++ Zehntausende Freiwillige nehmen an der 60. Internationalen Wasservogelzählung teil ++ Seit der ersten Zählung 1967 wurden 1,9 Milliarden Wasservögel erfasst ++ Die Ergebnisse trugen zum internationalen Schutz für Feuchtgebiete bei ++ Auch EuroNatur und ihre Partnerorganisationen im europäischen Ausland sind an der Zählung beteiligt ++
Vögel zählen macht Spaß, allzumal in Gesellschaft und wenn es für einen guten Zweck ist. Hier Freiwillige von EuroNatur bei der Wasservogelzählung am Bodensee am 12. Januar 2025.
© Cornelia Mähr
Höckerschwan, Mittelmeer-Möwe und viele Kolbenenten: Der Bodensee ist ein bedeutendes Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel in Mitteleuropa. Am gesamten See werden traditionell Mitte Januar die Bestände erfasst.
© Cornelia Mähr
Mittwinterzählung bei den EuroNatur-Partnern in Albanien im Januar 2025. Dort zählen seit 1994 haupt- und ehrenamtliche Ornithologinnen und Vogelschützer die Wat- und Wasservögel des Landes. Zudem dokumentieren sie Aktivitäten illegaler Vogeljagd und Spuren von Wilderern, wie Patronenhülsen oder Jagdhütten.
© Justine VansynghelRadolfzell. Zehntausende Aktive schwärmen dieser Tage in Feuchtgebiete auf der ganzen Welt aus, um die 60. Internationale Wasservogelzählung (International Waterbird Census, IWC) durchzuführen. Dieses außergewöhnliche Citizen-Science-Projekt spielte während der letzten sechs Jahrzehnte eine sehr große Rolle im globalen Naturschutz.
Mit Ferngläsern und Fernrohren (Spektiven) begeben sich Teams aus Wissenschaftlerinnen und Freiwilligen in die Feuchtgebiete ihrer Region – von eisgesäumten europäischen Flüssen über warme Karibikküsten und asiatische Wattgebiete bis zu Mündungen tropischer Flüsse in Afrika. Sie treten damit in die Fußstapfen all der Zählerinnen und Zähler seit 1967, um den Zustand der Wasservogelpopulationen und ihrer Lebensräume zu kontrollieren.
Damit sind sie Teil des größten, am längsten bestehenden und wirksamsten Projekts zum Monitoring von Biodiversität, das heute 57.000 Wasserlebensräume in 189 Ländern und Territorien umfasst. Die Zählung hat Naturschutzmaßnahmen in aller Welt vorangetrieben – zur Ausweisung neuer Schutzgebiete, zur Erhaltung der Wasservogelpopulationen und zur Gestaltung internationaler Naturschutzstrategien zugunsten von Menschen, Natur und Klima.
„Seit 60 Jahren zeigt die Internationale Wasservogelzählung, wie viel es bewirken kann, wenn Menschen gemeinsam für die Natur tätig werden. Sie hat sich zu einem Leuchtturm des Wissens und der Zusammenarbeit entwickelt, und zu einer Basis des Naturschutzes für Wasservögel und Feuchtgebiete auf der ganzen Welt“, sagt Coenraad Krijger, Geschäftsführer von Wetlands International, einer der Koordinatoren des IWC. „Dieses bemerkenswerte Jubiläum ist den zehntausenden Freiwilligen, Wissenschaftlern und Partnern gewidmet, deren Engagement den globalen Naturschutz stärker, vernetzter und effektiver gemacht hat.“
Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur und ihre europäischen Partnerorganisationen sind ebenfalls an der Zählung beteiligt. “Auch entlang des Adriazugwegs werden bei der Mittwinterzählung im Januar wieder die Spektive geschultert – dabei werden die Freiwilligen und Hauptamtlichen unserer Partnerorganisationen nicht nur akribisch die Wasservögel zählen, sondern auch etwaige illegale Aktivitäten von Wilderern dokumentieren“, sagt Dr. Stefan Ferger, Programmleiter Zugvogelschutz bei EuroNatur.
Tatsächlich sind viele Wasservogelpopulationen rückläufig. So gibt es etwa bei Watvögeln besonders besorgniserregende Abwärtstrends, worin sich der Druck auf Feuchtgebiete entlang ihrer Zugrouten widerspiegelt. „Die Stärke des IWC liegt in seiner Kontinuität. Durch die jährliche Wiederholung wird eine langfristige Datenbank aufgebaut, die es uns ermöglicht, die tatsächlichen Populationstrends der Wasservögel zu verstehen und wirksame Lösungen für Probleme wie Wilderei oder Lebensraumverlust zu finden“, sagt Dr. Justine Vansynghel, Projektleiterin Zugvogelschutz bei EuroNatur.
Hintergrundinformationen:
- Die Internationale Wasservogelzählung wurde entwickelt, um die Größe und Entwicklung der Wasservogelpopulationen abzuschätzen, wichtige Wasservogellebensräume zu identifizieren und zu überwachen sowie den Schutz und das Management von Feuchtgebieten zu unterstützen. Sie hat zu bemerkenswerten Erfolgen im Naturschutz beigetragen, darunter:
- die Ausweisung von 956 Ramsar-Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung mit einer Fläche von 1,5 Millionen km² (Größe der Mongolei);
- die Identifizierung von 2.701 Important Bird Areas mit einer Fläche von 1,75 Millionen km² (Größe Libyens);
- die Identifizierung von 2.721 Schutzgebieten nach den EU-Naturschutzrichtlinien mit einer Fläche von 418.000 km² (größer als Deutschland).
- EuroNatur engagiert sich seit Gründung der Stiftung für den Zugvogelschutz in Europa. Unter anderem schützen wir gemeinsam mit unseren Partnern wichtige Lebensräume entlang der Adria-Zugroute, wo jeden Winter Hunderttausende Vögel rasten und überwintern.
- Unter diesem Link (engl.) finden Sie Fotos und persönliche Geschichten von Vogelzählern aus aller Welt.
Pressekontakt:
Christian Stielow, christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: 07732/927215
Richard Lee, Head of Communications, Wetlands International; Richard.Lee(at)wetlands.org, Tel.: +31 654287956