Alarmierende Entwicklungen in der Narta-Lagune

Das einzigartige Vjosa-Delta in Albanien steht unter massivem Druck. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass trotz seines Schutzstatus derzeit Infrastrukturprojekte massiv vorangetrieben werden, die eines der wertvollsten Küstenökosysteme Europas irreversibel zerstören könnten. Dies widerspricht auch den Voraussetzungen für den EU-Beitritt Albaniens.

LKWs laden Steine am Strand ab LKWs laden Steine am Strand ab
© PPNEA

Fatale Gesetzesänderung

Karte Vjosadelta Bauarbeiten

Die Karte zeigt die aktuellen Bauarbeiten im Vjosa-Delta an der Küste Albaniens. Ebenfalls zu erkennen: Die Landebahn des künftigen Vlora-Flughafens (Bildmitte)

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EuroNatur verfolgt die aktuelle Situation im Vjosa-Delta mit großer Sorge. Während der Bau des Vlora-Flughafens bereits seit Jahren in das Schutzgebiet eingreift und wertvolle Natur zerstört, beginnt jetzt eine zweite Phase der großflächigen Naturzerstörung im Vjosa-Delta: Bulldozer roden Küstenwälder, tragen Dünen ab und erschließen bislang unberührte Lebensräume. Und das alles für Luxusresorts. Diese sollen nun auf der Halbinsel Zvërnec gebaut werden.

Im Jahr 2024 hat die albanische Regierung das Gesetz über Schutzgebiete geändert, wodurch wichtige Schutzmaßnahmen abgeschwächt wurden. Dies öffnete Tür und Tor für groß angelegte Infrastrukturprojekte, einschließlich Luxustourismus innerhalb von Schutzgebieten. Tatsächlich hat die Regierung im Rahmen der EU-Beitrittskriterien versprochen, diese Änderungen bis Ende 2027 rückgängig zu machen. Darüber hinaus wurde vereinbart, dass alle Projekte in Übereinstimmung mit den EU-Anforderungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung geplant und umgesetzt werden.

Planierraupe im naturnahen Küstenwald
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Jahrelanger Einsatz gemeinsam mit albanischen Partnern

Gemeinsam mit unserer albanischen Partnerorganisation PPNEA (Protection and Preservation of Natural Environment in Albania) und mit Riverwatch setzen wir uns seit vielen Jahren entschlossen für den Erhalt des Vjosa-Deltas ein. Unsere gemeinsame Arbeit hat dazu beigetragen, das öffentliche Bewusstsein für die ökologische Bedeutung dieser Region zu stärken und politische Prozesse kritisch zu begleiten.

Unser Engagement im Vjosa-Delta ist geprägt von enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, wissenschaftlicher Expertise und internationaler Vernetzung. Zusammen mit PPNEA dokumentieren wir die Auswirkungen von Bauprojekten, setzen uns für effektiven Schutzstatus ein und bringen unsere Expertise in nationale und europäische Entscheidungsprozesse ein, denn eines ist klar: Was aktuell in der Narta-Lagune geschieht, ist in unseren Augen gesetzeswidrig; die Bauarbeiten finden ohne öffentlich gemachte Genehmigungen und ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung statt. Diesbezüglich erwarten wir auch von der Europäischen Union eine deutliche Positionierung. Bislang haben sich nur vereinzelte Parlamentsabgeordnete zu den aktuellen Entwicklungen in Albanien geäußert.

Mit der EU getroffene Vereinbarungen werden von der albanischen Regierung mit Füßen getreten. Die Europäische Union muss nun dringend den Druck auf die Regierung in Tirana erhöhen, damit die Naturzerstörung in einem der wichtigsten Naturgebiete Europas sofort gestoppt wird.

Portrait Gabriel Schwaderer
Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer EuroNatur

Klare Haltung: Gewaltfreiheit und Dialog

Angesichts der zugespitzten Situation vor Ort erreichen uns Berichte über zunehmende Spannungen. EuroNatur stellt klar: Wir rufen alle Beteiligten zu gewaltfreiem Widerstand und besonnenem Handeln auf. Wir verurteilen jede Form von Gewalt – unabhängig davon, von welcher Seite sie ausgeht.

Nachhaltiger Natur- und Umweltschutz kann nur im Dialog und auf Grundlage rechtsstaatlicher Prinzipien gelingen. Einschüchterung, Eskalation und Gewalt gefährden nicht nur Menschen, sondern auch die Chancen auf konstruktive Lösungen.

Schönheit und Gefährdung des Vjosa-Deltas

Jetzt handeln: Schutz der Narta-Lagune sicherstellen

Demonstrierende mit Banner in der Narta-Lagune an einem Regentag

Demonstrierende im Vjosa-Delta forderten am 16. Mai: "Hände weg vom Vjosa-Narta-Schutzgebiet"

© PPNEA
Mann mit Megaphon in der Hand in Tirana

Aleksandër Trajçe, Geschäftsführer von PPNEA, bei einer Kundgebung in Tirana am 26. Mai. Schließen auch Sie sich dem Protest an, wenn Sie vor Ort sind!

© PPNEA

Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass der Schutz des Vjosa-Deltas dringend gestärkt werden muss. Wir fordern:

  • einen sofortigen Stopp aller naturgefährdenden Bauprojekte in und um die Lagune
  • die konsequente Einhaltung nationaler und internationaler Schutzverpflichtungen
  • transparente Entscheidungsprozesse unter Beteiligung der Zivilgesellschaft
  • langfristige Strategien zum Erhalt des gesamten Vjosa-Deltas

EuroNatur wird sich gemeinsam mit PPNEA weiterhin mit aller Kraft für den Schutz dieses einzigartigen Naturraums einsetzen.

Auch Sie können aktiv werden: 

  • Bitte teilen Sie unsere Beiträge in den Sozialen Medien und verbreiten Sie die Informationen über die Umweltfrevel in Albanien.
  • Folgen Sie uns und unseren Partnern, damit Sie in dieser Sache auf dem neusten Stand bleiben.
  • Bitte unterzeichnen Sie die Petition gegen die aktuellen Bauvorhaben und teilen Sie diese in Ihrer Familie oder Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis.
  • Am Samstag, 20. Juni ist ein großer internationaler Protest im Vjosa-Delta angekündigt. Falls Sie zu diesem Zeitpunkt in der Region sein sollten, nehmen Sie daran teil und solidarisieren Sie sich mit den Menschen vor Ort, die sich gegen die verheerenden Pläne stellen. Zusätzlich finden bereits fast täglich Demonstrieren statt - europaweit. Schließen Sie sich an! (Auswahl: Berlin, Stockholm, München: 5. Juni; Vlora, Mailand, Florenz, London, Toronto: 6. Juni; Brüssel, Bologna, Skopje: 7. Juni; New York: 15.6.)
Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv
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