Zwischen Durchbruch und Rückschritt: Vjosa Wildfluss-Nationalpark wird drei Jahre alt

albanischer Wildfluss Vjosa

Der 15. März 2023 markiert einen Meilenstein im Gewässerschutz: Die Vjosa in Albanien wird zum ersten Wildfluss-Nationalpark Europas erklärt. Die albanische Regierung muss jedoch noch zeigen, dass dies auch in der Praxis einen besseren Schutz für den Fluss gewährleistet.

© Nicolas Jehly
Luftansicht des Vjosa-Deltas von der Flussmündung her gesehen.

Ein Blick aus der Vogelperspektive auf das Vjosa-Delta in Albanien. Es zählt zusammen mit den benachbarten Deltas der Flüsse Shkumini und Semani zu den letzten großen, intakten Deltas im Mittelmeerraum.

© Adrian Guri

Drei Jahre nachdem Albaniens Fluss Vjosa zum ersten Wildfluss-Nationalpark Europas erklärt wurde, ist die anfängliche Euphorie einer wachsenden Unruhe gewichen: Die Änderung des albanischen Schutzgebietsgesetzes hat die ursprünglich zugesicherten Schutzmechanismen ausgehöhlt und droht, genau jene Errungenschaft zu untergraben, die einst als globales Vorbild für den Flussschutz gefeiert wurde.

Die Ausweisung des Vjosa Wildfluss-Nationalparks im Jahr 2023 war ein Meilenstein für den Naturschutz und die Zivilgesellschaft in ganz Europa. Nach einem Jahrzehnt engagierter Arbeit von EuroNatur und ihren Partnern im Rahmen der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“, verpflichtete sich Albanien, die Vjosa als eines der letzten frei fließenden Flusssysteme des Kontinents unter Schutz zu stellen. Einst weltweit als Modell für den internationalen Flussschutz gefeiert und 2025 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt, präsentiert sich die Vjosa heute als ein Papierpark. 

Albaniens Änderungen des Gesetzes über Schutzgebiete im Februar 2024 haben zentrale Schutzmechanismen aufgehoben, darunter jene, die den Vjosa Wildfluss- Nationalpark absichern sollten. Die Neuerungen erlauben große Infrastrukturprojekte innerhalb von Schutzgebieten wie z.B. Wasserkraftwerke, sofern sie der Entwicklung von Luxustourismus dienen. Obwohl die Regierung sich im Rahmen der EU-Beitrittskriterien verpflichtet hat, diese Gesetzesanpassungen bis Ende 2027 zurückzunehmen, fällt dieser Zeitpunkt mit dem Abschluss der EU-Beitrittsverhandlungen zusammen. Damit entsteht ein langes und riskantes Zeitfenster, in dem irreversible ökologische Schäden zu erwarten sind.
EuroNatur begrüßt Albaniens Zusage, die schädlichen Gesetzesänderungen rückgängig zu machen, doch das Versprechen kommt spät. Nicht nur der Fluss Vjosa selbst, sondern auch sein Delta – eine der letzten großen unberührten Flussmündungen im Mittelmeerraum – stehen unter starkem Druck. Da große Entwicklungsprojekte im Vjosa-Delta und entlang der Küste bereits voranschreiten, könnten viele der wertvollsten Lebensräume dieses Flussökosystems bis dahin nicht überleben.

„Während der Wildfluss Nationalpark Vjosa sein drittes Jahr erreicht, klafft eine deutliche Lücke zwischen seiner symbolischen Bedeutung und der Realität vor Ort. Die Vjosa kann noch immer zu dem globalen Vorbild werden, als das sie einst gefeiert wurde – aber nur, wenn Albanien seine Versprechen jetzt in Taten umsetzt. Starke rechtliche Schutzmechanismen und die Umsetzung des Managementplans des Parks vor dem derzeit zugesagten Zeitplan sind entscheidend“, sagt Annette Spangenberg, Programmleiterin Fließgewässer bei EuroNatur.

Der dritte Jahrestag der Vjosa erinnert daran, dass die Euphorie von 2023 nur Bestand haben wird, wenn Albanien in puncto Vjosa-Nationalpark vom bloßen Versprechen zum echten, Schutz übergeht – damit die Vjosa tatsächlich zum Vorbild für den weltweiten Flussschutz wird.

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv
Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Damit leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag zur Bewahrung von Europas Flüssen.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles