Citizen Science liefert wichtige Daten für den Schutz des Seggenrohrsängers und seiner bedrohten Lebensräume entlang des europäischen Vogelzugs.
Seltener Anblick: Seggenrohrsänger im Schilf. EuroNatur engagiert sich mit ihren Partnern dafür, dass die vom Aussterben bedrohte Vogelart nicht ausstirbt.
© Žymantas Morkvėnas, Baltic Environmental Forum Lithuania
Vogelzählungen sind eine der beliebtesten Formen von Citizen Science; auch im Seggenrohrsänger-Projekt wird auf die Expertise von Ehrenamtlichen zurückgegriffen. Hier ein Freiwilliger aus Frankreich, der in der Ukraine singende Männchen der Art zählt.
© Justine VansynghelUnter dem Motto „Jeder Vogel zählt – Deine Beobachtungen sind wichtig!“ machte der diesjährige Weltzugvogeltag auf die zentrale Bedeutung von Bürgerwissenschaft für den Schutz von Zugvögeln aufmerksam. Weltweit liefern Naturbegeisterte mit ihren Beobachtungen wertvolle Daten über Bestände, Zugrouten und Lebensräume von Vögeln. Diese Informationen bilden eine wichtige Grundlage für effektive Naturschutzmaßnahmen.
Kaum eine Art verdeutlicht die Bedeutung solcher Beobachtungen so eindrücklich wie der Seggenrohrsänger. Der seltenste Singvogel Europas ist entlang seiner Zugroute auf intakte Feuchtgebiete angewiesen, doch von denen gibt es immer weniger. Umso wichtiger ist es, Veränderungen in seinen Brut- und Rastgebieten frühzeitig zu erkennen und Schutzmaßnahmen gezielt umzusetzen.
Im Rahmen des internationalen LIFE-Projekts „LIFE4AquaticWarbler“ arbeitet EuroNatur gemeinsam mit Partnerorganisationen daran, die Bestände des Seggenrohrsängers in Ostmitteleuropa zu sichern und neue Brutgebiete zu entwickeln. Dabei spielen regelmäßige Vogelzählungen eine entscheidende Rolle. Ornithologinnen und Vogelexperten, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie lokale Gemeinden tragen mit ihren Beobachtungen dazu bei, die Situation der Art besser zu verstehen und Schutzmaßnahmen kontinuierlich anzupassen.
„Der Seggenrohrsänger kennt keine Landesgrenzen. Sein Schutz funktioniert nur, wenn Menschen entlang seines gesamten Zugwegs zusammenarbeiten“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur. „Das Motto des diesjährigen Weltzugvogeltages bringt es auf den Punkt: Jede Beobachtung zählt. Sie hilft uns, Trends zu erkennen, Gefahren frühzeitig zu identifizieren und wirksame Maßnahmen für bedrohte Zugvögel zu entwickeln.“
Das Motto erinnert zudem daran, dass Naturschutz nicht allein Aufgabe von Wissenschaft und Politik ist. Ob bei Vogelzählungen, der Meldung von Beobachtungen auf Citizen-Science-Plattformen oder durch die Unterstützung von Schutzprojekten: Jede und jeder kann einen Beitrag leisten, damit Zugvögel auch in Zukunft sichere Rast- und Brutgebiete finden. Genau darauf ist der Seggenrohrsänger angewiesen.
Hintergrundinformationen:
- Seggenrohrsänger: Der einst häufige Moorbewohner hat in den zurückliegenden Jahrzehnten einen beispiellosen Populationseinbruch erfahren; heute gilt der Seggenrohrsänger als der seltenste Singvogel Europas. In seinem gesamten Verbreitungsgebiet gibt es nur noch etwa 4.000 bis 5.000 singende Männchen. In Ostmitteleuropa kämpfen wir gemeinsam mit unseren Partnern um sein Überleben – es ist die vielleicht letzte Chance für die Art.
- Das Projekt „Erhaltung von Europas seltenstem kontinentalen Singvogel: Eine grenzüberschreitende Initiative zur Erholung der Seggenrohrsänger-Population“ (Akronym: LIFE4AquaticWarbler) wird durch das LIFE-Programm der Europäischen Union, das Umweltministerium der Republik Litauen, die Umweltstiftung Michael Otto, die Kurt Lange Stiftung, den Naturschutzfond Brandenburg, die Giving Back to Nature Foundation, den Bird Conservation Fund und die Projektpartner finanziert. Es ist am 1. Oktober 2024 gestartet und auf neun Jahre angelegt.
- Citizen Science (deutsch: Bürgerwissenschaft oder Bürgerforschung) bezeichnet die Beteiligung von interessierten Bürgerinnen und Bürgern an wissenschaftlichen Projekten. Dabei sammeln, dokumentieren oder analysieren Freiwillige Daten und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Forschung. Die gesammelten Daten helfen Forscherinnen und Wissenschaftlern, Verbreitungsgebiete, Bestandsentwicklungen oder Veränderungen in Ökosystemen besser zu verstehen.
Rückfragen: Christian Stielow, christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: 07732/927215