LIFE DinPin Bear: Ein ambitioniertes Projekt zum Schutz des Braunbären auf dem Balkan

Im Januar 2026 wurde das neue europäische Projekt “LIFE DinPin Bear” in neun Ländern entlang der Dinariden und des Pindos-Gebirges ins Leben gerufen, mit dem Ziel, eine umfassende Schutzstrategie für die Braunbärpopulation in dieser Region umzusetzen. Vergangene Woche trafen sich die Projekt-Partner zum Kick-off-Meeting.

Bärenschützer in Budva

Bärenexperten und Naturschützerinnen von 21 Organisationen kamen in Budva zusammen, um die Arbeit für eines der ambitioniertesten Naturschutzprojekte Europas zu starten.

© Igor Stojovic/CZIP
Bärenmutter mit Jungtier

Bärenmutter mit ihrem Jungtier im griechischen Pindos-Gebirge: Die Vernetzung der Teilpopulationen ist ein wichtiges Thema innerhalb des Projekts.

© Callisto
Slowenischer Naturschützer hält Bärenvortrag

Rok Černe von der slowenischen Forstbehörde hält einen Vortrag während des Kick-off-Meetings in Budva.

© EuroNatur
LIFE Logo deutsch
NATURA 2000-Logo

Am 22. und 23. April 2026 fand das Kick-off-Meeting zum LIFE-Projekt “DinPin Bear” in der Stadt Budva in Montenegro statt, an dem 52 Vertreterinnen der 21 Partnerorganisationen des Projekts teilnahmen. Während des zweitägigen Treffens, das von der montenegrinischen EuroNatur-Partnerorganisation CZIP veranstaltet wurde, hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich besser kennenzulernen und die Projektziele und Aktivitäten im Rahmen von "LIFE DinPin Bear” zu besprechen. 

Die Population des Dinariden-Pindos-Braunbären (Ursus arctos) ist über neun Projektländer verteilt: Albanien, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kosovo, Kroatien, Montenegro, Serbien und Slowenien. Mit etwa 4.000 Individuen ist das die Bärenpopulation in Europa mit der größten Anzahl an Ländern in ihrem Verbreitungsgebiet, was ihr Management sehr herausfordernd, aber auch entscheidend macht.

Die drei Mitgliedstaaten der Europäischen Union (Kroatien, Slowenien und Griechenland) haben in der Vergangenheit wirksame Managementmaßnahmen umgesetzt, die zur Erholung der Bärenpopulationen beigetragen haben. Die langfristige Überlebensfähigkeit dieser Populationen wird nun jedoch in Frage gestellt, da Mensch-Bär-Konflikte nach wie vor ein höchst umstrittenes Thema sind und die Lebensräume der Art weiterhin bedroht sind.

Über den Status des Braunbären in den Nicht-EU-Ländern der Projektregion ist weniger bekannt. Zudem fehlen in diesen Ländern umfassende Managementpläne für die Art, oder, sofern solche Pläne existieren, werden sie nicht wirksam umgesetzt. Diese Probleme werden durch das Fehlen eines koordinierten, populationsbezogenen und grenzüberschreitenden Managements noch verschärft.

Das “LIFE DinPin Bear”-Projekt konzentriert sich auf die Schaffung der rechtlichen, verwaltungstechnischen und sozioökonomischen Voraussetzungen, die für den Erhalt der Braunbärenpopulation im Gebiet der Dinarischen Alpen und des Pindos erforderlich sind. Jedes Land bzw. jede politische Einheit wird durch eine staatliche und eine nichtstaatliche Organisation an dem Projekt teilnehmen.

„Die Umsetzung dieses Projekts stellt einen Meilenstein für den Schutz des Braunbären in Europa dar“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur, die als Koordinierungsorganisation für “LIFE DinPin Bear” zuständig ist. „Es handelt sich um eine sehr ambitionierte Initiative mit Maßnahmen, die das gesamte Verbreitungsgebiet der Bärenpopulation im Dinariden-Pindos-Gebirge abdecken und damit eine einzigartige Gelegenheit bieten, die Management- und Schutzmaßnahmen für diese Art voranzubringen. Wir sind uns zwar der Herausforderungen eines solch großen Projekts bewusst, aber wir sind auch sehr stolz darauf, staatliche und nichtstaatliche Organisationen aus EU-Mitgliedstaaten und EU-Beitrittskandidaten unter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen. Das Engagement lokaler Partner, Interessengruppen und Gemeinden ist entscheidend für den Erfolg dieses Projekts.“ 

