Erhalt der Artenvielfalt über Grenzen hinweg

Fledermäuse, Storchenkolonien und angesichts der Temperaturen passende Diskussionen über Wasserknappheit: Eine internationale Exkursion durch Österreich, die Slowakei und Tschechien zeigte, wie eng Artenvielfalt, Umweltschutz und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg miteinander verbunden sind.

stattliche Wechselkröte in der Hand

Was für ein Prachtexemplar! Die Exkursion begann schon am ersten Abend zoologisch interessant zu werden mit der Sichtung einer stattlichen Wechselkröte.

© Christina

Als bereits am ersten Abend eine Wechselkröte direkt vor dem Hotel auftauchte und für Begeisterung bei den Amphibienfans sorgte, war klar: Diese Reise würde mehr bereithalten als Fachvorträge und Referate. Sechs Tage lang, vom 28. Juni bis zum 3. Juli 2026 erkundeten Naturschutzexpertinnen und Artenkundler aus Deutschland, Polen und Österreich einige der ökologisch wertvollsten Landschaften entlang des Grünen Bandes Europa. Ziel der Studienreise im Rahmen des Interreg-Projekts „Gatunki Viadrina Arten“ war der Austausch über den Schutz von Fledermäusen, Trockenrasen und Umweltbildung.

Mit dem Bus ging es von Frankfurt Oder aus nach Petronell-Carnuntum, eine alte Römerstadt an der Donau und schon auf der langen Busfahrt boten sich erste Gelegenheiten, nicht nur einander kennenzulernen, sondern auch voneinander zu lernen.

Klimakrise als Vortragsthema und am eigenen Leib

Naturschützer vor Ziehbrunnen

Ob Schirmchen oder Kopfbedeckung: Sonnenschutz war wichtig bei der Exkursion in den Nationalpark Neusiedler See. Im Hintergrund: einer der typischen Ziehbrunnen der Region

© Gosia
Naturschützer baden im Neusiedler See

Die Gruppe geht baden...relative Abkühlung im Neusiedler See

© Christina

Der inhaltliche Teil der Studienreise startete an einem der heißesten Tage der Messgeschichte der Region und führte die Teilnehmenden der Exkursion zunächst in den Nationalpark Neusiedlersee Seewinkel und am späten Nachmittag noch nach Bratislava. Im Nationalpark standen die einzigartigen Salzlacken und die Auswirkungen von Wasserknappheit im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden erfuhren, wie stark sinkende Grundwasserstände die Region verändern. Die starke Hitze an dem Tag verdeutlichte die Dringlichkeit dieses ökologischen Problems in dieser Gegend Europas.

Nach einer kurzen „Abkühlung“ im etwa 28° warmen Neusiedlersee, bei der unter anderem Projekte zur Beweidung vorgestellt wurden – eine ungewöhnliche Form des Austausches, die von allen Teilnehmenden allerdings als sehr angenehm empfunden worden war – ging es weiter nach Bratislava, wo wir das Umweltzentrum Mestské lesy Bratislava und deren Ausstellung besuchten. In einem Vortrag erzählten die Angestellten des Umweltzentrums über ihre Forschungsarbeit, aktuelle Projekte und die verschiedenen Formen der Bildungsarbeit. An diesem Abend wurde grenzübergreifende Vielfalt auf kleinstem Raum gelebt, da sich die Teilnehmenden teilweise viersprachig (Slowakisch, Englisch, Deutsch und Polnisch) untereinander austauschten. 

Historie in den Donauauen

Trophären im Schloss Eckartsau

Habsburger Jagdbessenheit: Im Jagdschloss Eckartsau finden sich Tausende Jagdtrophäen, vor allem von Erzherzog Franz Ferdinand.

© Christina
Wochenstube Brauner Langohren im Schloss Eckartsau

Unter dem Dach befinden sich aber zum Glück auch einige lebende Tiere: Braune Langohren haben hier ihre Wochenstube.

© Cornelia Mähr
Koniks am Ufer eines Wasserlochs

Auch die Koniks suchen während der Hitze die Uferbereiche der Gewässer im Gebiet auf.

© Cornelia Mähr
Wildkatze klettert einen Baum herunter

In einer weitläufigen Anlage beim Nationalparkhaus Thayatal lassen sich Wildkatzen beobachten - was in der freien Wildbahn aufgrund ihrer scheuen Lebensweise so gut wie unmöglich ist.

© Cornelia Mähr
Naturschützer vor gesichertem Eingang zu einer Fledermaushöhle

Teilnehmende vor einem gesicherten Fledermaus-Höhleneingang

© Cornelia Mähr

Im Nationalpark Donau-Auen ging es am zweiten Tag unserer Fortbildungsreise in eine der artenreichsten Fledermauslandschaften Österreichs. 23 von 28 Fledermausarten des Landes kommen hier vor. Bei Besuchen in Schloss Eckartsau, einem alten Jagdschloss der Habsburger, und an ehemaligen Donauarmen tauschten sich die Expertinnen und Fachmänner über Schutzmaßnahmen für Wochenstuben, Höhlenquartiere und Gewässerlebensräume aus. Eine Bootsfahrt auf der Donau bot hierfür die ideale Gelegenheit.

