Eine etwa zwei Jahre alte Braunbärin wurde in einem wichtigen ökologischen Korridor zwischen Albanien und Griechenland erschossen aufgefunden.
Trauriger Anblick: das erschossene Bärenweibchen
© CallistoHinweis: Dieses Bild zeigt möglicherweise verstörende Inhalte. Bitte klicken Sie den Button, um es anzuzeigen.
Traurige Nachrichten erreichten in der vergangenen Woche unsere griechischen Partner von Callisto und NECCA (Natural Environment and Climate Change Agency): Im Nationalpark Prespa wurde eine junge Braunbärin illegal getötet. Das etwa zweijährige Weibchen wurde nahe dem Dorf Vrontero tot aufgefunden, Touristen hatten die zuständigen Behörden informiert. Eine veterinärmedizinische Untersuchung bestätigte, dass das Tier an Schussverletzungen starb.
Der Vorfall ereignete sich in einer ökologisch besonders bedeutenden Grenzregion, die die Braunbärenpopulationen Griechenlands und Albaniens miteinander verbindet. Das Gebiet gehört zudem zum Projektgebiet von LIFE DinPin Bear, einem groß angelegten Naturschutzvorhaben unter der Koordination von EuroNatur und 20 weiteren Partnerorganisationen. Ziel des Projekts ist es, den langfristigen Erhalt der Braunbärenpopulation im Dinariden-Pindos-Gebirge zu sichern, die zu den bedeutendsten Braunbärenpopulationen Europas zählt.
„Das gesamte LIFE-DinPin-Bear-Team ist tief betroffen von dieser Nachricht“, sagt Antje Henkelmann, Projektleiterin bei EuroNatur. „Wir arbeiten über Ländergrenzen hinweg daran, diese Bärenpopulation besser zu verstehen und ihren Schutz zu verbessern. Illegale Tötungen wie diese gefährden unsere Bemühungen – selbst in Schutzgebieten wie dem Prespa-Nationalpark. Jeder auf diese Weise getötete Bär führt uns schmerzlich vor Augen, wie viel Arbeit noch vor uns liegt.“
Braunbären stehen in Griechenland sowie auf europäischer und internationaler Ebene unter strengem Schutz. Dennoch zählen illegale Tötungen weiterhin zu den größten Gefahren für den Erhalt der Art in Südosteuropa. Naturschutzorganisationen und Behörden haben den Vorfall scharf verurteilt und eine umfassende Aufklärung gefordert.
Der Fall macht erneut deutlich, dass erfolgreicher Bärenschutz nicht nur intakte Lebensräume und grenzüberschreitende Zusammenarbeit erfordert, sondern auch ein konsequentes Vorgehen gegen Wildtierkriminalität. Ebenso wichtig sind Maßnahmen zur Vermeidung und Entschärfung von Konflikten zwischen Menschen und Bären sowie die Förderung eines möglichst konfliktarmen Zusammenlebens mit der lokalen Bevölkerung. Der Schutz von Braunbären in Regionen wie Prespa ist entscheidend, um die ökologische Vernetzung auf dem Balkan zu erhalten und die langfristige Zukunft dieser beeindruckenden Art zu sichern.
Hintergrundinformationen:
- Braunbär: Braunbären stehen in Europa gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Berner Konvention unter strengem Schutz. Die Braunbärenpopulation im Dinariden-Pindos-Gebirge umfasst etwa 4.000 Tiere und ist über die neun Projektländer von LIFE DinPin Bear verteilt: Albanien, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina (Föderation von Bosnien und Herzegowina/Republika Srpska), Griechenland, Kosovo, Kroatien, Montenegro, Serbien und Slowenien.
- LIFE DinPin Bear: Das Projekt zielt darauf ab, den Erhalt und den langfristigen Schutz der Braunbären zu gewährleisten. Es befasst sich mit der Fragmentierung von Lebensräumen, verbessert den menschlichen Umgang mit Bären und stärkt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Überwachung und dem Schutz des Braunbären. Gleichzeitig soll das Projekt die aktive Einbindung und Unterstützung der lokalen Gemeinden fördern, da deren Beteiligung für eine nachhaltige Koexistenz zwischen Menschen und Wildtieren von entscheidender Bedeutung ist.