Im albanischen Schutzgebiet Vjosa-Narta kommt es derzeit zu schwerwiegenden Umweltzerstörungen. Seit Ende April sind im Kernbereich der geschützten Landschaft Bulldozer, Bagger und LKW im Einsatz, die Küstenwälder roden, Dünen abtragen und neue Zufahrtsstraßen in bislang unberührte Lebensräume schlagen.
Die Narta-Lagune ist einer der Hotspots für Europas Zugvögel an der östlichen Adria. Aber auch viele weitere seltene Tier- und Pflanzenarten kommen hier vor.
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Mit einem großen Aufgebot an Baggern, LKW und Bulldozern treibt die albanische Regierung die Baumaßnahmen im Vjosa-Narta-Schutzgebiet voran.
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Planierraupe in einem naturnahen Küstenwald: Die Naturzerstörung schreitet derzeit mit schnellem Tempo voran.
© PPNEARadolfzell, Tirana. Die naturzerstörerischen Arbeiten im albanischen Schutzgebiet Vjosa-Narta erfolgen ohne transparente Genehmigungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfungen oder öffentliche Beteiligung. Dies stellt einen gravierenden Verstoß gegen nationale Naturschutzauflagen und zentrale Verpflichtungen Albaniens im EU-Beitrittsprozess dar. Die EU und Albanien haben sich bei der Eröffnung des Umweltkapitels im September 2025 darauf geeinigt, dass die umstrittene Änderung des albanischen Schutzgebietsgesetzes bis Ende 2027 zurückgenommen wird. Zudem wurde vereinbart, dass alle Projekte gemäß den EU-Anforderungen an Umweltverträglichkeit geplant und umgesetzt werden.
Aktuell deuten die Fakten darauf hin, dass die Regierung in Tirana nicht gewillt ist, sich an diese Vereinbarung zu halten. Ganz im Gegenteil scheint sie mit Bezug auf das vor zwei Jahren geänderte Schutzgebietsgesetz wertvollstes Naturerbe dem rücksichtslosen und massiven Tourismusinfrastruktur-Ausbau zu opfern.
EuroNatur fordert daher gemeinsam mit albanischen und internationalen Partnerorganisationen einen sofortigen Baustopp, vollständige Transparenz über Genehmigungen sowie eine strikte Prüfung des Falls auf EU-Ebene. „Die fortschreitenden Bauarbeiten in einem bestehenden Naturschutzgebiet gefährden nicht nur einzigartiges Naturerbe, sondern untergraben auch die Glaubwürdigkeit Albaniens im EU-Erweiterungsprozess“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur. „Mit der EU getroffene Vereinbarungen werden von der albanischen Regierung mit Füßen getreten. Die EU muss nun dringend den Druck auf die Regierung in Tirana erhöhen, damit die Naturzerstörung in einem der wichtigsten Naturgebiete Europas sofort gestoppt wird.“
Hintergrundinformationen:
- Das Landschaftsschutzgebiet Vjosa-Narta ist Teil des Mündungssystems Vjosa-Shkumbin, dem letzten noch intakten Flussdeltasystem im Mittelmeerraum. Es gehört zu den ökologisch wertvollsten Regionen Europas und bietet Lebensraum für mehr als 200 Vogelarten sowie über 70 bedrohte Arten, darunter die streng geschützte Mittelmeer-Mönchsrobbe oder Meeresschildkröten.
- Die Vjosa hat 2023 große Bekanntheit erlangt: Nach zehnjähriger Kampagnenarbeit von EuroNatur und ihren Partnerorganisationen Riverwatch und EcoAlbania wurde der Fluss zum ersten Wildfluss-Nationalpark Europas ausgerufen und von der albanischen Regierung unter Schutz gestellt. Gleichzeitig wurde der Bau des Vlora-Flughafens vorangetrieben.
Rückfragen:
Christian Stielow, christian.stielow(at)euronatur.org, +49/7732 9272 15
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