Spendenaufruf Wolf 2026

Portrait eines männlichen Wolfs Portrait eines männlichen Wolfs
© Wikimedia Commons | Raed Mansour

Wölfe auf dem Balkan: Koexistenz statt Abschuss

Slađan Pendić mit Wolfszaun

Slađan Pendićs Familie arbeitet seit Generationen mitten im Wolfsgebiet – und dennoch setzt Slađan auf Schutz statt Abschuss. Für ihn ist ein konfliktarmes Miteinander möglich.

© CZZS

Zusammenleben mit dem Wolf

„Die Wolfspopulation muss geschützt werden. Wölfe leben seit Jahrhunderten im Zvijezda-Gebirge und spielen eine wichtige Rolle für das ökologische Gleichgewicht.“ Dass dieser Satz von einem Weideviehhalter stammt, überrascht vielleicht. Slađan Pendić aus Vareš lebt und arbeitet mitten in einem Wolfsgebiet in Bosnien-Herzegowina. Seine Tiere weiden in einer Region, in der Wölfe seit Generationen zuhause sind. Und dennoch plädiert er nicht für Abschüsse – sondern für Schutz. 

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Aleksandra Anja Dragomirović und ein Kollege befestigen eine Kamerafalle an einem Baum

Aleksandra Anja Dragomirović (li.) bei der Spurensicherung im Feld. Kamerafallen liefern belastbare Daten und somit die Grundlage für sachliche Entscheidungen im Wolfschutz.

© CZZS

Auf dem Balkan gehört der Wolf zur Landschaft wie die Wälder, die Hochweiden und die alten Hirtenpfade. „Der Wolf ist nicht nur ein Tier, sondern Teil unserer Kultur, Mythologie und Identität“, sagt Aleksandra Anja Dragomirović von der EuroNatur-Partnerorganisation Center for Environment (CZZS).

In Bosnien-Herzegowina leben heute schätzungsweise 400 bis 600 Wölfe. Mit Ihrer Unterstützung können wir den Wolf als Teil der Landschaft und Kultur bewahren, lokale Schutzmaßnahmen stärken und ein konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Wolf in Bosnien-Herzegowina fördern.

Zwischen Tradition und Konflikt

Pfotenabdruck eines Wolfs

Man sieht den Wolf selten. Aber wer genau hinschaut, findet seine Spuren überall. Die Wälder des Balkans sind seit Generationen sein Zuhause und das soll so bleiben.

© CZZS
Eine Kamerafalle ist an einem Baum befestigt.

Schätzungsweise 400 bis 600 Wölfe leben heute in Bosnien-Herzegowina, doch wissenschaftlich fundierte Bestandszahlen fehlen bislang weitgehend.

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Trotz dieser Verwurzelung kommt es auch auf dem Balkan immer wieder zu Spannungen. Der Verlust von Vieh durch Wolfsrisse, uneinheitliche gesetzliche Regelungen und fehlende verlässliche Bestandszahlen erschweren das Zusammenleben von Mensch und Wolf. „Viele Einschätzungen zur Wolfspopulation basieren bisher auf Jagdstatistiken – doch reine Jagddaten reichen nicht“, betont Dragomirović.

Fehlen belastbare Zahlen, wächst das Konfliktpotenzial, besonders in einem politisch komplex organisierten Staat wie Bosnien- Herzegowina mit unterschiedlichen Verwaltungseinheiten und Zuständigkeiten. Ohne verlässliche Daten ist es schwer, geeignete Herdenschutzmaßnahmen gezielt umzusetzen. Einheitliche Programme für Monitoring und Herdenschutz existieren bislang kaum, da Monitoring teuer ist und langfristige Ressourcen erfordert, erklärt Dragomirović.

Politischer Gegenwind aus Europa

Ein Wolf wurde von einer Kamerafalle fotografiert.
© CZZS

Im März 2026 hat der Bundestag beschlossen, den Wolf ins Bundesjagdgesetz aufzunehmen. Wölfe, die Nutztiere reißen oder Schutzmaßnahmen überwinden, dürfen rechtlich abgesichert abgeschossen werden. Gleichzeitig hat sich Deutschland in der Berner Konvention, einem der wichtigsten Naturschutzabkommen Europas, für eine Herabstufung des Wolfes von „streng geschützt“ auf „geschützt“ ausgesprochen. Bosnien-Herzegowina hat gegen diese Änderung gestimmt.

Für Antje Henkelmann, Projektleiterin bei EuroNatur, ist klar: „Gerade jetzt gilt es, Naturschutzerfolge in Europa zu verteidigen, faktenbasierte Entscheidungen einzufordern und Bosnien-Herzegowina in seiner positiven Haltung gegenüber dem Wolf zu bestärken.“

Vor diesem Hintergrund starteten EuroNatur und CZZS ein Pilotprojekt mit zwei zentralen Zielen: ein kontinuierliches, wissenschaftlich fundiertes Monitoring aufzubauen – und gleichzeitig konkrete Unterstützung für Weidetierhalter zu leisten.

Kamerafallen, Spurennachweise und genetische Analysen helfen, beispielsweise Doppelzählungen zu vermeiden und die tatsächliche Bestandsentwicklung realistisch einzuschätzen. Eine solide Datengrundlage versachlicht die Debatte und ermöglicht geeignete Maßnahmen.

