Die Regierung Montenegros hat am 26. Juni einen entscheidenden Schritt für den Naturschutz im Land gemacht: Sie verabschiedete den Entwurf eines landesweiten Natura 2000 Netzwerks und meldete diesen nach Brüssel. Der Entwurf sieht vor, künftig mehr als 38 Prozent der Landfläche sowie wichtige Meeresgebiete zu schützen und so die ökologisch wertvollsten Regionen des Landes zu sichern.
Montenegros Natur ist in weiten Teilen wunderschön - wie hier am Skutari-See.
© Bruno D'Amicis
EuroNatur und ihre Partner haben darauf gedrängt, dass die Unterschutzstellung der Saline Ulcinj sowie die Erstellung eines Managementplans eine Voraussetzung für den EU-Beitritt Montenegros ist.
© CZIPMit insgesamt 58 potenziellen Schutzgebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung, 32 Vogelschutzgebieten und sieben marinen Arealen entsteht die Grundlage für Montenegros Beitrag zum europäischen Schutzgebietsnetzwerk. Gleichzeitig ist die Entscheidung ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft.
„EuroNatur begrüßt den Entschluss Montenegros, eine sehr umfassende Flächenkulisse für das europäische Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 zu melden“, sagt EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer. „Wir freuen uns über jedes einzelne Natura 2000-Gebiet, besonders jedoch darüber, dass Schlüsselregionen wie die Saline Ulcinj, das Bojana-Buna-Delta oder die alten Wälder im Gebiet Visitor‑Zeletin berücksichtigt wurden“, so Schwaderer weiter. Die ambitionierte Meldung Montenegros legt die Latte für alle anderen EU-Beitrittskandidaten auf dem Westbalkan hoch. Der Beitritt Montenegros zur Europäischen Union soll bis 2028 vollzogen werden.
Besonders die Nominierung der Saline Ulcinj gilt als großer Erfolg für den internationalen Naturschutz. EuroNatur engagiert sich dort seit Jahrzehnten gemeinsam mit ihren montenegrinischen Partnerorganisationen CZIP und MSJA sowie mit weiteren internationalen Partnern für den Schutz und die Renaturierung des Salzgartens an der Adria.
Nach der politischen Entscheidung beginnt nun die entscheidende Phase: Der Aufbau wirksamer Managementstrukturen und die Vorbereitung der offiziellen Einreichung bei der Europäischen Kommission. „Bei aller Freude über diesen wichtigen Meilenstein beginnt die eigentliche Arbeit erst jetzt“, gibt Gabriel Schwaderer zu bedenken. „Es geht nun darum, leistungsfähige Managementstrukturen für die Gebiete aufzubauen und wirkungsvolle Managementpläne zu erarbeiten“, so Schwaderer.