Urwald-Aktion in Rumänien: Aktivisten stoppen Holz-Trucks

Urwald-Alarm: Aktivisten von Agent Green stoppen gemeinsam mit Wissenschaftlern und Bergsteigern Holz-Trucks in Rumänien +++ 30 Waldschützer fordern ein sofortiges Abholzungsmoratorium im Urwald und verlangen von der rumänischen Regierung, die Strafen für Urwaldzerstörung anzuheben statt zu senken

Der deutsche Wissenschaftler Professor Dr. Hannes D. Knapp mit Aktivisten und Plakaten vor einer Forstmaschine

Der deutsche Wissenschaftler Professor Dr. Hannes D. Knapp, Mitglied des Präsidiums der Naturschutzstiftung EuroNatur.

© Matthias Schickhofer / EuroNatur
Mit Urwald bedeckte Gebirgshänge

In den rumänischen Karpaten finden sich die letzten Paradieswälder Europas, wie hier im Fagaras-Gebirge

© Matthias Schickhofer / EuroNatur
Ein Kahlschlag auf einer Bergkuppe im Natura 2000 Gebiet Fagarasgebirge

Rumäniens Urwälder verschwinden in atemberaubendem Tempo, selbst in NATURA 2000-Gebieten

© Matthias Schickhofer / EuroNatur
Demonstranten mit Plakaten blockieren einen Holzlaster in Rumänien.

Mit Transparenten gegen den Raubbau

© Matthias Schickhofer/EuroNatur
Fagaras Natura 2000-Gebiet, Rumänien - 10. März 2017: Agent Green und internationale Waldschützer (darunter Wissenschaftler und Bergsteiger) stoppen Holzfällerfahrzeuge im Natura 2000-Gebiet Fagaras Mountains und fordern die rumänische Regierung auf, Maßnahmen zur Rettung der letzten großen Primärwälder Europas in Rumänien zu ergreifen.

Auch auf dieser LKW-Ladung befinden sich alte Buchenholzstämme - von den Aktivisten mit böse dreinblickenden Smileys markiert

© Matthias Schickhofer/EuroNatur

Gemeinsame Pressemitteilung von EuroNatur und Agent Green

 

Vidraru, Fagaras Gebirge, Rumänien, 10. März 2017. 30 Urwaldschützer aus sechs EU-Ländern stoppen seit dem heutigen Morgen gemeinsam mit Wissenschaftlern und Alpinisten Holz-Trucks im Vidraru-Einzugsgebiet im Fagaras-Gebirge. Das Gebiet ist eines der wertvollsten Urwaldgebiete Europas. Die Aktivisten besetzten Bäume mit Spezialzelten und entrollten große Banner mit der Aufschrift: “Save Paradise Forests”.

Agent Green, EuroNatur, Wissenschaftler und führende rumänische Alpinisten rufen Rumäniens Regierung dazu auf, umgehend ein Abholzungsmoratorium für Urwaldverdachtsflächen in Rumänien zu verhängen. Dies muss vor allem im Staatswald und in Nationalparks rasch umgesetzt werden. Gabriel Paun, Geschäftsführer der rumänischen Umweltschutzorganisation Agent Green, sagte bei der Aktion: “Wir appellieren an das Ministerium für Wasser und Wald, dieses Thema im Jahr 2017 zur obersten Priorität zu machen!”

"Als Mitinitiator des UNESCO Weltnaturerbe-Programms zum Schutz der europäischen Buchenurwälder stehe ich für diese Wälder ein - nicht nur mit meiner wissenschaftlichen Arbeit, sondern hier und heute am Schauplatz der Umweltzerstörung auch mit meinem eigenen Körper. Diese Wälder sind ein herausragendes globales Naturerbe und dürfen nicht weiter zerstört werden!” unterstrich der deutsche Wissenschaftler Professor Dr. Hannes D. Knapp, Mitglied des Präsidiums der Naturschutzstiftung EuroNatur.

