Vom Eisernen Vorhang zur Lebensader

Streift im Nationalpark Böhmerwald noch umher: der Luchs.

© Christof Wermter

EuroNatur-Preis 2014 geht an tschechische Naturschützer

Presseinformation vom 26. September 2014

Radolfzell.   „Den ehemaligen Eisernen Vorhang in eine Lebensader zu verwandeln, ist die große Vision der Naturschutzinitiative ,Grünes Band Europa’. Die tschechische Umwelt- und Naturschutzorganisation Hnutí Duha trägt wesentlich dazu bei, diese Idee zu verwirklichen“, begründet Christel Schroeder, Präsidentin der Naturschutzstiftung EuroNatur die Wahl des diesjährigen EuroNatur-Preisträgers. In diesem Jahr jährt sich der Fall des Eisernen Vorhangs zum 25. Mal. Am 8. Oktober 2014, werden Vertreter von Hnutí Duha (Friends of the Earth Tschechien) auf der Bodenseeinsel Mainau für ihre herausragenden Verdienste um den Erhalt des europäischen Naturerbes ausgezeichnet. Im Vordergrund stehen die Bemühungen zum Erhalt der einmaligen Natur im deutsch-tschechisch-österreichischen Grenzgebiet.

Die Organisation setzt sich seit mehr als zwanzig Jahren für den Schutz des Nationalparks Böhmerwald (tschechisch: Šumava) ein. Zusammen mit dem angrenzenden Nationalpark Bayerischer Wald gehört dieser zu den größten Wildnisgebieten Mitteleuropas. Im ehemaligen Sperrgebiet entlang des Eisernen Vorhangs konnte sich die Natur über Jahrzehnte fast ungestört entwickeln. Doch obwohl auf dem Papier seit 1991 als Nationalpark geschützt, sind die Naturschätze von Šumava bedroht.

Aktuelles Beispiel ist ein Gesetzesvorhaben, das den Nationalparkgedanken völlig ad absurdum führt. Unter anderem sollen Holznutzung und Jagd auf der überwiegenden Fläche des Parks dauerhaft erlaubt sowie der Bebauung Tür und Tor geöffnet werden. „Der Naturschutz hat in Tschechien nach wie vor einen schweren Stand. Hnutí Duha ist eine wesentliche Kraft zur Stärkung der Zivilgesellschaft, sowohl national als auch über die Grenzen Tschechiens hinaus“, sagt Christel Schroeder.

So gelang es der Organisation aktuell, weit über 40.000 Unterschriften für ein Nationalparkgesetz zu sammeln, das klar die Aufgabe des Nationalparks definiert und im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Naturschutzgedanken ist. Die Petition wurde dem  Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses im Rahmen eines öffentlichkeitswirksamen Termins Anfang September übergeben. Mit erstem Erfolg: Der zuständige Abgeordnete konnte davon überzeugt werden, dass der Naturschutz im Böhmerwald von nationalem sowie internationalem Interesse ist. Über das neue Gesetz wird das Parlament voraussichtlich im Oktober verhandeln.

„Ein friedvolles Europa wird nur eine Zukunft haben, wenn wir auch für den Schutz unseres europäischen Naturerbes sorgen. Hnutí Duha verwirklicht die friedensstiftende Idee der Initiative ‚Grünes Band Europa‘ in vorbildlicher Weise und gibt den Naturschätzen des Nationalparks Böhmerwald eine Stimme“, sagt Christel Schroeder.   



Weitere Informationen:

Pressemitteilung vom 10.7.2014   

EuroNatur-Preis: Frühere Preisträger sind u.a. Dr. Ernst Paul Dörfler, Prof. Dr. Klaus Töpfer, Prinz Charles, Michail Gorbatschow, Luc Hoffmann und Dr. Hans Bibelriether. Der EuroNatur-Preis ist undotiert. Mit ihm werden herausragende Leistungen für den Naturschutz gewürdigt. Der EuroNatur-Preis 2014 wird am 8. Oktober 2014 um 17 Uhr auf der Bodenseeinsel Mainau an Hnutí Duha verliehen.  

Mehr zur Initiative „Grünes Band Europa“

Šumava: Der Böhmerwald (tschechisch: Šumava) ist ein etwa 200 Kilometer langes Mittelgebirge entlang der deutsch-tschechisch-österreichischen Grenze. Während des Kalten Krieges verlief durch den heutigen Nationalpark Böhmerwald der Eiserne Vorhang.

Hnutí Duha (Deutsch: „Bewegung Regenbogen“, Friends of the Earth Tschechien) ist eine der führenden Naturschutzorganisationen in Tschechien. Weitere Themenschwerpunkte der Organisation sind Klimaschutz, Erneuerbare Energien und Umweltschutzpolitik.

Rückfragen und Interviewpartner: EuroNatur, Konstanzer Straße 22, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 - 92 72 10, Fax: 07732 - 92 72 22, info@euronatur.org, www.euronatur.org, Pressekontakt: Katharina Grund, Ansprechpartner: Gabriel Schwaderer

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