Spendenaufruf Wald 2026

Eine alte Schlangenhautkiefer an einem Berghang in Montenegro Eine alte Schlangenhautkiefer an einem Berghang in Montenegro
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Wo Bäume tausend Jahre alt werden

Marija Šoškić Popović sitzt am Fuß einer alten Schlangenhautkiefer

Marija Šoškić Popović am Fuß der Schlangenhautkiefer (Pinus heldreichii), unter der sie einst als Kind mit ihrem Vater Schutz suchte.

© Anja Nieden

Was wir jetzt finden, können wir schützen

Marija Šoškić Popović war acht Jahre alt, als sie ihren Vater Radmilo zum ersten Mal in die Berge von Zeletin begleitete, im gebirgigen Osten Montenegros. Ein Gewitter zog auf. Sie suchten Schutz unter dem Ast einer Schlangenhautkiefer, selbst so dick wie ein eigener Baum. Es roch nach Harz, der Wind ging durch die alten Kronen. Der Baum und dieser Moment sind ihr bis heute geblieben.

Inzwischen ist Marija Naturschützerin bei der montenegrinischen Organisation CZIP. In diesem Sommer steht sie wieder unter demselben Baum. Bei der Bohrkernentnahme erweist sich ein abgebrochener Ast als 400 Jahre alt. Der Baum selbst dürfte noch deutlich älter sein. Sein Harz duftet noch immer frisch. Dieser Zeitzeuge hat Eisstürmen getrotzt, Jahrhunderten, Generationen von Menschen, die kamen und gingen. In Sicherheit ist er trotzdem nicht. Kein Schutzgebiet hält die Kettensäge von ihm fern. Ob er die nächsten Jahre übersteht, entscheidet sich jetzt – auch mit Ihrer Hilfe.

Bild von oben auf den Wald im Zeletin
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© Anja Nieden

Unentdeckte Wälder

Gruppenbild des Teams unter alten Rumelischen Kiefern.

Marija, Radmilo und ein Großteil des Kartierungsteams zwischen riesigen Rumelischen Kiefern (Pinus peuce) im Zeletin.

© Anja Nieden

Es war Marija selbst, die ihre Kolleginnen und Kollegen bei CZIP auf die Wälder von Zeletin aufmerksam machte. Möglich wurde deren systematische Erfassung auch durch Bojan Zeković von CZIP, der sich seit Jahren beharrlich für einen Schutzstatus einsetzt. Dass jetzt 30 internationale Fachleute mit ihm durch die Wälder ziehen, ist für ihn eine späte, aber wichtige Anerkennung. Die Kartierung ist Teil einer Kooperation über fünf Länder des Westbalkans. Mit dabei ist auch Marijas Vater Radmilo, der seinen 70. Geburtstag in diesem Jahr nicht mit der Familie, sondern mit der Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in eben jenen Wäldern feiert. EuroNatur hat das Projekt initiiert und arbeitet gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen sowie internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern daran, diese Wälder systematisch zu erfassen und ihren Schutz voranzubringen.

In Montenegro haben wir jetzt eine besondere Situation: Mit dem bevorstehenden EU-Beitritt wird Montenegro Natura-2000-Schutzgebiete nach europäischem Recht ausweisen müssen. In diesem Zuge wollen wir möglichst alle überlebenden Ur- und Naturwälder zum strikten Schutz vorschlagen, und darum kartieren wir dort gerade so schnell wir nur können. Die Berichte unserer Partner im Gebiet, wenn sie schon wieder etliche hundert Hektare gefunden haben, sind super-inspirierend für mich.

Portrait von Siegmund Missall, Programmleiter Wald bei EuroNatur
Siegmund Missall, Programmleiter Wald bei EuroNatur
Die CZU-Experten erläutern dem Team die Methode zur Walderfassung

Die CZU-Experten erläutern dem internationalen Team von 20 Wissenschaftlern und Naturschützerinnen den standardisierten Erfassungsbogen.

