Neue regionale Strategie zum Schutz des Balkanluchses

Die regionale Strategie zum Schutz des Balkanluchses wurde auf der CMS-COP15 in Brasilien offiziell verabschiedet. Wirksame Maßnahmen zum Schutz dieser Unterart fokussieren sich auf die Entwicklung nationaler Aktionspläne, die Vernetzung von Lebensräumen und die Erhöhung der genetischen Vielfalt. Die zuständigen Behörden und Luchsexpertinnen werden die neue Strategie in den kommenden Jahren gemeinsam mit wichtigen Akteuren umsetzen.

Naturschützer vor Balkanluchs-Präsentation

Luchs-Experten wie Aleksandar Perović aus Montenegro kamen auf der CMS COP15 zusammen, um die regionale Strategie zur Rettung des Balkanluchses vorzustellen und zu begrüßen.

© Iskra Stojanova
Fotofallenaufnahme von einem Balkanluchs

Maßnahmen wie die Erfassung der Balkanluchspopulation mithilfe von Kamerafallen, wie auf diesem Bild zu sehen, sind entscheidend für ein besseres Verständnis der Bewegungsmuster, der Beuteverfügbarkeit und der Überlebensraten dieser Art in ihrem Verbreitungsgebiet.

© ERA/BLRP

Die Bemühungen zur Stärkung der Schutzmaßnahmen für den Balkanluchs tragen Früchte. Auf der 15. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (CMS COP15) wurde eine neue Strategie zum Schutz des Balkanluchses vorgestellt und offiziell verabschiedet: die „Range-wide Strategy for the Rescue and Conservation of the Balkan Lynx Lynx lynx balcanicus 2026−2035“.

Mit nur noch weniger als 50 Exemplaren in freier Wildbahn ist diese seltene Unterart des Eurasischen Luchses vom Aussterben bedroht und kommt ausschließlich im Südwesten des Balkans vor. Ein großer Schritt zu ihrem Schutz und zur Erholung ihrer kleinen Population wurde 2024 unternommen, als der Balkanluchs in Anhang I des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (auch Bonner Konvention/CMS) aufgenommen wurde. Diese Liste umfasst wandernde Arten, die vom Aussterben bedroht sind, und Länder, in denen diese Arten vorkommen, sind verpflichtet, sie zu schützen, ihre Entnahme zu verbieten und ihre Lebensräume wiederherzustellen.

Bei einer vom Ministerium für Umwelt und Raumordnung der Republik Nordmazedonien organisierten Nebenveranstaltung, die am 24. März 2026 stattfand, kamen Luchsexpertinnen und wichtige Partner zusammen, um wirksame Maßnahmen zum Schutz des Balkanluchses zu erörtern, wobei der Schwerpunkt auf der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit lag. An diesem Tag wurde die regionale Strategie vorgestellt. Die umfassende Strategie, die später am 27. März von der CMS offiziell verabschiedet wurde, beschreibt einen koordinierten, langfristigen Ansatz zur Erhaltung der Balkanluchspopulation. Sie betont die Bedeutung des Schutzes geeigneter Waldlebensräume für den Balkanluchs und der Wiedervernetzung zwischen diesen Lebensräumen, um die Wanderung der Individuen und ihre erfolgreiche Fortpflanzung zu ermöglichen. Um das Aussterberisiko zu verringern, unterstreicht die Strategie zudem die Dringlichkeit, die genetische Vielfalt zu erhöhen, da die Population bereits einen hohen Grad an Inzucht aufweist. Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie ist ihr regionaler Ansatz, da das Verbreitungsgebiet dieses symbolträchtigen Tieres mehrere Länder umfasst und gemeinsames Handeln über nationale Grenzen hinweg erfordert. In diesem Rahmen und gemäß der vorgeschlagenen Strategie wird jedes Land im aktuellen Verbreitungsgebiet des Balkanluchses einen nationalen Aktionsplan mit geeigneten Maßnahmen und Aktivitäten entwickeln, um den erfolgreichen Schutz des Luchses zu gewährleisten. 

„Dies ist ein sehr wichtiger Meilenstein für den Schutz eines der am stärksten gefährdeten Raubtiere Europas, bei dem ein regionaler Ansatz im Vordergrund steht“ – so Iskra Stojanova auf der CMS COP15 als Vertreterin des UNEP/Sekretariats der Karpatenkonvention, die als Partnerorganisation an dieser Initiative zur Rettung des Balkanluchses beteiligt ist. „Es ist das Ergebnis der harten Arbeit zahlreicher Partner aus verschiedenen Institutionen und Ländern und beweist, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit und aufeinander abgestimmte Pläne große Wirkung zeigen und dazu beitragen können, bessere Bedingungen für den Balkanluchs zu schaffen. Wir freuen uns darauf, unsere Kräfte zu bündeln, um eine effiziente Umsetzung der Regionalstrategie und in Zukunft noch mehr internationale und interinstitutionelle Kooperation sicherzustellen.“ 

Lisa Leschinski, Projektleiterin bei EuroNatur, teilt diese Begeisterung. „Im Rahmen des Balkan Lynx Recovery Programme beobachten wir den Luchs seit 20 Jahren sehr genau und sind zuversichtlich, dass die geplanten Maßnahmen einen positiven Einfluss auf seinen Bestand haben werden. Als Spitzenprädator ist die Anwesenheit des Luchses in den Wäldern des Balkans entscheidend für die Erhaltung eines gesunden Ökosystems.“

Naturschützerinnen aus verschiedenen Regionen der Welt begrüßten die regionale Strategie und wiesen darauf hin, dass die eigentliche Herausforderung nun in ihrer Umsetzung liege. Um sicherzustellen, dass der Plan in konkrete Maßnahmen vor Ort umgesetzt wird, sind nachhaltige Anstrengungen, Ressourcen und eine regionsweite Zusammenarbeit erforderlich. Mit der Verabschiedung dieses Dokuments keimt neue Hoffnung auf, dass sich der Balkanluchs dank der Kooperation von Behörden, Forschung und lokalen Gemeinschaften wieder erholen kann. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob dieses ikonische Raubtier in den Wäldern des Balkans wieder gedeihen kann.

Aktuelles