++ Komitee gegen den Vogelmord erhält EuroNatur-Preis 2026 ++Auszeichnung für großes Engagement und Unerschrockenheit ++ Nach wie vor fehlt in vielen Ländern der politische Wille zur Durchsetzung der bestehenden Gesetze zum Schutz unserer Zugvögel ++
Axel Hirschfeld (links) und Karl-Heinz Kreutzer nahmen stellvertretend für das gesamte Komitee gegen den Vogelmord den EuroNatur-Preis 2026 entgegen.
© Gerald Jarausch
Die beiden Preisträger mit EuroNatur-Präsident Prof. Dr. Thomas Potthast (ganz links) und Vizepräsidentin Dr. Anna-Katharina Wöbse bei der Übergabe des Preises im Schloss Mainau.
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Auch öffentlichkeitswirksame Aktionen fallen in den Bereich des Komitees; in diesem Fall bei einem Protest auf Zypern.
© Komitee gegen den VogelmordRadolfzell, Mainau. Das Komitee gegen den Vogelmord ist heute mit dem EuroNatur-Preis ausgezeichnet worden. Die Naturschutzorganisation erhält die Ehrung für ihren jahrzehntelangen und oftmals gefährlichen Einsatz gegen die illegale Vogeljagd entlang der europäischen Zugrouten. Stellvertretend für die zahlreichen ehrenamtlichen Vogelschützerinnen und Vogelschützer nahmen Karl-Heinz Kreutzer (Vorsitzender des Komitees gegen den Vogelmord) und Axel Hirschfeld (Sprecher des Komitees) die Auszeichnung entgegen.
Mit dem EuroNatur-Preis würdigt die Stiftung insbesondere den praktischen Naturschutz des Komitees gegen den Vogelmord. Seit Jahrzehnten decken dessen Teams illegale Fangmethoden auf, dokumentieren Verstöße gegen Naturschutzgesetze, entfernen Fangnetze und Leimruten und arbeiten mit Behörden zusammen, um die Wilderei auf Zugvögel einzudämmen.
In ihrer Laudatio würdigte EuroNatur-Vizepräsidentin Dr. Anna-Katharina Wöbse die Arbeit des Komitees gegen den Vogelmord: „Wir danken Ihnen, dass Sie als Delegation hier sind, während die meisten Ihrer Aktiven draußen in den Camps ganz konkret die Rauchschwalben, Rotkehlchen, Grauschnäpper und alle anderen Zugvögel und mit ihnen einen elementaren Teil des europäischen Naturerbes beschützen. Dabei riskieren sie Haut und Haar: Sie sind mit Beschimpfungen, Drohungen, physischer Gewalt, Schrotschüssen, zerstochenen Reifen, Verfolgungen konfrontiert. Für dieses Engagement und Ihre Unerschrockenheit zeichnen wir das Komitee gegen den Vogelmord heute mit dem EuroNatur Preis aus.“
Die Auszeichnung versteht das Komitee zugleich als Anerkennung für die vielen Freiwilligen und Partnerorganisationen, die jedes Jahr entlang der Zugrouten Europas im Einsatz sind. Der Schutz von Zugvögeln bleibt trotz vieler Fortschritte eine große Herausforderung. Noch immer werden jedes Jahr Millionen Vögel illegal gefangen oder geschossen, allein im Mittelmeerraum schätzungsweise 25 Millionen.
In ihrer Dankesrede machten die Preisträger deutlich, dass erfolgreicher Vogelschutz nicht allein auf politischen Absichtserklärungen beruhen darf: „Es wird heute glücklicherweise sehr viel Geld in den Zugvogelschutz investiert. Millionen fließen in Gutachten, in Schutzkonzepte, in Konferenzen und in den administrativen Artenschutz“, sagte Axel Hirschfeld. „Doch die Realität zeigt leider auch: Von diesen enormen Summen fließt viel zu wenig Geld in den direkten, konkreten Kampf gegen Fang und Wilderei. Was nützen die besten Gesetze, Konferenzen und Absichtserklärungen, wenn draußen im Feld niemand da ist, der die Netze abbaut? Der Artenschutz darf nicht in der Bürokratie steckenbleiben“, so Hirschfeld.
Hintergrundinformationen:
• Der EuroNatur-Preis ist undotiert. Mit ihm werden herausragende Leistungen für den Naturschutz gewürdigt. Ausgezeichnet wurden bislang u.a. der Autor Jonathan Franzen, die „mutigen Frauen von Kruščica“ und die Gemeinde Mals in Südtirol. Der EuroNatur-Preis 2026 wurde am Donnerstag, 15. Oktober 2026 um 17 Uhr auf der Bodenseeinsel Mainau verliehen.
• Das Komitee gegen den Vogelmord wurde im Januar 1975 in Berlin gegründet, hat seinen Sitz aber mittlerweile in Bonn. Die ersten Kampagnen waren Protestaktionen gegen die Vogeljagd in Italien, den Vogelfang in Belgien und den Wildvogelhandel in Deutschland. Die ersten praktischen Maßnahmen – das Einsammeln illegaler Vogelfallen und Fangnetze – gab es 1979 im deutsch-belgischen Grenzgebiet bei Aachen. Seit 1985 werden jährlich Zugvogelschutzcamps durchgeführt, zuerst in Norditalien, dann auch in Nordfrankreich, Süditalien, auf Zypern und auf Malta. Übers Jahr verteilt beteiligen sich zwischen 250 und 300 Natur- und Tierfreunde aus ganz Europa an den weit über 20 Einsatzcamps.
• Das Ausmaß der illegalen Vogeljagd im Mittelmeerraum ist trotz vieler Erfolge nach wie vor erschütternd. Eine Studie, die BirdLife International und EuroNatur im Mai 2025 gemeinsam herausgegeben haben, zeichnet ein düsteres Bild: Die große Mehrheit der Mittelmeer-Anrainer scheitert an ihrem Versprechen, die illegale Tötung, Entnahme und den Handel von und mit Vögeln bis 2030 zu halbieren.
Rückfragen:
Christian Stielow, christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732 – 92 72 15