© Karol Kalisky

Rhiannon Gloor von der Tschechischen Agraruniversität Prag (CZU) bringt die Lage auf den Punkt: „Wir müssen diese Wälder kartieren, damit sie nicht zerstört werden." Ihr Kollege Martin Mikoláš, der die Kartiermethode maßgeblich entwickelt hat, ergänzt: „Wenn man sich die europäischen Karten anschaut, fehlen in dieser Region riesige Mengen an Daten. Vielleicht wissen die Menschen vor Ort, wo diese Wälder sind, aber in den Datenbanken sind sie nicht erfasst. Und was nicht erfasst ist, kann nicht geschützt werden."

Auf dem Westbalkan sind noch ausgedehnte urwüchsige Wälder erhalten. Montenegro hat die alten Wälder der Region für das europäische Natura-2000-Netzwerk nominiert – geschützt sind sie deshalb noch lange nicht: Holzeinschlag bleibt dort legal. Und darum bleibt nicht viel Zeit. Auf den Forstwegen, die erst vor wenigen Jahren gebaut wurden, begegnet dem Team ein Holztransporter. Leer, aber schon unterwegs. Bojan Zeković lacht kurz: „Er ist stärker. Aber wir sind mehr."
 

Lernen, genau hinzusehen

Martin Mikoláš sitzt auf einem dicken Ast einer uralten Schlangenhautkiefer und hält das Maßband.

Präzise Messung in luftiger Höhe: Das Maßband hat eine spezielle Skala, die den Durchmesser des Stammes anzeigt.

© Solutions4You

Drei Tage lang lernt das Expertenteam bei dieser Exkursion, einen Wald zu lesen und die feine Linie zwischen degradierten Wäldern einerseits und Ur- und Naturwäldern andererseits zu ziehen. Mit Kernbohrern, Maßbändern und ihrem ökologischen Sachverstand erfassen die Teams Baumarten, Totholzmengen, menschliche Eingriffe und andere natürliche Besonderheiten auf einem standardisierten Formblatt und in einer speziellen Kartierungs-App. Die wissenschaftliche Methode dafür hat die Tschechische Agraruniversität Prag (CZU) gemeinsam mit einem Beirat aus dem Westbalkan entwickelt. Jede Messung fließt später in die Bewertung ein, ob ein Wald die wissenschaftlichen Kriterien von Ur- und Naturwäldern erfüllt und darum geschützt werden muss.

So gehen die Teams Hektar für Hektar durch vielversprechende Wälder, prüfen deren Urwaldqualität und kartieren sie. Noch gibt es keine vollständige Übersichtskarte darüber, wo die letzten urwüchsigen Wälder des Westbalkans liegen. Sie bleiben also unerkannt und werden weiterhin abgeholzt und zerstört. Bei ihrer Arbeit vor Ort erleben die Teams das hautnah – was sie antreffen, gleicht einem Mosaik: Bergwiesen, die langsam zuwachsen, verlassene Almen, auf denen sich halbwilde Pferde herumtreiben. Auerhuhnspuren im Moos. Zahlreiche Flechtenarten hängen von den Ästen, ein Bioindikator für saubere Luft und intakte Ökosysteme. Aber leider gibt es immer wieder auch Hinweise auf geplante Holzeinschläge, mitunter bedenklich nah an den ältesten Bäumen, die das Expertenteam hier gesehen hat.

Urwald und Naturwald – was ist der Unterschied?

Urwälder (primary forests) zeigen keine sichtbaren menschlichen Eingriffe. Naturwälder (old-growth forests) dürfen geringe Spuren menschlicher Nutzung aufweisen, müssen aber dieselben ökologischen Funktionen erfüllen wie Urwälder – etwa viele sehr alte Bäume, große Mengen stehendes und liegendes Totholz sowie eine natürliche Dynamik aus Werden und Vergehen. Grundlage dieser Kriterien sind die „Commission Guidelines for Defining, Mapping, Monitoring and Strictly Protecting EU Primary and Old-Growth Forests", die die Europäische Kommission im März 2023 veröffentlicht hat.

Beide Waldtypen sind in Europa außerordentlich selten – nur 2 Prozent der ursprünglichen Bestände sind noch erhalten. Auf dem Westbalkan gibt es noch ausgedehnte urwüchsige Wälder, vor allem in abgelegenen Gebirgsregionen. Doch viele liegen außerhalb von Schutzgebieten und bleiben ohne Kartierung schutzlos. Das Projekt „Forests Beyond Borders" von EuroNatur erfasst diese Wälder in fünf Ländern des Westbalkans systematisch und setzt sich für ihre Unterschutzstellung ein.

