Bären in Südosteuropa
Druck durch Rodungen, Abschussquoten und Verkehrsaufkommen
Bärenmutter mit ihrem Jungtier im griechischen Pindos-Gebirge: Hier ist die Vernetzung der Teilpopulationen ein wichtiges Thema
© CallistoSüdosteuropa stellt neben Russland und Finnland eines der letzten großen Verbreitungsgebiete des europäischen Braunbären dar. So vielfältig wie die Länder, in denen die Bären vorkommen, so unterschiedlich sind auch die Gefahren, denen Meister Petz dort ausgeliefert ist. In den rumänischen Karpaten etwa wird Europas größte Bärenpopulation durch die rücksichtslose Rodung ihres Lebensraumes bedroht. Dass die Bären aufgrund ihres Lebensraumverlustes vermehrt in menschliche Siedlungen vordringen, führt zu Mensch-/Tierkonflikten.
In Ländern wie Griechenland oder Kroatien ist vor allem die Zerschneidung von Bärenlebensräumen durch Straßen und Bahntrassen ein brennendes Thema. Die breiten Transportwege stellen für die Bären vielfach unüberwindliche Barrieren dar. Die ohnehin kleinen Teil-Populationen werden zerschnitten und derart aufgesplittert, dass sie langfristig nicht überlebensfähig sind. Zudem sind in fast allen Staaten des Balkans die Abschussquoten viel zu hoch angesetzt - insbesondere vor dem Hintergrund, dass es kaum verlässliche Zahlen über die jeweiligen Bärenbestände im Land gibt.
Bären als Attraktionen
In Albanien werden Braunbären nach wie vor in Bars und Restaurants zur Schau gestellt. Die Tiere fristen ein trostloses Dasein in viel zu kleinen Käfigen und enden nicht selten auf der Speisekarte. Zudem hat diese Praxis dramatische Konsequenzen für die Wildbärenpopulation im Land. Durch die Abschüsse der Bärenweibchen und die Entnahme der Jungtiere droht der Bärenbestand in Albanien vollständig zusammenzubrechen.
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Bärenschutz im Dreiländereck: Tripoint-Projekt Braunbär
Ambitioniertes Projekt mit vielen Akteueren: "LIFE DinPin Bear"
Koordiniert von EuroNatur vereint das internationale Projekt "LIFE DinPin Bear" 20 NGOs und staatliche Behörden aus neun Ländern des Balkans. Ihr gemeinsames Ziel: die Zukunft der Braunbären grenzübergreifend sichern – wissenschaftlich fundiert, politisch abgestimmt und lokal verankert. Dafür werden die Bärenbestände systematisch überwacht, entscheidende Verbindungskorridore kartiert und Maßnahmen entwickelt, um die weitere Zerschneidung der Lebensräume zu stoppen.
Ein Schwerpunkt des LIFE-Projekts liegt auf der konfliktarmen Koexistenz von Mensch und Bär. Spezielle Interventionsteams, Präventionsprogramme und die Entwicklung sogenannter „Bear Smart Communities“ sollen bestehende Konflikte spürbar reduzieren und künftige vermeiden. Gleichzeitig arbeitet das Projekt eng mit Behörden, Forschungseinrichtungen und Gemeinden zusammen, um Managementpläne zu modernisieren und länderübergreifende Strategien zu stärken. Mit diesem breiten Ansatz will „LIFE DinPin Bear“ in den kommenden fünf Jahren entscheidende Impulse für den Bärenschutz in Europa setzen.
Die Laune aller Beteiligten beim Kick-off-Meeting Ende April 2026 in Budva (Montenegro) war blendend, die Vorfreude auf die kommenden Jahre ist groß.
