Alarmierende Entwicklungen in der Narta-Lagune

+++ DIESE SEITE WIRD REGELMÄßIG AKTUALISIERT +++ Das einzigartige Vjosa-Delta in Albanien steht unter massivem Druck. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass trotz seines Schutzstatus derzeit Infrastrukturprojekte massiv vorangetrieben werden, die eines der wertvollsten Küstenökosysteme Europas irreversibel zerstören könnten. Dies widerspricht auch den Voraussetzungen für den EU-Beitritt Albaniens.

LKWs laden Steine am Strand ab LKWs laden Steine am Strand ab
© PPNEA

Webinar | Das Vjosa-Delta in Gefahr: Hintergründe und Perspektiven zur „Flamingo-Revolution“ in Albanien

Am 29. Juni haben wir zu einem Webinar eingeladen und dort mit EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer, EuroNatur-Programmleiterin Annette Spangenberg sowie Zydjon Vorpsi von unserer albanischen Partnerorganisation PPNEA über die aktuellen Entwicklungen in Albanien gesprochen. Sie konnten nicht dabei sein? Kein Problem, schauen Sie sich hier die Aufzeichnung des Webinars an.

Screenshot Webinar Narta-Diskussion
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Aktuelle Entwicklungen und Pressespiegel

  • 12.07.2026

    Das ZDF-Auslandsjournal berichtet über die Flamingo-Revolution: Eingebettet ist das Video in einem großen Online-Feature.

  • 08.07.2026

    Die Proteste in Albanien (und an anderen Orten der Welt) halten nach wie vor an. In einem großen Artikel widmet sich Balkan Insight führenden Köpfen der Flamingo-Revolution. Lernen Sie einige der Menschen hinter den Protesten kennen!

  • 17.06.2026

    Das Europäische Parlament hat am 17. Juni seinen Jahresbericht über Albaniens Fortschritte bzgl. des EU-Beitritts verabschiedet. Dabei unterstrich das Europäische Parlament so klar wie bisher nie, wie entscheidend Naturschutz ist und dass die Einhaltung der EU-Standards im gesamten Beitrittsprozess gewährleistet sein muss.

  • 14.06.2026

  • 12.06.2026

    Pressemitteilung von 18 albanischen Nichtregierungsorganisationen, darunter die EuroNatur-Partner PPNEA, Ecoalbania, Lumi und AOS

    Umwelt-NGOs boykottieren Konsultationsprozesse des Umweltministeriums bis zur Aufhebung der Änderungen des Gesetzes über Schutzgebiete

    Tirana, 12. Juni 2026 – Umwelt-Zivilgesellschaftsorganisationen bekräftigen ihre klare Position, dass sie sich nicht an den vom Umweltministerium organisierten Konsultationsprozessen beteiligen können, solange das Gesetz Nr. 21/2024 zur Änderung des Gesetzes über Schutzgebiete in Kraft bleibt. Dieses Gesetz hat den Weg für Entwicklungen und Eingriffe in Gebieten geebnet, die eigentlich das höchste Maß an Umweltschutz im Land genießen sollten.

    Die vollständige Pressemitteilung (auf Englisch) finden Sie hier.

  • 11.06.2026

    Nach anhaltenden nationalen sowie internationalen Protesten werden die Bauarbeiten am Vjosa-Delta ausgesetzt und der Bauzaun entfernt. 

  • 07.06.2026

    Die EU-Kommission appelliert an die albanische Regierung, sich im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen strikt an die europäischen Naturschutzstandards zu halten. Sie warnt, dass die derzeitigen Bauarbeiten am Vjosa-Delta das Schließen des Umweltkapitels 27 ernsthaft gefährden könnten. Albanien solle unverzüglich handeln und unter anderem die Änderungen am Gesetz über Schutzgebiete aus dem Jahr 2024 rückgängig machen. (Quelle: POLITICO, auf Englisch)

Die Proteste zeigen Wirkung!