Zwei Drittel der letzten europäischen Urwälder haben in Rumänien überlebt. Eine erste Urwald-Inventur aus dem Jahr 2004 identifizierte mehr als 200.000 Hektar Urwald. In den letzten 13 Jahren wurden jedoch viele Tausend Hektar dieser Paradieswälder abgeholzt - viele davon illegal. Die rumänischen Regierungen haben bisher keine ausreichenden Anstrengungen unternommen, dieses Umweltdesaster zu beenden. Es ist heute nicht klar, wie viele Urwälder es in Rumänien noch gibt, weil die Regierungen sich um die Entwicklungen nicht kümmerten.

Das abgelegene Fagaras-Gebirge ist einer der wertvollsten Wildnis-Hotspots Europas. Laut einer Feldstudie von Greenpeace im Jahr 2016 sind im Gebiet um den Vidraru-See in den letzten Jahren mehr als ein Drittel der Urwälder im oberen Vidraru-Gebiet zerstört worden. Bis zur jüngsten Abholzungswelle waren die Wälder um den See vergleichsweise gut erhalten, weil sie eine bedeutende Rolle für die nationale Sicherheit spielen: die großen Waldgebiete sichern das Umfeld des Vidraru-Stausee-Komplexes vor Erosion und Fluten.

“Wir sind tief besorgt. Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen weiteren Hektar dieser Paradieswälder zu verlieren. Vielleicht wird die Regierung jetzt endlich aktiv, wenn sie versteht, dass die Abholzungen auch die nationale Sicherheit bedrohen. Wir werden hier ausharren, bis sich die Ministerin für Wald, Adriana Petcu, meldet und uns zusichert, ernsthafte Schritte zum Urwaldschutz einzuleiten,” sagt Gabriel Paun.

“Die meisten EU-Mitgliedsstaaten haben die Bedeutung der Urwälder für die Zukunft des Lebens und der Artenvielfalt viel zu spät erkannt. Jetzt sind fast alle verschwunden. Unser Forschungsteam hat Untersuchungen in zahlreichen rumänischen Urwäldern durchgeführt. Mit unserer wissenschaftlichen Arbeit wollen wir auch dazu beitragen, die Gebiete zu schützen, die in Rumänien noch intakt sind. Wir wurden Zeugen massiver Zerstörung. Die Urwaldvernichtung muss beendet werden! Wir dürfen diese Brücken des Lebens zwischen der Vergangenheit und der Zukunft nicht verlieren”, erklärte Martin Mikoláš von der Fakultät für Forstwirtschaft und Waldwissenschaft der tschechischen Universität für “Life Sciences”.

“Wie viele meiner Kollegen habe ich in der Karpatenwildnis trainiert, um einer der erfolgreichsten rumänischen Alpinisten zu werden. Den Karpaten habe ich es zu verdanken, dass ich unerforschte Gipfel im Himalaya ersteigen konnte. Ich beteilige mich heute an der Protestaktion, um mitzuhelfen, unsere Paradieswälder zu retten, sagte Zsolt Torok, Rumäniens “Bergsteiger des Jahres 2016”.

Trotz der starken Anti-Korruptions-Proteste der rumänischen Zivilgesellschaft während der letzten Wochen gab es vor kurzem eine Lobby-Initiative von Waldbesitzern und Forstwirtschaft im rumänischen Parlament und im zuständigen Ministerium, die Strafsätze für die Zerstörung von Urwäldern zu bagatellisieren. Agent Green, EuroNatur und die Waldschützer bei der Aktion drängen sowohl die rumänische Regierung als auch die politischen Parteien im Parlament, dieses katastrophale Gesetz zu stoppen. Das Vorhaben würde die Waldzerstörung beschleunigen und die Reputation Rumäniens schädigen. Anstatt die illegale Waldzerstörung zu erleichtern, sollten die Strafen vielmehr drastisch erhöht werden.

 

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