau. Um dieser Welle der Zerstörung entgegenzutreten, haben die Naturschutzorganisationen EuroNatur und Riverwatch zusammen mit lokalen Partnern in den Balkanländern die Kampagne „Save the Blue Heart of Europe“ ins Leben gerufen.
Über Patagonia: Das im Jahr 1973 von Yvon Chouinard  gegründete Outdoor-Unternehmen mit Sitz in Ventura, Kalifornien, ist international für sein Engagement für den Umweltschutz bekannt. Den Balkanflüssen widmet Patagonia sogar eine eigene Webseite.
• Weitere Informationen zur Rolle der Banken bei der Finanzierung von Staudammprojekten auf dem Balkan finden Sie im Report von Bankwatch “Financing for hydropower in protected areas in Southeast Europe: 2018 update”.

Rückfragen:
Fidanka Bacheva-McGrath, CEE Bankwatch Network, EBRD policy officer
fidankab(at)bankwatch.org, +359 899 876 095

Cornelia Wieser, Save the Blue Heart campaign coordinator, Riverwatch
cornelia.wieser(at)riverwatch.eu, +43 650 4544784

Anja Arning, Public Relations, EuroNatur
anja.arning(at)euronatur.org; +49 7732 927213

Louise Brierley-Ingham, PR manager, Patagonia Europe
Louise.b(at)patagonia.com, +31 613 344 608

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