Fakten und Zahlen
- Ort:
- Oberthrakische Tiefebene, zentral in der Südhälfte Bulgariens nahe des Flusses Mariza. Der Fluss verbindet Belosem mit Poros, dem europäischen Storchendorf in Griechenland, das ebenfalls an der Mariza (dort Evros genannt) liegt.
- Population:
-
25 - 36
Min. und max. Anzahl der Brutpaare seit dem Jahr 2000
5.000
Einwohner im Jahr 2017 - Weißstorch auf Bulgarisch:
- Белият щъркел (Belijat štărkel)
- Nistplätze:
- auf dem Dach der Schule, auf Strommasten, Schornsteinen und Bäumen
- Veranstaltungen:
- Weißstorch-Festival, Monitoring von Brutpaaren und Beringung von Jungstörchen, Storchenausstellung
Kontakt
Green Balkans (NGO)
www.greenbalkans.org
office(at)greenbalkans.org
Bürgermeisteramt Belosem
kmetstvo_belozem(at)abv.bg
Gemeindezentrum „Prosveta 1909“
prosveta-1909(at)abv.bg
Interaktive Karte
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Liebesfedern
„Es kursiert die Geschichte in Belosem, dass ein unglücklich Verliebter sich eine Storchenfeder besorgen und in den Garten bzw. Hof des Hauses werfen soll, in dem seine Angebetete lebt, die daraufhin anfangen wird, ihn zu lieben. Die Geschichte hat zu realen Handlungen dieser Art inspiriert und sich, soweit wir wissen, als wahr herausgestellt.“
Veranstaltungen und Tourismus
- Jährliches Weißstorch-Festival seit 2006
- Jährliches Monitoring der Brutpaare samt Beringung der Jungstörche
- Storchenausstellung im Gemeindezentrum „Prosveta“
Landschaft und Lebensraum
Das Dorf hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Sofia-Burgas. Im Süden grenzt es an den Fluss Mariza (Έβρος / Evros in Griechenland und Meriç in der Türkei) – einen der größten Flüsse in Bulgarien und auf dem Balkan. Belosems Fläche umfasst 4.200 Hektar; das meiste davon wird landwirtschaftlich genutzt. Wichtige Feldfrüchte sind u. a. Sonnenblumen, Gemüse und Reis – Reisfelder nehmen 600 Hektar ein. Gewässer machen 224 Hektar aus. Ein kleines, 4 Hektar großes Gewässer wird gerade von einem privaten Landwirt auf der Fläche eines ungenutzten Gemeindeangers angelegt. Weiden, Wiesen und Sümpfe bedecken 80 Hektar. Äcker mit anderen Feldfrüchten als Reis nehmen 3.200 Hektar ein. Die Gesamtfläche des Haupt-Storchenhabitats beträgt 904 Hektar, das sind etwa 20 % des gesamten Dorfgebiets. Die Störche ernähren sich überwiegend von Reptilien, Fröschen, Fischen, Insekten und Mäusen, selten von Weißbrustigeln.
Der Storch in der bulgarischen Kultur und ihren Traditionen
Der Weißstorch gilt im Volksglauben und magischen Riten mehr als jedes andere Tier als Vorbote des Frühlings und ein Symbol für Auferstehung und neues Leben. Die nicht nur in Bulgarien, sondern auch in vielen anderen Ländern beliebteste Geschichte, die sich um den Storch rankt, ist die, dass er die Babys der Menschen bringt.
Dem populärsten alten Volksbrauch in Bulgarien folgend, wartet die Mehrheit der Menschen dort weiterhin auf die Störche, um die weißen und roten Fäden der sogenannten „Martenizi“ abzunehmen. Dem alten Brauch folgend, bekommen alle am 1. März eine „Marteniza“ geschenkt: Der kleine Schmuck aus weißen und roten Fädchen muss so lange an der Kleidung oder ums Handgelenk getragen werden, bis der erste Storch oder der erste blühende Baum gesichtet wird. Dieser Brauch soll für gute Gesundheit sorgen. Wenn die ersten Störche kommen, nehmen die Menschen ihre Martenizi ab und binden sie an einen blühenden Obstbaum. Manche legten sie früher auch unter einen Stein, um später, je nach Anzahl der unter diesem Stein befindlichen Ameisen, Vorhersagen über die Fruchtbarkeit des Jahres zu machen.
In manchen Landesteilen nehmen die Menschen beim Anblick der ersten Störche Erde vom Boden in die Hand und werfen sie in den Himmel, um das Jahr fruchtbar zu machen. Kinder wie Erwachsene hüpfen auf einem Bein oder imitieren die fliegenden Störche, um damit ihre Gesundheit zu fördern. Manche glauben auch, dass das Jahr regnerisch werden wird, wenn die Störche im Frühling mit schlammigen oder schmutzigen Flügeln zurückkommen.
Naturschutz
Es ist ein lokaler Aktionsplan entwickelt worden. Einige seine Hauptziele sind:
- Verbesserung der Habitatqualität mit Fokus auf Feuchtwiesen und Weiden, durch die Schaffung eines kleinen Gewässers und die Vergrößerung der Feuchtwiesenfläche
- Verbesserung der Brutsituation, durch die Sicherung der Nester auf dem Dach der Schule und des Gemeindezentrums mithilfe der Montage von Nistplattformen, die Sicherung der Nester auf Strommasten, die Isolierung von Stromleitungen und die jährliche Instandhaltung und Reinigung der Nester
- Beringung und Satellitenverfolgung von Weißstörchen; Untersuchungen zum Revier, der Verbreitung und dem Zug der Störche; Monitoring des Bruterfolgs und der Habitatnutzung in der Nähe des Dorfes; Kennzeichnung von Jungstörchen
- Trainings in Form von Workshops für lokale Ehrenamtliche, um die Kapazitäten zur Entwicklung von Ökotourismus, für Monitoring und Storchenschutz zu erweitern; Schaffung eines Weißstorch-Themenparks mit Beobachtungsturm und Informationstafeln; Auszeichnung einer Fahrradroute in und um das Dorf herum; Schaffung einer Storchendorf-Website
Lokale Akteure und EuroNatur-Partner
Gemeinde Rakowski, Bürgermeisteramt Belosem, Green Balkans, Gemeindezentrum „Prosveta 1909“, Geo-Milev-Schule
