Fataler Rausch

Was vor dem Klick geschah...Fotografinnen und Bildermacher erzählen die Geschichte hinter einer besonderen Aufnahme. Diesmal: ein Alkoholrausch mit tödlichen Folgen

nach Glaskollision verendete Seidenschwänze
© Alwin Hardenbol

Die nordischen Seidenschwänze ernähren sich im Winter überwiegend von Beeren, bevorzugt von Vogelbeeren. Dabei können die prächtigen Vögel das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts verschlingen. Nach Frost-Tau-Zyklen beginnen die Beeren zu gären und produzieren Ethanol. Regelmäßig berauschen sich Seidenschwänze also im wahrsten Sinne des Wortes an ihrer Leibspeise. In der Regel können die Singvögel damit gut umgehen – dank ihrer im Verhältnis zum Körper riesigen Leber, der größten im Vogelreich. Sie hilft den Vögeln dabei, den Fruchtzucker in Energie umzuwandeln. Aber genau wie wir Menschen übertreiben es manche Individuen beim Verzehr vergorener Trauben. Dies kann für die Vögel fatal enden. Der Alkohol beeinflusst nämlich Verhalten und Flugfähigkeiten der benebelten Seidenschwänze.

Im vorletzten Winter erhielt ich die traurige Nachricht, dass zwölf Seidenschwänze an einem Fenster meines Arbeitgebers tödlich verunglückten. Einige von ihnen hatten noch Beeren im Schnabel. Ich schnappte mir meine Kamera und dokumentierte diesen traurigen Fall, vor allem, um die Gefährdung für die Vögel bekannter zu machen. Denn so amüsant die Geschichte von betrunkenen Vögeln auch klingen mag, kann sie sich schnell in tödlichen Ernst verkehren. Es liegt in unserer Verantwortung, Fenster vogelsicher zu präparieren und so dazu beizutragen, dass es in Zukunft weniger Kollisionen geben wird.

Alwin Hardenbol mit Papagei auf der Schulter

Alwin Hardenbol mit einem Königssittich (Alisterus scapularis) auf der Schulter

© Alwin Hardenbol, privat

Alwin Hardenbol ist Naturfotograf aus den Niederlanden. Er fotografiert überwiegend Vögel. Seit neun Jahren lebt Alwin Hardenbol in Finnland, wo er häufig eine seiner liebsten Vogelmotive vor die Linse bekommt: die wunderschönen Seidenschwänze. Der 31-jährige Fotograf hat bereits an mehreren Fotowettbewerben teilgenommen, unter anderem auch bei den „Naturschätzen Europas“, dem EuroNatur-Fotowettbewerb. 2019 belegte er mit seinen Tannenhähern im Schnee den 1. Platz. Neben der Fotografie arbeitet Alwin als Ökologe und bekommt auch dort oft Gelegenheit, Vögel zu beobachten. Einige seiner Bilder können Sie sich unter www.alwinsnature.com anschauen.

P.S. Seidenschwänze können nur selten in Mitteleuropa beobachtet werden, aber wenn, dann meist in großen Trupps. Die von Skandinavien über Russland bis nach Alaska und Kanada verbreiteten Vögel gelten als sogenannte Invasionsvögel; nur in strengen Wintern verlassen sie ihre nordische Heimat Richtung Süden. In früheren Zeiten galt dies den Menschen als schlechtes Omen, deshalb wurden die Seidenschwänze auch Pestvögel genannt.

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