© Igor Stojovic/CZIP
Was EuroNatur und ihre Partner zum Schutz der Braunbären in Südosteuropa unternehmen und was wir gemeinsam erreichen konnten:
- Brücken bauen: Wie stark die negativen Einflüsse von Verkehrswegen durch Querungshilfen wie Grünbrücken abgefedert werden können, hat EuroNatur mit seinen kroatischen Partnern entlang der Autobahn zwischen Zagreb und Rijeka eindrücklich bewiesen. Die dort gesammelten Daten sind derart überzeugend, dass an neu gebauten kroatischen Autobahnen bereits zahlreiche Grünbrücken von Beginn an eingeplant werden.
- Population ermitteln: In manchen Ländern liegen keine verlässlichen Zahlen über die Bärenbestände vor. In Bosnien-Herzegowina sind nun die Jäger dazu angehalten, Kotproben von Bären zu sammeln. An der Universität von Banja Luka werden die Proben ausgewertet. So können gültige Aussagen über die Größe der Bärenpopulation im Land gemacht werden.
- Mensch-/Wildtierkonflikte vermeiden: EuroNatur fördert vorbeugende Maßnahmen, um Probleme zwischen Bären und Menschen erst gar nicht entstehen zu lassen, wie z.B. den Schutz der Viehherden durch Hütehunde oder die Installation bärensicherer Müllbehälter. Zusätzlich hat EuroNatur die Ausbildung und Ausrüstung von Bären-Eingreiftruppen in mehreren Ländern des Westbalkans unterstützt. Sie greifen ein, wenn es doch einmal zu Mensch-/Wildtierkonflikten kommt.
- Wandel durch Aufklärung: In Albanien führen wir mit unseren Partnern Aufklärungskampagnen durch. Wir wollen die Zivilgesellschaft mobilisieren und erreichen, dass Bären in Bars und Restaurants keine gesellschaftliche Akzeptanz mehr finden.
- Lebensräume vernetzen: In den Dinariden treiben wir die Einrichtung von grenzübergreifenden Schutzgebieten voran. Damit schaffen wir die Grundlage für eine mögliche Rückkehr der Bären in die Alpen, die über die wenigen isolierten Vorkommen hinausgeht.
Partner:
| Country | Partner |
| Germany | EuroNatur – Lead Partner |
| Slovenia | Divja Labs |
| Slovenia | Slovenian Forest Service - SFS |
| Croatia | University of Zagreb - FVM |
| Croatia | Ministry of Agriculture - MA |
| Bosnia-Hercegovina - RoS | Center for Environment - CZZS |
| Bosnia-Hercegovina - RoS | Republic Institute for the Protection of Cultural, Historical and Natural Heritage - RIPCHNH |
| Bosnia-Hercegovina - FBiH | Regional Environmental Center - REC |
| Bosnia-Hercegovina - FBiH | Federal Ministry of Environment and Tourism - FMOiT |
| Serbia | Faculty of Biology, University of Belgrad - FBUB |
| Serbia | Institute of Nature Conservation of Serbia – INCS |
| Montenegro | Center for the Study and Protection of Birds of Montenegro - CZIP |
| Montenegro | Environmental Protection Agency - EPA |
| Kosovo | Environmentally Responsible Action Group - ERA |
| Kosovo | Ministry of Environment, Spatial Planning, and Infrastructure - MMPHI; Nature Protection Institute (associated partner) |
| Albania | Protection and Preservation of Natural Environment in Albania - PPNEA |
| Albania | National Agency for Protected Areas - NAPA |
| North Macedonia | Macedonian Ecological Society - MES |
| North Macedonia | Ministry of Environment and Physical Planning - MoEPP |
| Greece | Callisto NGO |
| Greece | Natural Environment and Climate Change Agency - NECCA |
Förderung: Fondazione Capellino, EuroNatur-Spender und –Paten
Bären in Spanien
Kampf gegen die Wilderei
Spaniens Bären sind ein hervorragender Beweis dafür, wie wichtig es ist, auch in scheinbar hoffnungslosen Situationen alles daranzusetzen, die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen. Neben der Zerschneidung ihrer Lebensräume hatte vor allem die Wilderei die Bären im Kantabrischen Gebirge an den Rand des Aussterbens gebracht. Seit Mitte der 1990er Jahre kämpfen EuroNatur und sein spanischer Projektpartner Fapas dafür, dieses Gebiet im Norden Spaniens als Lebensraum für die Braunbären zu sichern. Dank dieser beharrlichen Arbeit geht es mit den Bären im Kantabrischen Gebirge langsam, aber stetig aufwärts. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Bestand fast verdoppelt.
