Vjosa in Albanien: Gemeinden wollen Nationalpark statt Staudämme

Bevölkerung von Charshova bei der Unterzeichnung der Deklaration.

Bevölkerung von Charshova bei der Unterzeichnung der Deklaration.

© Roland Tasho

Gemeinden Përmet und Çarshovë diskutierten über die Zukunft ihres Tales - Parlamentarier werden informiert

Gemeinsame Pressemitteilung von EuroNatur, Riverwatch und PPNEA vom 19. Dezember 2014

 

Tirana, Wien, Radolfzell.   Am Mittwoch und Donnerstag fanden in den Gemeinden Çarshovë (16.12.) und  Përmet (17.12.) im Süden Albaniens die ersten öffentlichen Diskussionsrunden über die Zukunft des Vjosatals statt. Während die offiziellen Pläne der Regierung den Bau von acht Staudämmen entlang des Flusses vorsehen, unterstützen Bürgermeister und Einwohner betroffener Gemeinden eine alternative Idee: die Errichtung eines Nationalparks. Eine Deklaration, um die Staudammprojekte zu stoppen und den Fluss als Nationalpark zu schützen, wurde unterschrieben. Anfang nächsten Jahres werden im Rahmen der "Vjosa Tour" weitere Diskussionsveranstaltungen in den Gemeinden entlang des Flusses stattfinden. 

Insgesamt 150 Personen nahmen die Einladung der albanischen Umweltorganisation PPNEA (Protection and Preservation of Natural Environment in Albania) und der Bürgermeister der zwei Gemeinden an und beteiligten sich an den Diskussionsrunden über die Zukunft ihres Flusses. Vertreter von PPNEA und Riverwatch – einem internationalen Verein zum Schutz der Flüsse – klärten die Bevölkerung über die Folgen der geplanten Wasserkraftwerke auf. Gleichzeitig stellten sie ihre Idee vor, die gesamte Vjosa von den Bergen bis zur Mündung in die  Adria als  Nationalpark zu schützen.

„Wir sind dankbar über solche Informationen und die Möglichkeit, das Thema zu diskutieren. Wir wollen keine Staudämme, sondern einen Vjosa Nationalpark. So schützen wir sowohl unseren Fluss als auch unsere wirtschaftliche Zukunft“, so Veli Mehmeti, Bürgermeister von Çarshovë. Sein Kollege Gilberto Jaçe, Bürgermeister der 8.000 Einwohnerstadt Përmet, stimmt ihm zu: „Wir sind für die Errichtung eines Nationalparks, da wir damit den Öko-Tourismus fördern und die wirtschaftliche Situation der Region verbessern könnten. Es muss jedoch ein Nationalpark nach internationalen Standards sein und nicht einer, der nur auf dem Papier existiert, wie manch andere Schutzgebiete in Albanien.“

Arta Dade, Mitglied des albanischen Parlaments und Teilnehmerin der Veranstaltung in Çarshovë sagt: „Ich unterstütze die Idee eines Nationalparks ebenfalls und werde die Parlamentarier in Tirana darüber informieren. Ich hoffe sehr, dass wir diesen wunderschönen Fluss bewahren können.“

Die Vjosa im Süden Albaniens ist einer der letzten Wildflüsse Europas.  Auf einer Strecke von 270 Kilometern fließt sie ungezähmt und frei. An manchen Stellen ist das Flussbett mehr als zwei Kilometer breit. „Die Vjosa ist das Kronjuwel der europäischen Wildflüsse. Die geplanten Wasserkraftwerke würden diese atemberaubende Landschaft und die Lebensräume vieler bedrohter Arten zerstören“, warnt Ulrich Eichelmann, Koordinator der internationalen Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas", die Riverwatch und EuroNatur gemeinsam mit nationalen NGO-Partnern durchführen. 

“Wir werden uns gegen die Staudammprojekte in der Region zur Wehr setzten und für die Idee eines Nationalparks kämpfen”, sagt Olsi Nika, Projektleiter für die Vjosa  bei PPNEA, abschließend.

Die Diskussionsrunden wurden im Rahmen der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“  organisiert und sind Auftakt einer Reihe weiterer Veranstaltungen entlang des Flusses. Die „Vjosa Tour“ wird nächstes Jahr von Januar bis April mit Konferenzen in Tepelenë, Memaliaj, Selenicë, und Novoselë fortgesetzt und im Mai mit einer öffentlichen Veranstaltung in Tirana, enden, dem „Vjosa-Tag“.

 

Hintergrundinformationen:

Die Staudämme an der Vjosa sind nur ein Teil einer wahren Staudammflut, die derzeit den Flüssen auf der Balkanhalbinsel droht. Mehr als 570 Wasserkraftwerke (> 1 MW) zwischen Slowenien und Albanien sind geplant. Um der Zerstörung entgegen zu wirken, haben EuroNatur und Riverwatch gemeinsam mit Partnern aus den Ländern des Westbalkans die internationale Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ gestartet.

Rückfragen:
 
Ansprechpartnerin: Romy Durst, Pressekontakt: Katharina Grund
EuroNatur, Konstanzer Str. 22, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 - 92 72 10, Fax: 07732 - 92 72 22, info@euronatur.org, www.euronatur.org

Riverwatch: Ansprechpartner: Ulrich Eichelmann, ulrich.eichelmann@riverwatch.eu

PPNEA: Ansprechpartner: Olsi Nika, olsinika@gmail.com

 

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