Unzählige Menschen laufen in einem Protestzug in Tirana und protestieren gegen Bauarbeiten im Vjosa-Delta
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© Beka Photography

Fatale Gesetzesänderung

Karte Vjosadelta Bauarbeiten

Die Karte zeigt die aktuellen Bauarbeiten im Vjosa-Delta an der Küste Albaniens. Ebenfalls zu erkennen: Die Landebahn des künftigen Vlora-Flughafens (Bildmitte)

© PPNEA

EuroNatur verfolgt die aktuelle Situation im Vjosa-Delta mit großer Sorge. Während der Bau des Vlora-Flughafens bereits seit Jahren in das Schutzgebiet eingreift und wertvolle Natur zerstört, beginnt jetzt eine zweite Phase der großflächigen Naturzerstörung im Vjosa-Delta: Bulldozer roden Küstenwälder, tragen Dünen ab und erschließen bislang unberührte Lebensräume. Und das alles für Luxusresorts. Diese sollen nun auf der Halbinsel Zvërnec gebaut werden. Eine interaktive Karte finden Sie auf Google Maps.

Im Jahr 2024 hat die albanische Regierung das Gesetz über Schutzgebiete geändert, wodurch wichtige Schutzmaßnahmen abgeschwächt wurden. Dies öffnete Tür und Tor für groß angelegte Infrastrukturprojekte, einschließlich Luxustourismus innerhalb von Schutzgebieten. Tatsächlich hat die Regierung im Rahmen der EU-Beitrittskriterien versprochen, diese Änderungen bis Ende 2027 rückgängig zu machen. Darüber hinaus wurde vereinbart, dass alle Projekte in Übereinstimmung mit den EU-Anforderungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung geplant und umgesetzt werden.

Planierraupe im naturnahen Küstenwald
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© PPNEA

Jahrelanger Einsatz gemeinsam mit albanischen Partnern

Gemeinsam mit unserer albanischen Partnerorganisation PPNEA (Protection and Preservation of Natural Environment in Albania) und mit Riverwatch setzen wir uns seit vielen Jahren entschlossen für den Erhalt des Vjosa-Deltas ein. Unsere gemeinsame Arbeit hat dazu beigetragen, das öffentliche Bewusstsein für die ökologische Bedeutung dieser Region zu stärken und politische Prozesse kritisch zu begleiten.

Unser Engagement im Vjosa-Delta ist geprägt von enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, wissenschaftlicher Expertise und internationaler Vernetzung. Zusammen mit PPNEA dokumentieren wir die Auswirkungen von Bauprojekten, setzen uns für effektiven Schutzstatus ein und bringen unsere Expertise in nationale und europäische Entscheidungsprozesse ein, denn eines ist klar: Was aktuell in der Narta-Lagune geschieht, ist in unseren Augen gesetzeswidrig; die Bauarbeiten finden ohne öffentlich gemachte Genehmigungen und ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung statt. Diesbezüglich erwarten wir auch von der Europäischen Union eine deutliche Positionierung. Bislang haben sich nur vereinzelte Parlamentsabgeordnete zu den aktuellen Entwicklungen in Albanien geäußert.

Mit der EU getroffene Vereinbarungen werden von der albanischen Regierung mit Füßen getreten. Die Europäische Union muss nun dringend den Druck auf die Regierung in Tirana erhöhen, damit die Naturzerstörung in einem der wichtigsten Naturgebiete Europas sofort gestoppt wird.

Portrait Gabriel Schwaderer
Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer EuroNatur

Der lange Weg zum Nationalpark - und dessen schrittweise Demontage

  • 2010/11

    Die Entdeckung eines Juwels

    Der Wissenschaftler Ulrich Schwarz und sein Team führen Hydroanalysen auf dem Balkan durch. In Albanien stoßen sie auf einen in Mitteleuropa weitestgehend unbekannten Fluss, der noch komplett unverbaut ist – die Vjosa. Doch der Bau von zehn Wasserkraftwerken am Fluss ist bereits geplant. Im Folgejahr starten EuroNatur und Riverwatch die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“.