Stabile Bestände im Westen, Nachholbedarf im Osten
Zumindest im westlichen Teil des Gebirges haben sich die Braunbären wieder vermehrt. Mittlerweile ziehen Bärinnen sogar in Gebieten ihre Jungen auf, in denen es Jahrzehnte lang keinen Bärennachwuchs gab. Weniger erfreulich sieht es im Osten des Kantabrischen Gebirges aus. Hier gibt es, isoliert von der westlichen Population, ein zweites Bärenvorkommen. Allerdings ist es Besorgnis erregend klein: Wahrscheinlich sind es nicht mehr als 20 bis 25 Bären. Entsprechend groß ist die Herausforderung, die Lebensbedingungen für die seltenen Tiere so zu verbessern, dass sie sich nicht nur im Westen, sondern auch im Osten des Kantabrischen Gebirges wieder ausbreiten können.
Was EuroNatur und ihre Partner zum Schutz der Braunbären in Spanien unternehmen und was wir gemeinsam erreichen konnten:
- Wilderer ins Visier nehmen: EuroNatur unterstützt Fapas dabei, die Strategien, die sich im Westen des Gebirges im Kampf gegen die Wilderei bewährt haben, in den Ostteil des Kantabrischen Gebirges zu übertragen. Besonders wirksam ist die starke Präsenz von Rangern in den Brennpunktgebieten der Wilderei.
Unsere Partner von Fapas beim Pflanzen von Obstbäumen, einer wichtigen Nahrungsquelle für die Bären im Kantabrischen Gebirge.
© Fapas- Bäume für die Bären pflanzen: Früchte stehen ganz oben auf dem Speiseplan der Bären. In Zusammenarbeit mit EuroNatur pflanzt Fapas daher selten gewordene Wildobstbäume und Kastanien, um das Nahrungsangebot der Bären zu verbessern. Zusätzlich werden bärensichere Bienenstöcke aufgestellt, um die Bestäubung der Obstbäume sicherzustellen. Dank des verbesserten Nahrungsangebots ziehen Bärinnen ihre Jungen heute sogar in Gebieten auf, in denen es Jahrzehnte lang keinen Bärennachwuchs gab.
- Die Bären im Auge behalten: Gemeinsam mit Fapas betreibt EuroNatur ein umfassendes Monitoringprogramm. Mit Kamerafallen und anhand von Spuren im Gelände sammeln unsere Partner Daten zur Verbreitung, Populationsdichte und Lebensweise der Braunbären. In den letzten Jahren haben wir so wertvolle Informationen gewonnen und konnten auf dieser Grundlage wirksame Schutzkonzepte entwickeln.
- Futter für Aasfresser: Für Bären und andere Wildtiere ist Aas, zumindest zeitweise, eine wichtige Nahrungsquelle. Nach Protesten von EuroNatur und anderen Organisationen hat die EU im Jahr 2009 ihre starre Hygieneverordnung etwas gelockert. In bestimmten Regionen ist es wieder möglich, Nutztierkadaver in der Natur zu lassen. Im „Tal der Bären“ werden für die Aasfresser auf einem Futterplatz regelmäßig Kadaver von Pferden, Eseln etc. ausgelegt.
Partner: Fapas (Fondo para la Protección de los Animales Salvajes, Stiftung für den Schutz der Wildtiere)
Förderung: EuroNatur-Spender und -Paten
Helfen Sie mit!
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