Unke aus der Froschperspektive

Was vor dem Klick geschah...Fotografinnen und Bildermacher erzählen die Geschichte hinter einer besonderen Aufnahme. Diesmal: eine Unke von unten

Gelbbauchunke von unten im Wasser fotografiert
© Bruno D'Amicis

Ich hatte bis September 2024 noch nie von der Komarnica in Montenegro gehört, als ich während des Balkan River Summit in Podgorica zum ersten Mal von diesem außergewöhnlichen Fluss und seiner Bedrohung erfuhr: ein gigantisches Staudammprojekt, das seine spektakuläre Schlucht unter 100 Metern Wasser versenken würde. Als mich die Montenegrinische Ökologische Gesellschaft Monate später fragte, ob ich den Fluss fotografieren würde, um ihre Naturschutzkampagne zu unterstützen, sagte ich sofort zu. Bald darauf reiste ich mit einem ganz besonderen Assistenten nach Montenegro: meinem neunjährigen Sohn Nils.

Fast scheint es, als würde sich die Komarnica vor der Öffentlichkeit zu verbergen suchen. Sie fließt zwischen bis zu 700 Meter hohen Kalksteinwänden und ist nach wie vor schwer zugänglich, wild und weitgehend unerforscht. Um den Fluss zu erreichen, mussten wir oft steile Abstiege durch den Wald bewältigen, wobei wir schwere Kamera- und Unterwasserausrüstung mit uns trugen.

An einem kalten Junimorgen glitt ich in den Fluss. Die Wassertemperatur betrug kaum 10 Grad, doch sobald der erste Schock überwunden war, tat sich eine faszinierende Unterwasserwelt auf: smaragdgrünes Wasser, glatte ockerfarbene Steine, Äschen, die durch die Wasserlöcher huschten, und Forellen, die in tieferem Wasser verschwanden. Als ich stromaufwärts durch enge Passagen schwamm und mich gegen die Strömung an Felswänden festhielt, kam es mir vor, als würde ich eine andere Dimension betreten.

Später, als ich mich wieder stromabwärts treiben ließ, hielt ich neben einem ruhigen Seitenbecken inne. Dort schwebte, vollkommen reglos, eine Gelbbauchunke. An einem so spektakulären Ort könnte man ein so kleines Lebewesen leicht übersehen. Momente wie dieser erinnern mich daran, dass Wildnis aus unzähligen Lebewesen und verborgenen Beziehungen besteht. Als Naturfotograf ist es genau das, was ich mit meinen Bildern vermitteln möchte: Der Schutz einer grandiosen Landschaft beginnt mit der Achtsamkeit für die zerbrechlichen Details, die sie zu einem Ganzen machen.

Fotograf vor Bergen im Hintergrund
© privat

Bruno D’Amicis wurde 1979 in Rom geboren und ist ein preisgekrönter Naturfotograf und Biologe, dessen Arbeit sich auf Biodiversität und Wildnis konzentriert. Seine Aufnahmen wurden weltweit veröffentlicht und mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Er arbeitet mit Nichtregierungsorganisationen, Schutzgebietsverwaltungen und verschiedenen Medien zusammen, um authentische Geschichten zu erzählen, die zum Naturschutz inspirieren.

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