Was vor dem Klick geschah...Fotografinnen und Bildermacher erzählen die Geschichte hinter einer besonderen Aufnahme. Diesmal: eine persönliche Schilderung von den verheerenden Feuern in Frankreich im diesjährigen Sommer
Manche Orte werden zu Herzensorten. Unserer begegnete uns vor zwölf Jahren eher zufällig – nach einer Bulli-Panne. Seitdem gehört ein rustikaler Campingplatz im Pinienwald von Cap Ferret für uns zum Sommer. In der Nacht auf den 23. Juli endete unser Urlaub dort früher als gedacht. Am Vortag war bei Saumos, westlich von Bordeaux, ein Feuer ausgebrochen. Extreme Hitze, Trockenheit und wechselnde Winde trieben die Flammen Richtung Lège-Cap-Ferret. Mitten in der Nacht forderte uns die Polizei auf, den Zeltplatz sofort zu verlassen, unsere Sachen blieben zurück. Um über die einzige Zufahrtsstraße von der Halbinsel zu gelangen, mussten wir zunächst dem Feuer entgegenfahren – eine ziemlich beunruhigende Aussicht.
Das Bild zeigt den Blick aus unserem Bulli-Fenster auf dem Weg in eine Notunterkunft. Rund 42.000 Hektar wurden vom Feuer erfasst, zahlreiche Häuser zerstört und rund 220.000 Menschen zeitweise evakuiert. Was für uns eine beängstigende Nacht war, bedeutete für viele Betroffene einen viel tieferen Einschnitt.
Auch in Regionen Spaniens und des Balkans, in denen EuroNatur arbeitet, hinterließen schwere Brände in diesem Sommer ihre Spuren. Der Klimawandel erhöht mit häufigerer Hitze und Trockenheit das Risiko, dass Feuer außer Kontrolle geraten. Auch die Landnutzung spielt eine Rolle: Werden extensive Beweidung oder Mahd aufgegeben, kann sich mehr brennbare Vegetation ansammeln. Monokulturen begünstigen ebenfalls die Ausbreitung von Bränden – so wie die großflächigen Kiefernforste, die die Landschaft der Gironde prägen. Um Feuerkatastrophen solchen Ausmaßes zukünftig zu verhindern, braucht es nicht nur dringend konsequenten Klimaschutz und gutes Brandmanagement, sondern auch vielfältige, naturnahe Landschaften, die besser mit Trockenheit und steigendem Feuerrisiko umgehen können.
Antje Henkelmann ist Projektleiterin für Braunbären- und Wolfsschutz bei EuroNatur. Sie reist gern dorthin, wo sich Wolf und Bär gute Nacht sagen – oder im Sommer an den französischen Atlantik. Fotografieren würde sie gern öfter und besser. Das Bild des Flammenmeers entstand in einem aufwühlenden Moment, in dem dafür eigentlich keine Zeit war. Der Campingplatz blieb übrigens von der Feuersbrunst verschont, doch die Zerstörungen drum herum sind verheerend; dieses Foto zeigt Antje auf dem Campingplatz, nachdem sie wenige Wochen nach der plötzlichen Evakuierung ihre Sachen wieder abholen konnte.