  • Zersplitterte Rechtslage im Wolfschutz

    Die fragmentierte Gesetzgebung in Bosnien-Herzegowina erschwert den Wolfschutz: Das Land besteht aus zwei Entitäten – der Republika Srpska und der Föderation Bosnien-Herzegowina – mit jeweils unterschiedlichen Regelungen. In der Republika Srpska ist der Wolf ganzjährig bejagbar, während in der Föderation ein teilweiser Schutz besteht. Ein landesweit einheitlicher Schutz fehlt, und die Rechtslage ist komplex und regional unterschiedlich. Ohne vollständige Harmonisierung mit internationalen Vorgaben bleibt die Situation rechtlich unübersichtlich, auch fehlt eine verlässliche datenbasierte Grundlage – unabhängige, wissenschaftlich fundierte Monitoringinitiativen sind daher besonders wichtig.

Lokales Wissen als Schlüssel

Slađan Pendić beim Aufbau eines Elektrozauns

Slađan Pendić beim Aufbau eines Elektrozauns in einer der Pilotregionen. Mit rund 650 Euro pro Zaun lassen sich Wolfsrisse wirksam reduzieren. Weideviehhalter sind von Anfang an direkt eingebunden.

© CZZS

Die Auswahl der Pilotregionen erfolgte gezielt: Gebiete mit nachgewiesener Wolfspopulation und engagierten lokalen Akteuren – Jägern, Förstern oder Gebietsmanagerinnen –, die bereit sind, beim Monitoring mitzuwirken. „Lokales Wissen spielt eine zentrale Rolle“, erklärt Dragomirović. „Die Menschen vor Ort wissen, wo sich die Wölfe aufhalten und wo Kamerafallen sinnvoll platziert werden können.“ 

Auf Basis dieses lokalen Wissens werden gleichzeitig praktische Schutzmaßnahmen umgesetzt. Elektrozäune werden bereitgestellt, und die lokalen Akteure sind direkt in die Umsetzung eingebunden. Auch Anđelko Dević, ein Schäfer aus Travnik, einer Region, in der Wölfe sehr präsent sind, berichtet: „Wir hatten mehrfach Schäden durch Wölfe und Bären. Der Elektrozaun wird uns sehr helfen.“

Trotz bestehender Herausforderungen wie Lebensraumverlust, illegale Jagd und Mensch-Wildtier-Konflikte zeigt sich die Haltung vieler Beteiligter pragmatisch. Es geht nicht um Ausrottung, sondern um praktikable Lösungen.

EuroNatur unterstützt diesen Weg und gibt Rückendeckung, damit Bosnien-Herzegowina ein Positivbeispiel für ein konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Wolf werden kann – faktenbasiert, praxisnah und gemeinsam mit den Menschen vor Ort.

Die Menschen wollen praktikable Lösungen für das Zusammenleben mit dem Wolf, keine Ausrottung.

Portrait von Aleksandra Anja Dragomirović
Aleksandra Anja Dragomirović vom Center for Environment (CZZS)

Geben Sie dem Wolfschutz Rückenwind

Das Pilotprojekt zeigt, wie Monitoring und praktische Herdenschutzmaßnahmen vor Ort aufgebaut werden können. Lokale Akteure beteiligen sich aktiv an der Datenerhebung und setzen Schutzmaßnahmen für ihre Herden um. Mit Ihrer Hilfe können wir dieses Engagement weiter stärken. Das Monitoring wird ausgebaut, Beteiligte werden geschult und Schäferfamilien beim Schutz ihrer Tiere unterstützt.

Gerade jetzt, da europaweit über den Schutzstatus des Wolfs diskutiert wird, brauchen die Menschen vor Ort Rückhalt mehr denn je. EuroNatur und CZZS sind entschlossen, den Wolfschutz in Bosnien-Herzegowina gemeinsam mit lokalen Partnern weiter voranzubringen.

Die Maßnahmen des Jahres 2026 sind ein wichtiger Schritt, um die bisherigen Schutzbemühungen dauerhaft abzusichern. Ihre Unterstützung hilft, diese Arbeit fortzuführen und konkrete Schutzmaßnahmen vor Ort möglich zu machen.

Aufbauend auf den bisherigen Erfolgen sollen künftige Initiativen unter anderem:

  • Die Monitoringaktivitäten auf weitere ausgewählte Regionen in Bosnien-Herzegowina ausdehnen.
  • Eine zentralisierte nationale Datenbank einrichten.
  • Die Etablierung von Schutzzäunen weiter vorantreiben – dies ist mit etwa 650 Euro pro Zaun möglich.

Mit Ihrer Spende zeigen Sie unseren Partnern in Bosnien-Herzegowina Ihre Solidarität!

Kennwort: Wolf
SozialBank
IBAN: DE42 3702 0500 0008 1820 05
SWIFT/BIC: BFSWDE33XXX

Wenn Sie längerfristig helfen wollen, werden Sie Wolfspate! Bei 10 Euro pro Monat kostet Sie Ihr Jahresbeitrag nur 33 Cent pro Tag. Und doch tragen Sie damit dauerhaft zum Schutz der Wölfe und ihrer Lebensräume in Europa bei. Wolfspaten erhalten eine Urkunde, regelmäßig das EuroNatur-Magazin und nach Ablauf des Jahres eine Spendenbescheinigung. Die Patenschaft ist jederzeit mit sofortiger Wirkung und ohne Einhaltung von Fristen kündbar.

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