Eindrücke aus den Wäldern Montenegros

Hektar für Hektar kartiert

Die Füße schmerzen, die Kleidung ist durchgeschwitzt. Aber am Ende der drei Trainingstage in Zeletin steht mehr als Erschöpfung: Fünf Teams aus fünf Ländern des Westbalkans haben gelernt, Ur- und Naturwälder wissenschaftlich korrekt zu erfassen und zu kartieren – und sind bereit, die Arbeit in ihren jeweiligen Ländern aufzunehmen.

„Team Montenegro" – CZIP, mit Unterstützung der CZU – hat direkt im Anschluss an das Training die eigentliche Kartierungsarbeit im Zeletin aufgenommen. Bereits im ersten Monat wurden auf 2.000 untersuchten Hektar 750 Hektar Naturwald nachgewiesen. Parallel laufen Kartierungen in Kroatien, Albanien und Bosnien-Herzegowina. 

Damit schaffen wir die Grundlage dafür, dass diese Wälder unter Schutz gestellt werden können. Unser Ansatz verbindet wissenschaftliche Standards mit der Expertise der lokalen Naturschutzorganisationen und kann auch in weiteren Regionen Europas eingesetzt werden. Genau diesen Erfolg hat Martin Mikoláš bereits einmal erreicht: In der Slowakei sorgte er dafür, dass 2021 auf Basis jahrelanger Kartierungsarbeit 76 bis dahin ungeschützte Urwaldgebiete unter strikten Schutz gestellt wurden. Diese Methode soll nun den urwüchsigen Wäldern des Westbalkans das Überleben sichern.

Für Marija Šoškić Popović ist das mehr als Wissenschaft. „Ich möchte diese Schönheit mit anderen Menschen teilen", sagt sie. „Und natürlich möchten wir der Welt zeigen, was wir hier haben. Denn wir haben hier einen wirklich einzigartigen Wald."

Wir als Europa sollten auch anderen Kontinenten zeigen, dass es möglich ist, unsere alten Naturwälder zu bewahren. Die richtige Arbeit fängt jetzt erst an.

Martin Mikoláš, Urwaldforscher, Tschechische Agraruniversität Prag (CZU) vor einer Kiefer im Zeletin
Martin Mikoláš, Urwaldforscher, Tschechische Agraruniversität Prag (CZU)

Ihre Spende für Europas letzte urwüchsige Wälder

Die Forscherinnen und Forscher haben die Methode entwickelt. Die Partner-NGOs wenden sie an. Was jetzt fehlt, ist Ihre Unterstützung.

Wir suchen und kartieren Urwälder und Naturwälder, dokumentieren sie wissenschaftlich und kämpfen für ihren Schutz. Mit Ihrer Spende werden wir

  • Urwälder- und Naturwälder in Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien und Serbien wissenschaftlich nach EU-Standards belegen. Nur so können wir ihre strikte Unterschutzstellung erreichen. Mit 100 Euro können wir zehn Hektar Wald erfassen.
  • mit Hilfe der aufgenommenen Daten Schutzgebiete für Urwälder und Naturwälder auf nationaler Ebene einfordern.
  • den EU-Beitrittsprozess als Hebel nutzen. Der strikte Schutz der Urwälder muss Beitrittskriterium werden! Dafür werden wir streiten. 

Insgesamt benötigen wir für diese Aktivitäten noch mindestens 50.000 Euro. Bitte denken Sie auch über eine Dauerspende nach. Sie gibt uns die Planungssicherheit, um uns kontinuierlich für den Schutz der letzten urwüchsigen Wälder Europas einzusetzen.

Als Kind suchte Marija Schutz unter diesem Baum. Heute kämpft sie dafür, dass der Wald um ihn herum geschützt wird. Mit Ihrer Spende helfen Sie ihr dabei.

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Spendenkonto: 8182005 Sozialbank (BLZ 370 205 00) 
IBAN DE42 3702 0500 0008 1820 05 
SWIFT/BIC BFSWDE33XXX 
Kennwort: Wald
 

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