  • 5/2014

    Erste Forderung nach einem Nationalpark

    Mehrere Menschen sitzen an einem langen Tisch auf einer Flussinsel der Vjosa und geben eine Pressekonferenz.
    © Jens Steingässer

    Lokale Bürgermeister und Flussanrainer geben ihre erste Pressekonferenz am Ufer der Vjosa und appellieren an Premierminister Edi Rama, die Staudammpläne abzulehnen und stattdessen einen Vjosa-Nationalpark zu errichten. Die Vjosa tritt erstmals ins Rampenlicht internationaler Medien.

  • 4/2017

    Artenvielfalt an der Vjosa

    Eine internationale wissenschaftliche Erhebung zur Biodiversität in und an der Vjosa wird durchgeführt. Mehrere „Science Weeks“ an der Vjosa und ihren größten Nebenflüssen folgen in den kommenden Jahren. Die Studien, die hierbei entstehen, zeigen, wie erstaunlich die Artenvielfalt des gesamten Flussökosystems ist. Es werden sogar bislang unbekannte Arten entdeckt – starke Argumente für einen strengen Schutz der Vjosa.

  • 5/2017

    Juristischer Sieg

    Der Verwaltungsgerichtshof in Tirana entscheidet zugunsten unserer Partnerorganisation EcoAlbania und Anrainern, das umstrittene Wasserkraftprojekt Poçem zu stoppen. Das ist ein großer Erfolg für die Kampagne, der zeigt, wie wichtig die Hilfe von Rechtsanwälten im Kampf für die Vjosa ist.

  • 10/2017

    Benefizkonzert für die Vjosa

    Eda Zari und Edina Duni auf der Bühne.
    © Moris Rama

    In Tirana findet das erste Konzert zum Schutz der Vjosa (und anderer Balkanflüsse) statt. Prominente Sängerinnen wie Eda Zari erheben ihre Stimme und fordern: „Hände weg von der Vjosa!“. Bei der Initiative „Artists for Balkan Rivers“ engagieren sich in den folgenden Jahren etliche Kunstschaffende aus fast allen Ländern Südosteuropas mit kreativen Beiträgen für das „Blaue Herz Europas“.

  • 3/2021

    VJOSA NATIONALPARK NOW

    Auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin steht in großen Buchstaben "Vjosa National Park Now".
    © Paul Buske

    In großen Lettern prangt der Schriftzug „Vjosa National Park Now“ am Weltwassertag im Vordergrund weltbekannter Bauwerke in Paris, Berlin, Brüssel und Tirana. Die Aktion zielt auf die Aufmerksamkeit führender Politikerinnen und Abgeordneter in der EU sowie in Albanien und ruft sie auf, aus der Vjosa den ersten Wildfluss-Nationalpark Europas zu machen. Kurz zuvor haben mehrere Naturschutzorganisationen dem albanischen Umweltministerium ein detailliertes Konzept für die Schaffung des Vjosa-Nationalparks vorgelegt.

  • 6/2022

    Entscheidender Schritt

    Die Ministerin für Tourismus und Umwelt, Mirela Kumbaro, und der Geschäftsführer von Patagonia, Ryan Gellert, unterzeichnen eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei der Errichtung des Vjosa-Nationalparks. Es ist der entscheidende Schritt zur Nationalparkdeklaration.

  • 3/2023

    Ausrufung des Vjosa-Wildfluss-Nationalparks

    Patagonia-CEO Ryan Gellert, Albaniens Premier Edi Rama, die albanische Umweltministerin Mirela Kumbaro, mit der Urkunde des Vjosa-Nationalparks
    © Anika Konsek/EuroNatur

    Die Freude war riesig: Am 15. März 2023 wurde die Vjosa in Albanien zu Europas erstem Wildfluss-Nationalpark ausgerufen. Doch die Rede von Albaniens Premierminister Edi Rama bei der feierlichen Eröffnung ließ aufhorchen: Von den Plänen für einen Flughafen im Delta der Vjosa wollte Edi Rama nicht abweichen. Damit wurde der Vjosa-Nationalpark durch die Regierung in Tirana von Tag 1 an konterkariert. 

