Nachruf auf Prof. Josef Settele

EuroNatur trauert um Biodiversitätsforscher Josef Settele

Schwarz-weiß Portrait von Prof. Josef Settele
© André Künzelmann KI-bearbeitet

„Wir wissen so viel, aber es geschieht so wenig! Wege zu finden, um in Politik und Öffentlichkeit gehört zu werden, ist ganz entscheidend. Das Hauptziel besteht darin, die Informationen zu verbreiten und Menschen, die Entscheidungen tragen, eine solide Wissensgrundlage für ihr Handeln bereitzustellen.“ So antwortete der weltweit renommierte Ökologe und Agrarbiologe Prof. Josef Settele auf die Frage, warum er sich mit so viel Herzblut im Weltbiodiversitätsrat IBPES engagierte. 

Am 9. Oktober 2026 ist Prof. Josef Settele plötzlich und unerwartet im Alter von 65 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Biodiversitätsforschung nicht nur einen herausragenden Wissenschaftler, der stets das größere Bild im Blick behielt. Josef Settele verstand es auch wie kaum ein anderer, zwischen Forschung, Politik und Öffentlichkeit zu vermitteln. Eines seiner größten Verdienste bestand darin, dem dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Als einer der drei koordinierenden Hauptautoren leistete Josef Settele gemeinsam mit zahlreichen weiteren Forschenden des Weltbiodiversitätsrates IBPES Bahnbrechendes: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben das Wissen zusammengetragen, ausgewertet und verknüpft, das zum Thema Biodiversität weltweit existiert. Auf dieser Grundlage gelang es ihnen, Szenarien für die Zukunft zu entwerfen und konkrete Wege aufzuzeigen, wie ein Leben in Harmonie mit der Natur möglich ist. Sie tun dies ehrenamtlich und von einer Motivation angetrieben, die weit über ihre persönlichen Interessen hinausgeht. Im Jahr 2021 erhielten die mehr als 1.000 Forschenden des IPBES dafür den EuroNatur-Preis, den Prof. Josef Settele auf der Bodenseeinsel Mainau zusammen mit seinen Kolleginnen Eszter Kelemen und Yunne-Jai Shin stellvertretend entgegennahm. 

EuroNatur-Präsident Prof. Dr. Thomas Potthast sagt: „Mein Kollege Josef „Sepp“ Settele hat auf motivierende Weise vorgelebt, wie es gelingen kann, wissenschaftlich unabhängig und transparent zu bleiben und sich gleichzeitig klar für die Erhaltung und Förderung der Biologischen Vielfalt einzusetzen. Zugleich verlieren wir mit Sepp einen stets zugewandten, freundlichen und humorvollen Menschen. Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Seine Botschaft bleibt: Wir müssen JETZT handeln, um den Verlust der Biodiversität zu stoppen.“ Josef Setteles letztes Buch gibt das Lebensgefühl eines stets authentisch gebliebenen Menschen wieder: „Keine Zeit für Pessimismus".

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