Seggenrohrsänger: Schwierige Brutbedingungen wegen Trockenheit

++ Dürre macht Seggenrohrsängern zu schaffen ++ Klimanotstand als weitere Gefährdungsursache für seltensten Singvogel Europas ++

trockengefallenes Seggenrohrsängerhabitat

Steppe statt Sumpf: komplett trockengefallenes Feuchtgebiet in Ungarn im Projektgebiet bei Nagyiván. Die Translokation von jungen Seggenrohrsängern hierher ist kaum vorstellbar.

© Sándor Borza
trockengefallenes Seggenrohrsängerhabitat

Nicht viel besser sieht die Situation in der Ukraine aus. Hier ein Foto aus einem der Brutgebiete des Seggenrohrsängers aus der Oblast Wolyn.

© Katerina Kashpurenko, USPB
Seggenrohrsänger mit Beute im Flug

Seggenrohrsänger sind dringend auf Wasser in ihren Brutgebieten angewiesen. Der richtige Pegelstand entscheidet über Wohl und Wehe der Brutsaison.

© Žymantas Morkvėna
Förderer-Logos LIFE4AW

Radolfzell, Nagyiván, Wolyn. Der Dürresommer in weiten Teilen Europas gefährdet das Überleben der Seggenrohrsänger. In der Ukraine beispielsweise sind infolge ungewöhnlich niedriger Niederschlagsmengen fast sämtliche Projektgebiete unserer Partner, darunter das Birky-Moor, von starker Trockenheit betroffen. In den wenigen noch wasserversorgten Bereichen ist die Anzahl an beobachteten Seggenrohrsängern in diesem Jahr sehr gering gewesen. So wurden im Sommer nur 24 singende Männchen gezählt; im Vorjahr waren es noch 42. Da bereits die zurückliegenden Jahre ungewöhnlich trocken waren, reichten selbst die Niederschläge des Frühjahrs nicht aus, um den üblichen Grundwasserstand wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten. Ähnlich sieht es in Belarus aus.

Während die Bedingungen in den Brutgebieten Polens und Litauen besser aussahen als in der Ukraine und in Belarus, war die Wassersituation in den vorgesehenen Wiederansiedlungsgebieten des Seggenrohrsängers uneinheitlich. In den potenziellen künftigen Brutgebieten Brandenburgs war die Situation passabel, in Ungarn hingegen ziemlich katastrophal. Seit Jahresbeginn ist es im Land ungewöhnlich niederschlagsarm, viele Feuchtgebiete sind ausgetrocknet, trotz teilweise umfangreicher Bewässerungsmaßnahmen. Ob die geplante Translokation von Jungvögeln nach Brandenburg und Ungarn im nächsten Jahr erfolgen kann, ist somit ungewiss.

Dabei stellt Wasser für den Seggenrohrsänger nicht einfach nur ein Element der Landschaft dar – es bildet die Grundlage seines (Über)-Lebens. Die weltweit vom Aussterben bedrohte Singvogelart bewohnt nasse Wiesen und Niedermoore, in denen vom Wasserstand etliche Faktoren abhängen, wie zum Beispiel die Vegetationszusammensetzung, die Insektendichte und Nistmöglichkeiten. Sinkt der Wasserstand zu früh im Jahr zu stark ab, ändert sich das ganze Ökosystem grundlegend: Torfe degradieren, der Bestand an Insekten nimmt ab, die Vegetationsstruktur verändert sich, Brände werden wahrscheinlicher und die Brutbedingungen verschlechtern sich.

„Um das Überleben des Seggenrohrsängers auch in Zeiten von Hitzesommern und Dürren zu gewährleisten, ist die Wiedervernässung von Mooren essenziell“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur. „Damit würden gleichzeitig große Mengen Kohlenstoffdioxid im Boden gespeichert. Klimaschutz und der Schutz der Artenvielfalt gehen so Hand in Hand“, fügt Schwaderer hinzu.


Hintergrundinformationen:

  • Seggenrohrsänger: Der einst häufige Moorbewohner hat in den zurückliegenden Jahrzehnten einen beispiellosen Populationseinbruch erfahren; heute gilt der Seggenrohrsänger als der seltenste Singvogel Europas. In seinem gesamten Verbreitungsgebiet gibt es nur noch etwa 4.000 bis 5.000 singende Männchen. In Ostmitteleuropa kämpfen wir gemeinsam mit unseren Partnern um sein Überleben – es ist die vielleicht letzte Chance für die Art. 
     
  • Das Projekt „Erhaltung von Europas seltenstem kontinentalen Singvogel: Eine grenzüberschreitende Initiative zur Erholung der Seggenrohrsänger-Population“ (Akronym: LIFE4AquaticWarbler) wird durch das LIFE-Programm der Europäischen Union, das Umweltministerium der Republik Litauen, die Umweltstiftung Michael Otto, die Kurt Lange Stiftung, den Naturschutzfond Brandenburg, die Giving Back to Nature Foundation, den Bird Conservation Fund und die Projektpartner finanziert. Es ist am 1. Oktober 2024 offiziell gestartet und auf neun Jahre angelegt.

Rückfragen: Anja Arninganja.arning(at)euronatur.org, Tel.: 07732/9272-13

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