  • 2/24

    Wasserentnahme an der Shushica

    Zum Vjosa-Wildfluss-Nationalpark gehört nicht nur die Vjosa selbst, sondern auch ihre wichtigsten Nebenflüsse, darunter die Shushica. Doch für ein Tourismusprojekt an der Küste sollte der Shushica das Wasser abgegraben werden, zahlreiche Rohre wurden verlegt, um den Fluss umzuleiten. Am 24. Februar 2024 protestierten Anwohnerinnen und Bürgermeister, Aktivistinnen und Anwälte gegen die Pläne der Regierung. Allerdings vergeblich: Ab August 2026 soll die Wasserableitung aus der Shushica offiziell beginnen. 

Klare Haltung: Gewaltfreiheit und Dialog

Angesichts der zugespitzten Situation vor Ort erreichen uns Berichte über zunehmende Spannungen. EuroNatur stellt klar: Wir rufen alle Beteiligten zu gewaltfreiem Widerstand und besonnenem Handeln auf. Wir verurteilen jede Form von Gewalt – unabhängig davon, von welcher Seite sie ausgeht.

Nachhaltiger Natur- und Umweltschutz kann nur im Dialog und auf Grundlage rechtsstaatlicher Prinzipien gelingen. Einschüchterung, Eskalation und Gewalt gefährden nicht nur Menschen, sondern auch die Chancen auf konstruktive Lösungen.

Schönheit und Gefährdung des Vjosa-Deltas

Jetzt handeln: Schutz der Narta-Lagune sicherstellen

Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass der Schutz des Vjosa-Deltas dringend gestärkt werden muss. Wir fordern:

  • einen sofortigen Stopp aller naturgefährdenden Bauprojekte in und um die Lagune
  • die konsequente Einhaltung nationaler und internationaler Schutzverpflichtungen
  • transparente Entscheidungsprozesse unter Beteiligung der Zivilgesellschaft
  • langfristige Strategien zum Erhalt des gesamten Vjosa-Deltas

EuroNatur wird sich gemeinsam mit PPNEA weiterhin mit aller Kraft für den Schutz dieses einzigartigen Naturraums einsetzen.

Seit Ende Mai finden täglich Proteste in Albanien statt; mittlerweile firmieren sie unter dem Namen “Flamingo-Revolution” und gehen weit über den reinen Naturschutz hinaus. Die Bilder geben einen guten Einblick in das Ausmaß der Proteste: 

Auch Sie können aktiv werden:

  • Bitte teilen Sie unsere Beiträge in den Sozialen Medien und verbreiten Sie die Informationen über die Umweltfrevel in Albanien.
  • Folgen Sie uns und unseren Partnern, damit Sie in dieser Sache auf dem neusten Stand bleiben.
  • Bitte unterzeichnen Sie die Petition gegen die aktuellen Bauvorhaben und teilen Sie diese in Ihrer Familie oder Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis.
  • In vielen Städten in Albanien, Europa und der Welt wird aktuell gegen die Vorhaben der albanischen Regierung demonstriert. Schließlich Sie sich dem friedlichen Protest an.
  • Bitte nehmen Sie an der E-Mail-Aktion an Premier Edi Rama teil (auf Englisch).
  • Abonnieren Sie unseren Newsletter.
  • Weitere Anregungen, wie sie sich sporadisch und ohne dauerhafte Verpflichtung einbringen können, finden Sie hier.

In den Medien

Hier finden Sie eine kleine Auswahl an überwiegend deutschsprachigen Presseberichten zum Thema. Den ausführlichen Pressespiegel zu den aktuellen Entwicklungen in Albanien finden Sie hier

FAQ vom 14. Juni 2026 zu den wochenlangen Protesten in Albanien, inklusive Videos, auf tagesschau.de

Ausführlicher Bericht vom 12. Juni 2026 und Einschätzung der Lage vor dem Hintergrund der andauernden Proteste bei politico.eu (auf Englisch)

Multimediale Eindrücke der Region vermittelt diese Reportage von 2024 auf riffreporter.de

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