EuroNatur-Preis 2020 für ausdauernde Pestizidgegner

++ Südtiroler Gemeinde Mals erhält diesjährigen EuroNatur-Preis ++ Überregionale Bekanntheit durch Kampf um Pestizidverbot mitten in der Obstanbauregion Vinschgau ++

EuroNatur-Präsident Thomas Potthast übergibt Martina Hellrigl von der Malser Delegation den EuroNatur-Preis.

© Gerald Jarausch
In der Südtiroler Gemeinde Mals wollen die BürgerInnen keine Pestizide auf ihren Feldern

Die Malser Bürgerinnen und Bürger wehren sich gegen den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft.

© Hollawint

Radolfzell, Insel Mainau. Es sind Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern wie Friseur, Apotheker oder Ökolandbau, und sie eint der Kampf gegen den massiven Einsatz künstlich hergestellter Pestizide in ihrer Gemeinde: Eine vierköpfige Delegation aus Mals nahm heute auf der Bodenseeinsel Mainau den EuroNatur-Preis 2020 entgegen. Mit dieser Auszeichnung wurde die Gemeinde für ihr ihr Durchhaltevermögen beim Einsatz gegen Ackergifte gewürdigt.

Seit knapp sechs Jahren setzen sich viele Menschen aus Mals für ihre Gesundheit und für eine biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft ein – zahlreichen Widerständen aus Agrarlobby, Politik und Justiz zum Trotz. Vertreterinnen und Vertreter dieser als ‚Malser Weg‘ bekannt gewordenen Initiative wurden in der Vergangenheit schon mehrmals mit juristischen Klagen konfrontiert. Und noch immer müssen die Malserinnen und Malser für die Umsetzung ihrer Volksabstimmung vor Gericht streiten.

In seiner Ansprache stellte EuroNatur-Präsident Thomas Potthast den vorbildhaften Charakter der Malser Bürgerinnen und Bürger heraus: „Als Gemeinschaft haben sich die Malserinnen und Malser bürgerschaftlich und schließlich auf Basis einer Volksabstimmung dafür ausgesprochen, keine schädlichen Pestizide mehr zu akzeptieren und sich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft entschieden. Eine echte Gemeinschaftsentscheidung, die Mals zu einer umkämpften Ausnahme in der pestizidorientierten Obstanbauregion Südtirol macht. Sie macht Mals zudem zu einem Vorbild für viele andere Kommunen in ganz Europa.“


Hintergrundinformationen:

  • EuroNatur-Preis: Frühere Preisträger sind u.a. Dr. Mario F. Broggi, Jonathan Franzen, Dr. Luc Hoffmann, Gudrun Steinacker und die „mutigen Frauen von Kruščica“. Erst zum zweiten Mal erhält eine Gemeinde die Auszeichnung. Der EuroNatur-Preis ist undotiert. Mit ihm werden herausragende Leistungen für den Naturschutz, der Menschen und Natur verbindet, gewürdigt. Der EuroNatur-Preis 2020 wurde am Donnerstag, 8. Oktober um 18 Uhr auf der Bodenseeinsel Mainau an eine Delegation der Gemeinde Mals verliehen. Die Veranstaltung fand pandemiebedingt nur mit wenigen geladenen Gästen statt.
  • Pestizideinsatz in Südtirol: In Südtirol werden auf rund 18.000 Hektar rund zehn Prozent aller in der EU geernteten Äpfel produziert. Der Einsatz künstlich hergestellter Pestizide in der Region Vinschgau ist weit verbreitet und gefährdet nicht nur die Gesundheit der Menschen vor Ort, sondern bedroht auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, darunter wichtige Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge.
  • Weitere Informationen und Bildmaterial in Druckqualität finden Sie im Downloadbereich unter: www.euronatur.org/ueber-euronatur/presse/euronatur-preis-2020/ Am Freitag, den 9. Oktober ab ca. 9 Uhr sind dort auch aktuelle Fotos von der Preisverleihung verfügbar.

Rückfragen:
Christian Stielow, Mail: christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732 – 92 72 15

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Ihre Spende ist ein wirkungsvoller Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Vielfalt der Natur im Fokus

Internationaler Fotowettbewerb „Naturschätze Europas 2022“ startet

Berner Konvention hat Verbrechen an der Natur im Blick

Staudämme, Kraftwerke, Flughäfen: Zahlreiche Beschwerden von Naturschutzorganisationen gegen zerstörerische Projekte auf dem Balkan

Positionspapier: Energiegewinnung ohne Naturzerstörung ist der Weg zur Klimaneutralität 2040

Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur veröffentlicht heute ein Positionspapier, das einen neuen zukunftsfähigen Weg für…

Widerstand gegen Flughafenbau in Albanien

Trotz ständigen Drucks seitens nationaler und internationaler NGOs hält die albanische Regierung am Bau eines Großflughafens bei Vlora fest – mitten…

Auszeichnung für slowenische Flussschützerin

Die Biologin Andreja Slameršek wurde am 11. November mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Damit wird ihr unermüdlicher Kampf…

Albanische Gemeinde am Grünen Band Balkan ausgezeichnet

Die Kleinstadt Kukës im Nordosten Albaniens wurde als Modellgemeinde am Grünen Band ausgezeichnet. EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer…

EU-Pilotprojekt stärkt Naturschutz am Grünen Band Europa

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. 32 Jahre später zielt das von der EU finanzierte Projekt…

Noch ein weiter Weg für Westbalkan-Staaten

EU-Kommission legt Länderberichte zu Beitrittskandidaten vor

Forderung: EIB muss Umwelt- und Sozialstandards verbessern

EuroNatur und Bankwatch fordern strengere Regeln bei Wasserkraftfinanzierung der Europäischen Investitionsbank.

Zeichen für die Artenvielfalt: EuroNatur-Preis an Forschende des IPBES verliehen

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden haben den EuroNatur-Preis 2021 erhalten ++ Wissenschaft macht auf dramatisches Artensterben…

Artenvielfalt retten: Forschende des Weltbiodiversitätsrats erhalten EuroNatur-Preis

++ Die für den Weltbiodiversitätsrat IPBES Forschenden erhalten den EuroNatur-Preis 2021 ++ Dramatisches Artensterben ist menschengemacht ++…

Zwei Studien zur Renaturierung der Save und ihrer Flussauen veröffentlicht

Zwei brandneue Studien zur Revitalisierung der Save und ihrer Auen wurden veröffentlicht und vom 19. bis 22. September im Rahmen des Projekts Sava…

Erneute Gewalt gegen Umweltaktivisten in Rumänien

In den Karpaten wurden ein Waldschützer sowie zwei Journalisten von mutmaßlichen illegalen Holzfällern brutal verprügelt. Dies ist nicht der erste…

Weißstörche und menschlicher Einfluss

Eine vierteilige Webinarreihe informiert über aktuelle Entwicklungen anthropogener Einflüsse auf das Leben von Weißstörchen. Die Auftaktveranstaltung…

Donau-Drau-Mur-Region als Biosphärenpark anerkannt

Nun ist es offiziell: Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur liegt Europas größtes Flussschutzgebiet. Auf einer Länge von 700 Kilometern…