„Wir erwarten, dass unser Projekt einen großen positiven Einfluss auf die Bärenpopulation in den Danirischen Alpen und im Pindos Gebirge haben wird“, ergänzt Antje Henkelmann, Projektkoordinatorin bei EuroNatur. „Braunbären wurden in der Vergangenheit stark verfolgt, doch eigentlich meiden sie den Menschen. Gleichzeitig spielen sie eine Schlüsselrolle in ihrem Ökosystem. Als größte Allesfresser des Kontinents regulieren sie die Biodiversität, die Lebensraumstruktur und die Nährstoffkreisläufe. Wir fühlen uns geehrt und freuen uns darauf, das Projekt mit so vielen erfahrenen Projektmitgliedern umzusetzen. Dies ist der Beginn von etwas Großem!“


Hintergrundinformationen

Die Hauptsäulen des Projekts sind:

  1. Untersuchung und Verringerung der Lebensraumfragmentierung sowie des Rückgangs bzw. Verlusts von Bärenpopulationen
  2. Effektiver Umgang mit Mensch-Bär-Konflikten und Bereitstellung von Instrumenten zur Förderung der Koexistenz mit lokalen Gemeinschaften
  3. Stärkung des rechtlichen Rahmens für die Erfassung und das Management von Bärenpopulationen
  4. Verbesserung und Harmonisierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Management
  5. Sicherung der Unterstützung durch wichtige Interessengruppen, um den langfristigen Erhalt der Art zu gewährleisten

Die Projektpartner:

EuroNatur – Deutschland, DivjaLabs – Slowenien, Slowenischer Forstdienst (SFS) – Slowenien, Universität Zagreb – Kroatien, Landwirtschaftsministerium – Kroatien, Zentrum für Umwelt (CZZS) – Republika Srpska, Institut für den Schutz des kulturellen, historischen und natürlichen Erbes – Republika Srpska, Regionales Umweltzentrum (REC) – Föderation Bosnien und Herzegowina, Bundesministerium für Umwelt und Tourismus – Föderation Bosnien und Herzegowina, Institut für Naturschutz Serbiens (INCS) – Serbien, Universität Belgrad – Serbien, Zentrum für Vogelkunde und Vogelschutz Montenegros (CZIP) – Montenegro, Umweltschutzbehörde (EPA) – Montenegro, Aktionsgruppe für umweltbewusstes Handeln (EPA) – Kosovo, Ministerium für Umwelt, Raumplanung und Infrastruktur – Kosovo, Schutz und Erhaltung der natürlichen Umwelt in Albanien (PPNEA) – Albanien, Nationale Agentur für Schutzgebiete (NAPA) – Albanien, Mazedonische Ökologische Gesellschaft (MES) – Nordmazedonien, Ministerium für Umwelt und Raumplanung – Nordmazedonien, Callisto NGO – Griechenland, Agentur für Umwelt und Klimawandel (NECCA) – Griechenland. 

Sonstiges zum Projekt:

  • Das Projekt „LIFE DinPin Bear“ (LIFE24-NAT-DE-LIFE DinPin Bear/101214048) zielt darauf ab, eine umfassende Schutzstrategie für den Braunbären auf Populationsebene im gesamten Verbreitungsgebiet der Dinarischen Alpen und des Pindos umzusetzen. Das Projekt wird in neun Ländern durchgeführt, von denen drei Mitglieder der Europäischen Union sind: Albanien, Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina (Föderation von Bosnien und Herzegowina/Republika Srpska), Griechenland, Kosovo, Kroatien, Montenegro, Serbien und Slowenien.
  • Das im Rahmen des EU-LIFE-Programms kofinanzierte Projekt vereint eine multidisziplinäre Partnerschaft aus 21 Organisationen, darunter Universitäten und Forschungseinrichtungen, nationale und lokale Verwaltungsbehörden sowie Umwelt-NGOs. Es begann im Januar 2026 und hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Das Projekt wird zu 75 % durch das LIFE-Programm der EU und zu 25 % aus Eigenmitteln der Partner kofinanziert, wobei sich das Gesamtbudget auf 9.426.977,15 € beläuft.
  • Kofinanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der CINEA wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür verantwortlich gemacht werden.
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