Natürlich kamen wir als Naturschutzgruppe hierbei nicht umhin, uns einen bedeutenden Ort der jüngeren (Naturschutz-) Geschichte Österreichs anzuschauen. Bei Hainburg sollte in den 1980er-Jahren ein riesiges Donaukraftwerk entstehen. Der Protest gegen die naturzerstörerischen Pläne war massiv und wurde zur Geburtsstunde der österreichischen Umweltbewegung. Die Proteste damals waren übrigens erfolgreich: Statt des Kraftwerks ist das Gebiet nun Nationalpark. Am Abend speiste die Gruppe in einem traditionellen Buschenschank, eine kulturelle Besonderheit Österreichs, die für jeden zu empfehlen ist, der gerne lokale Produkte direkt vom Bauern, beziehungsweise Winzer konsumiert.

Wo Störche, Koniks und Wildkatzen zu Hause sind

Der nächste Tag führte die Teilnehmer in das Storchendorf Marchegg und das umgebende Auenreservat. Zwischen Auwäldern, Feuchtwiesen und Weideflächen mit Konikpferden und Rindern wurde deutlich, wie die Natur von vielfältigen Lebensräumen profitiert. Unter dem Dach des Schlosses von Marchegg haben Große Mausohren ihre Wochenstube; außerdem leben dort Breitflügelfledermäuse und vereinzelt Graue Langohren. Die hier durchgeführten Renovierungsmaßnahmen konnten aufgrund der außergewöhnlichen Hitze unter dem Dach leider nicht, wie ursprünglich geplant, besucht werden; dafür hat ein Experte des KFFÖ (Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich) von außen über die Maßnahmen informiert. Bei der anschließenden Wanderung an die slowakisch-österreichische Grenze tauschten sich die Teilnehmenden der Studienreise intensiv über grenzüberschreitende Renaturierungsprojekte und zukünftige Kooperationen aus. 

Den Abschluss der Reise bildeten die Nationalparks Thayatal und Podyjí an der österreichisch-tschechischen Grenze. Im Thayatal standen die Themen Waldentwicklung, Neophyten und Wildkatzenschutz (inkl. Teilnahme an einer Fütterung) im Fokus. Hier befinden sich 40 Prozent aller Pflanzenarten Österreichs; es ist ein Mosaik aus verschiedenen Waldgesellschaften, unterschiedliche Wiesentypen und diversen Gesteinsuntergründen. Die Übernachtung mitten im Nationalpark ermöglichte es den Teilnehmenden am Abend, Fledermäuse im Nationalpark zu entdecken; Frühaufsteher erspähten bereits vor dem offiziellen Programmstart Schwarzstörche.

Auf tschechischer Seite, im Podyjí-Nationalpark, hinterließ der Besuch historischer Weinkeller – mehr von innen als von außen – einen tiefen Eindruck. Vor der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg war das Gebiet durch Weinbau geprägt gewesen; deshalb existieren in dieser Region noch immer zahlreiche Weinkeller, die heute als wichtige Winterquartiere für Fledermäuse dienen. Einen dieser Keller konnten wir besuchen und die Experten erzählten uns eine Menge über die Langzeitfledermausforschung. Die Verwaltung des Nationalparks hofft, diesen Keller, der im Winter zwölf unterschiedliche Fledermausarten beherbergt, bald erwerben und ihn so langfristig erhalten zu können. Auch Maßnahmen gegen Verfall, Prädation und Zerstörung wären in dem Fall geplant.

Die Jäger der Nacht

männliche Breitflügelfledermaus wird untersucht

Diese männliche Breitflügelfledermaus ist ins Netz gegangen und wird nun inspiziert.

© Cornelia Mähr

Ein Höhepunkt erwartete uns am Ende der Fortbildungsreise. In der Heide nahe eines Stillgewässers wurde ein Fangnetz für Fledermäuse aufgespannt. Leider waren nicht sehr viele der Flattertiere unterwegs; zumindest ging uns eine männliche Breitflügelfledermaus ins Netz. Mir ging es wie den meisten Teilnehmenden: Ich war begeistert von dem Fang. Meistens sieht man die Jäger der Nacht nur als schnell fliegende Schatten an lauen Sommerabenden; ihnen nun so nahe zu kommen und ihre Anatomie zu studieren (beeindruckend spitze Zähne!) empfand ich als großartige Erfahrung. Ein paar weitere Exemplare konnten wir mit Nachtsichtgeräten ausfindig machen.

Müde und geschlaucht – auch von der Hitzewelle, in die unsere Studienreise genau fiel – aber auch reich beschenkt mit neuen Eindrücken, Gedanken und Kontakten, jeder mit seinen persönlichen Highlights im Koffer, kehrte die Gruppe am nächsten Tag nach Deutschland, beziehungsweise Polen zurück. Unsere Exkursion machte einmal mehr deutlich, welchen Wert die grenzüberschreitenden Natur- und Kulturlandschaften Mitteleuropas besitzen und wie schützenswert sie sind.

EuroNatur-Mitarbeiterin Cornelia Mähr
© Kerstin Sauer

Die Autorin dieses Beitrags, Cornelia Mähr, arbeitet als Projektleiterin für Kulturlandschaften bei EuroNatur. Cornelia ist gebürtige Österreicherin, hat in Wien ihren Master absolviert, wodurch sie zu den Regionen, die sie im Rahmen der Studienreise besuchte, einen engen Bezug hat. Es hat ihr daher große Freude bereitet, den polnischen und deutschen Kollegen die österreichische Natur im Allgemeinen und den Fledermausschutz im Besonderen näher zu bringen.

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